Robinson-Jugendfarm Botnang Auch im Paradies geht es nicht ohne Mitarbeit

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Die Robinson Jugendfarm ist nicht mehr aus Botnang wegzudenken – und doch kein Selbstläufer.

Thomas Hyrenbach (l.) und Jani KyrkosThomas Hyrenbach (l.) und Jani KyrkosThomas Hyrenbach (l.) und Jani Kyrkos Foto: Isabelle Butschek
Thomas Hyrenbach (l.) und Jani Kyrkos Thomas Hyrenbach (l.) und Jani Kyrkos Thomas Hyrenbach (l.) und Jani Kyrkos Foto: Isabelle Butschek

Botnang –
Freunde des englischen Rasens werden auf der Robinson Jugendfarm nicht glücklich werden. Aber für sie ist das 13 Ar große Gelände am Buberlesbach auch gar nicht gedacht. Sondern für die Kinder und Jugendlichen, die sonst lang suchen müssen, um ein solches Paradies zu finden. Für den Botnanger Nachwuchs gibt es dort jede Menge zu erforschen, zu entdecken, auszuprobieren. Wo anfangen, wo aufhören? Klar, für die meisten der Renner: die Hasen, die Schafe, die Ziegen, die Katzen, die Meerschweinchen, der Hahn, der einem entgegen stolziert. Viel Fell zum Streicheln, viele Mäuler zum Füttern – und alles ohne Eintritt.

Weiter geht’s: Das Tobehaus mit seiner Wellenrutsche, die Feuerstelle, der Hüttenbereich, in dem die Nachwuchshandwerker hämmern, zimmern und ihre eigen Hütte bauen können. Dazwischen: wilde Natur, ein Tipi, verschlungene Pfade, die sich abenteuerlich den steilen Hang bis zum Spielhaus hinaufziehen. Willkommen auf einer der ersten Jugendfarmen Deutschland. Vor genau 40 Jahren wurde sie von dem Verein Robinson Jugendfarm Botnang gegründet. Da war das Aber noch groß, gegen diese gewollte Unordnung inmitten des Landes der Kehrwoche. Davon ist zum Glück schon lange nichts mehr zu spüren. „Ich glaube, Botnang ist ein bisschen stolz darauf, dass es die Jugendfarm gibt“, sagt Jani Kyrkos, hauptamtlicher Mitarbeiter seit 20 Jahren.

Und das zeigt sich auch darin, dass es nicht mehr nur die klassischen Nutzer zwischen fünf und 16 Jahren sind, die die Jugendfarm besuchen. Mütter mit Kleinkindern kommen beim Spaziergang am Buberlesbach genauso am Gelände vorbei wie ältere Damen. „Wir haben darauf reagiert und Sitzmöglichkeiten oder das Elterncafé geschaffen“, sagt Kyrkos. Schließlich soll sich jeder wohlfühlen, der auf die Farm kommt – und nicht zuletzt ist auf diesem Weg auch schon gelungen, weitere ehrenamtliche Helfer zu gewinnen.

Zwar gibt es drei hauptamtliche Mitarbeiter, die sich zwei Vollzeitstellen teilen sowie immer wieder Bufdis, Praktikanten oder Jugendliche, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr auf der Farm absolvieren. „Trotzdem sind wir chronisch unterbesetzt. Ohne Ehrenamtliche funktioniert die Jufa nicht“, sagt Kyrkos. Zumal der finanzielle Spielraum auch keine weiteren bezahlten Kräfte zulässt. Etwa 34 000 Euro bekommt die Farm jedes Jahr vom Jugendamt. Davon müssen alle Instandhaltungskosten, Material, Futter sowie Praktikanten bezahlt werden. Eher symbolisch ist auch der Mitgliedsbeitrag: 25 Euro im Jahr pro Familie. „Es soll sich jeder leisten können“, sagt Jani Kyrkos.

Ehrenamtliche Mithilfe ist unverzichtbar

Unverzichtbar ist dadurch aber die ehrenamtliche Mithilfe geworden. Um solche zu gewinnen, ist das Jugendfarm-Team dieses Jahr neue Wege gegangen. „Uns ist aufgefallen, dass viele Eltern etwas verloren herumstehen, während ihre Kinder über das Gelände toben.“ An einer großen Infowand an dem öffentlichen Gehweg können sie sich nun während dieser Zeit schlau machen, wie sie dem Verein helfen können – oder können auch einfach gleich loslegen. „Überall auf dem Gelände stehen nun als Hinweis Holzbienen – mit einer kleinen Erklärung, was man dort machen könnte.“ Die Bandbreite reicht vom Ernten der Früchte, Aufsammeln von Müll, Mitnehmen und Waschen der Handtücher, Unterstützen der Weidegänge, Reparieren von Zäunen, Zerlegen alte Hütten, Kaffeekochen bis zu dem Betreuen der Feuerstelle für eine halbe Stunde: „Manchmal können wir eben kein Feuer machen, weil wir niemanden haben, um es zu bewachen“, erläutert Kyrkos.

Willkommen ist natürlich auch jeder, der sich noch mehr engagieren möchte. Bei Festen mithelfen, ein Amt im Verein übernehmen oder einen Futterdienst: „Gerade suchen wir dringend jemanden, der montags die Tiere füttern würde. Da sind die Mitarbeiter nicht da, weil Schließtag ist. Das kann man toll mit Kindern machen und kostet morgens sowie abends jeweils seine Stunde“, sagt Kyrkos, der aber ganz zufrieden ist mit der momentanen Situation des Vereins und der Farm.

Zahlreiche Kooperationen

Auch vor neuen Entwicklungen – etwa wie der Ganztagesschule – und ihre Auswirkungen auf den Farmbetrieb ist ihm nicht bange. „Wir kooperieren schon mit allen Arten von Schulen und Einrichtungen und sind daran, dass es konkretere Formen annimmt.“ Auch kommen etwa 130 Hortgruppen pro Jahr zu Besuch auf die Farm – dass diese plötzlich wegbleiben, kann sich Kyrkos nicht vorstellen. „Das Problem wird bleiben, dass man enge Einrichtungen und wenig Naturerfahrungen hat.“ Als großen Pluspunkt sieht Jani Kyrkos auch die Flexibilität der Farm. „Man sieht jetzt schon, dass immer mehr Kinder etwas später am Tag auf das Gelände kommen. Wenn sich das noch weiter verschiebt, werden wir darauf reagieren.“

Anschrift
Am Buberlesbach 20/1, 70195 Stuttgart Telefon
69 81 15 Mail
team@jufa-botnang.de Homepage
www.jufa-botnang.de

Vorsitzende
Birgit Schmidt Gründungsjahr
1972 Mitgliederzahl
etwa 150 Familien

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