Ringen: Frank Stäbler Der Schulhof wird zur Partyzone

Frank Stäbler wird auf dem Schulhof seiner ehemaligen Grundschule in Musberg gefeiert. Foto: Günter Bergmann

Frank Stäbler wird nach seinem Medaillengewinn in Tokio in Musberg gebührend empfangen – und zum Ehrenmitglied des Ringer-Verbands ernannt.

Musberg - Gefühlt hat sich vergangenen Samstag halb Musberg auf dem Schulhof der Eichbergschule versammelt. Hier gibt es genug Platz, damit sich Fans und Unterstützer des griechisch-römischen Ausnahmeringers Frank Stäbler coronakonform zusammenfinden und den Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele in Tokio empfangen und bejubeln können. Sie stehen Spalier als ihr „Franky“ mit seiner Ehefrau Sandra und den beiden Töchtern auf das Gelände einläuft. Die Erleichterung und das pure Glück stehen dem Gefeierten ins Gesicht geschrieben, das Grinsen will an diesem Tag nicht mehr aufhören.

 

Stäbler hält es mit einer alten Weisheit

Drei Tage zuvor hatte der dreifache Weltmeister im Land der aufgehenden Sonne in einem sechsminütigen Kampfkrimi den Georgier Ramadz Zoidze mit 5:4 Punkten besiegt und sich somit den Lebenstraum von einer Olympia-Medaille erfüllt. Nach den verschobenen Spielen ins Jahr 2021, einer Schultereckgelenksprengung, einer überwundenen Covid-19-Erkrankung und dem zusätzliche Abtrainieren auf 67 Kilogramm, ist das eine Erfolgsgeschichte, wie sie selten geschrieben wird. „Zweifler siegen nicht und Sieger zweifeln nicht“, sagt der 32-Jährige. „Das ist eine alte Sportlerweisheit.“

Das Ziel schnell neu definiert

Zweifel an seiner eigenen Leistung hat es wohl kaum gegeben, auch nicht als das 1,74 Meter große Kraftpaket den Kampf im Viertelfinale gegen den Iraner Mohammadreza Geraei verlor und somit auch seine Chance auf Gold. „Nach der Niederlage habe ich in den Katakomben des Stadions innerhalb von Sekunden mein Ziel neu definiert und mich nur noch darauf fokussiert”, sagt Stäbler. Gemäß dem Motto: Bronze ist das neue Gold. In Fachkreisen wird Stäbler wegen dieser starken Charaktereigenschaft auch als Mentalmonster bezeichnet.

Stäbler ist das jüngste Ehrenmitglied

Was für ein Ansehen der Musberger in der deutschen Ringerszene genießt, wird auch noch einmal an diesem Samstag klar, denn die Schlange von hochrangigen Gratulanten ist beinahe genauso lang wie die Liste seiner Erfolge. Beispielsweise hält Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), eine würdevolle Laudatio auf den Ringer, der im Alter von drei Jahren das erste Mal die Matte betrat. Auch Günter Maienschein und Günter Prexl vom Württembergischen Ringerverband (WRV) überbringen ihre Glückwünsche und ernennen Stäbler zum Ehrenmitglied des Verbandes – das jüngste in der Geschichte. Damit aber nicht genug: Auch Andreas Stäbler, Frank Stäblers jahrelanger Heimtrainer, wird mit der goldenen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet. „Wenigstens hat nun einer von euch beiden Gold”, scherzt Jens Zimmermann, der langjährige Manager des Athleten, der den Empfang auf dem Schulhof der Grundschule moderiert. Frank Stäbler lacht herzhaft über den Witz, hat er nun nach seiner dritten Olympiateilnahme mit der Medaille um den Hals seinen Frieden mit den Spielen geschlossen. Er ließ sogar nach dem Kampf seine Schuhe symbolisch auf der Matte in Tokio zurück, um seine internationale Karriere offiziell als beendet zu erklären.

Überraschungsgast in Musberg: Niko Kappel

Ein weiterer Gratulant des erfolgreichen Ringers weiß derweil genau wie sich dieser gerade fühlen muss. Als Überraschungsgast betritt der Welzheimer Niko Kappel, Goldmedaillengewinner im Kugelstoßen bei den Paralympics 2016 in Rio, die Bühne und lässt wissen, dass auch er irgendwann einmal auf eine so erfolgreiche Karriere wie jene von Frank Stäbler zurückblicken möchte.

Am 5. März 2022 ist endgültig Schluss

Eventuell muss die Liste von Frank Stäblers Erfolgen aber noch einmal erweitert werden, denn er wird bekanntermaßen noch eine Saison für die Red Devils in Heilbronn in der ersten Bundesliga ringen. Danach soll es am 5. März 2022 einen offiziellen Abschiedskampf bei einer von Stäbler eigens organisierten Veranstaltung in Ludwigsburg geben. „Dann ist aber auch wirklich Schluss”, sagt er am Samstag augenzwinkernd.

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