In Windeseile wurden die Matten aufgeräumt, die Sponsoren-Banner verstaut und zahlreiche Tische samt Stühlen aufgestellt – die Lindenbachhalle wandelte sich am Samstagabend kurzerhand von der Sport- zur Festhalle, die Weihnachtsfeier der Ringer konnte beginnen. Für die Bescherung hatten die Athleten unmittelbar zuvor selbst gesorgt. Eindrucksvoll besiegte die SG Weilimdorf den KSV Haslach mit 24:15 und hat damit einen Kampftag vor Saisonschluss den Meistertitel in der Regionalliga perfekt gemacht. Der Jubel fiel jedoch etwas verhaltener aus: Ein Gastgeber-Ringer erlitt eine schwere Verletzung – und auch hat der Verein mittlerweile eine bedeutsame Entscheidung getroffen.
Die Freude musste dennoch nach getaner Arbeit raus: Nicht einmal zweieinhalb Minuten benötigte Ion Plamadeala im Freistil bis 75 Kilogramm, um seinen Haslacher Gegenüber Robin Eble nach technischer Überlegenheit zu besiegen und den Endstand herzustellen. Der Hallensprecher Anton Dujnic brüllte daraufhin enthusiastisch ins Mikrofon: „Die Sensation ist perfekt, die SG Weilimdorf ist Meister der Regionalliga.“ Etwas abgeschwächter drückte sich Günter Prexl, der Ex-Vizepräsident des Württembergischen Ringerverbandes aus, als er der Weilimdorfer Feiergemeinde den Meisterwimpel überreichte: „Gratulation, es ist eine kleine Überraschung, die die Weilimdorfer vollbracht haben.“
Nun ja, eher eine große, schließlich sind die Nord-Stuttgarter erst in der Vorsaison aus der Oberliga aufgestiegen. Als Neuling gibt man gemeinhin nicht den nächsten Titel als Ziel aus. Auch nicht in Weilimdorf. So rechneten die Verantwortlichen vor Rundenbeginn „ganz klar mit dem Kampf gegen den Abstieg“, sagt der sportliche Leiter Markus Laible. Doch es sei klar zum Vorschein gekommen, dass die zahlreichen jungen Ringer aus dem „eigenen Stall“ sich weiterentwickelt hätten und sehr gut dagegenhalten konnten. Auch für Kemal Demir, der zusammen mit Behar Rohleder das Team trainiert, war die Entwicklung seiner Athleten so nicht zu erwarten. „Ich habe damit gerechnet, dass wir uns erst an die neue Liga gewöhnen müssen und es einzig und allein um den Klassenverbleib gehen wird. Doch die Jungs haben sich schnell eingewöhnt und überzeugt“, sagt Demir.
Beide Teams ersatzgeschwächt
Beim Blick auf die Aufstellungen vor dem entscheidenden Kampf gegen Haslach – in der Hinrunde stand ein 19:19 – wurde klar: Beide Seiten sind ersatzgeschwächt. Die Gäste traten sogar nicht einmal mit der ganzen Zehner-Belegschaft an, sondern ließen die 98-Kilogramm-Klasse unbesetzt – Alexej Nagorniy brachte somit vier Punkte ohne Anstrengung aufs Tableau. Die Vorfreude auf den Meisterjubel war damit vor dem ersten Duell beim Weilimdorfer Anhang etwas mehr geschürt, wandelte sich aber in der brechend vollen Solitudehalle schnell in Erschütterung um. Der Grund: Weilimdorfs Nachwuchsringer Yannick Hanke, in der 57er-Kategorie für den grippekranken Mateusz Ropiak eingesprungen, fiel unglücklich auf den Ellenbogen und kugelte sich diesen aus. Bis zum Eintreffen des Krankenwagens musste das Duell für 45 Minuten unterbrochen werden. Glück im Unglück scheint der 17-Jährige zu haben: Am gestrigen Sonntag durfte er das Krankenhaus wieder verlassen, „hat den Arm zwar im Gips, doch es ist nichts gebrochen, und der Ellenbogen konnte wieder eingerenkt werden“, berichtet Laible.
Nächster Atemstocker
Atemstocker Nummer zwei beim Kampf von Lukas Laible. Der Weilimdorfer setzte zum Wurf an, und der Haslacher Timo Stiffel landete an der Umrandung des Zuschauerbereichs. Ein erneuter medizinischer Noteinsatz war glücklicherweise nicht nötig, wegen Schulterproblemen gab Stiffel aber auf. Schließlich ergatterten neben Nagorniy, Plamadeala und Lukas Laible auch Felix Bohn, Ahmet Kabal und Csaba Vida je vier Punkte zum Meistersieg.
Bleibt noch die Frage nach dem Meister-Hattrick im kommenden Jahr. Auf jeden Fall nicht in der zweiten Liga, wie der sportliche Leiter Laible betont. Nach Rücksprache mit den Eigengewächsen im Aufgebot sei man zum Schluss gekommen, auf die zweite Liga zu verzichten und weiterhin in der Regionalliga anzutreten. „Wir haben es abgewogen und sind der Meinung , dass ein Großteil von ihnen nur eine 20-prozentige Siegchance hätte“, sagt Laible, zumal in Liga zwei der Einsatz von vier Ausländern erlaubt ist. „Den Weg gehen wir nicht, wollen unserem Nachwuchs weiterhin die Chance zu Einsätzen geben.“ Für immer ausgeschlossen sei der Gang in die höhere Klasse aber nicht. „Wenn die Zeit reif ist“, so Laible, „gehen wir das Wagnis möglicherweise ein.“ Dann vielleicht wieder mit anschließender Weihnachtsfeier.