Ringen: SG Weilimdorf „Das hätte jeder von uns als Witz empfunden“

Künftig sogar zweite Liga? Markus Laible hat eine Meinung dazu. Foto: Benedikt Banovic

Der sportliche Leiter Markus Laible zur überraschenden Tabellenführung des Regionalliga-Neulings SG Weilimdorf und einer somit zunehmend drohenden Frage: Was im Fall eines erneuten Titelgewinns? Wäre ein weiterer Aufstieg überhaupt machbar?

Markus Laible, Sportlicher Leiter der SG Weilimdorf, hat in seiner aktiven Zeit in der zweiten Bundesliga gerungen. Nun wird diese Wettbewerbsklasse für ihn überraschend auch bei seinem jetzigen Verein zum Thema. Gerade erst aufgestiegen, könnte den Nord-Stuttgartern als Tabellenführer der Regionalliga gleich der nächste Sprung nach oben gelingen – was in Weilimdorf aber nicht jedem behagt.

 

Herr Laible, Sie gelten als ein Mensch, der schon vor Saisonbeginn praktisch für jeden einzelnen Kampf der Runde durchrechnet, wie er wohl ausgehen wird. War damit zu rechnen, dass die SG Weilimdorf als Aufsteiger in der Regionalliga so stark auftrumpft?

In der Oberliga war das Ausrechnen leichter – da habe ich alle Vereine und fast alle Ringer gekannt. Dass es in der Regionalliga so gut für uns läuft, das war jedenfalls nicht abzusehen. 2021 ist der TSV Ehningen in die Regionalliga aufgestiegen und musste postwendend wieder runter. Ich dachte, uns geht das genauso.

Und warum ergeht es der SG Weilimdorf nun nicht so wie den Ehningern?

Wir hatten nicht auf dem Schirm, wie schnell sich unsere Ringer entwickeln würden. Als uns in Csaba Vida ein Top-Mann gefehlt hat, weil er bei der Weltmeisterschaft war, hat mein Sohn Lukas in der Klasse bis 80 Kilogramm stilartfremd im Freistil gerungen – ich hätte nicht gedacht, dass er das so gut kann. Ahmet Kabal hat im Griechisch-römisch auch super gearbeitet, obwohl er eigentlich Freistil-Experte ist. Als sich Balázs Racz verletzt hat, ist eben Yannik Hanke eingesprungen. Als Hikmet Akyol ausgefallen ist, hatten wir Artur Rohleder. Als Alexej Nagorniy fehlte, konnten wir den 18-jährigen Leon Dolinger aufstellen, der sich teuer verkauft hat.

Bestimmt ein gutes Gefühl, als Aufsteiger fünf Mannschaftskämpfe vor Saisonschluss ganz oben zu stehen. . .

Unerwartet. Aber es fühlt sich sehr gut an.

Dann steht ja einem neuen Saisonziel wie etwa dem Meisterschaftsgewinn nichts im Wege. . .

Es sieht ganz gut aus. Wir hätten in der Hinrunde den einen oder anderen Kampf durchaus verlieren können. In der Rückrunde schätze ich uns stärker ein, wenn sich keiner mehr verletzt.

Heißt also: „Zweite Bundesliga, wir kommen“?

Zum Glück gibt es für den Meister inzwischen keine Aufstiegspflicht mehr; die wurde abgeschafft. Es gibt nur noch ein Aufstiegsrecht. Denn eigentlich wollen wir nicht hoch. Bei uns im Verein ist der Großteil dafür, in der Regionalliga zu bleiben. Denn die Ansprüche in der zweiten Liga sind riesig. Nicht nur von der sportlichen Seite her ist das ein gewaltiger Qualitätssprung, auch der finanzielle Aufwand – etwa für Meldegebühren und Fahrten – ist enorm. Außerdem stört mich, dass es in der zweiten Liga erlaubt ist, in einer Zehner-Mannschaft vier Ringer aus dem Ausland aufzubieten. Wenn man wie wir nur mit zweien arbeitet, ist man chancenlos. Außerdem muss ich ja für jeden Ringer, den ich hole, eines von unseren Eigengewächsen draußen lassen.

Denken die Sportler genauso?

Schwierig zu sagen. Die meisten haben vor dem Saisonstart gesagt, dass Regionalliga ausreichend ist. Inzwischen sagen sie, dass zweite Liga auch ganz in Ordnung wäre.

Ist denn schon eine Prämie vereinbart, falls die Mannschaft den Titel holen sollte?

Da ist gar nichts ausgemacht. Das hätte vor der Saison jeder von uns als einen Witz empfunden.

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