Rod Stewart auf Tour „Ich bin ein Glückspilz“
Rod Stewart gibt Fitnesstipps und spricht im Interview über sein Swing-Album, seine seltsame Frisur, Donald Trump und seine aktuelle Tournee, die ihn auch nach Stuttgart führt.
Rod Stewart gibt Fitnesstipps und spricht im Interview über sein Swing-Album, seine seltsame Frisur, Donald Trump und seine aktuelle Tournee, die ihn auch nach Stuttgart führt.
Rod Stewart liefert seit den 1960er Jahren zuverlässig Ohrwürmer: von „Maggie May“ über „Sailing“ bis „Baby Jane“. Gerade hat der Sänger mit schottischen Wurzeln, der 2016 zum Ritter geschlagen wurde, das Swing-Album „Swing Fever“ veröffentlicht und seine Musikrechte verkauft. Im Mai kommt der 79-Jährige auf „One Last Time“-Tournee nach Deutschland.
Sir Roderick, ich habe gerade das aktuelle Video zum Song „Pennies from Heaven“ angeschaut. Sie sind über 20 Jahre älter als ich, aber so elastische Knie wie Sie habe ich schon lange nicht mehr. Was mache ich falsch?
Nun, es ist noch nicht zu spät. Ich weiß, dass es einen unheimlich viel Kraft kostet, sich aufzuraffen und ins Fitnessstudio zu gehen. Ich habe aber das Glück, mein eigenes Fitnessstudio bei mir zu Hause zu haben. Ich arbeite dort hart, aber es zahlt sich aus, wenn es darum geht, auf den Beinen zu bleiben. Das hat mir mein Vater beigebracht. Er starb in den 1990ern und das Letzte, was er mir sagte, war: „Sohn, du brauchst starke Beine, denn die werden dich durchs Leben tragen.“ Und daran halte ich mich.
Manchmal ist das Leben aber auch zum Davonlaufen: Russlands Krieg in der Ukraine, die Klimakrise, Trump könnte wieder US-Präsident werden . . .
. . . und außerdem steht die Fußball-Europameisterschaft vor der Tür, in der Deutschland gleich im Eröffnungsspiel gegen Schottland antreten muss.
Stimmt. Ihr neues Album „Swing Fever“, auf dem Sie mit Jools Holland ins Goldene Zeitalter des Big-Band-Sounds reisen, ist aber auch eine Flucht vor der grausam-hässlichen Wirklichkeit, oder?
Ja, da haben Sie absolut recht. Das war zwar eigentlich überhaupt nicht der Grund dafür, dass wir das Album gemacht haben, aber nach der Hälfte dachten wir: Oh mein Gott, diese Tracks machen dich glücklich und sie machen Lust darauf, tanzen zu gehen. Swing war ja ein bisschen der Rock ’n’ Roll bevor es Rock ’n’ Roll gab. Das ist eine wunderbar lebendige Musik. Selbst die Songs, die eine traurige Geschichte erzählen, wie zum Beispiel „Tennessee Waltz“ oder „Oh Marie“ klingen ziemlich optimistisch. Aber das ändert leider nichts daran, dass wir in einer zersplitternden Welt leben.
Bleiben Sie dennoch optimistisch?
Ja, nehmen Sie Donald Trump zum Beispiel. Er scheint – ich bin mir nicht sicher, wie ich das am besten ausdrücken soll – etwas ruhiger geworden zu sein und aus seinen großen Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Es besteht also noch Hoffnung. Und immerhin will die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung ihn nicht als Präsidenten haben. Das wird ein bemerkenswertes Rennen zwischen Trump und Biden. Und die sind ja außerdem beide etwa in meinem Alter.
Es wäre also auch nicht zu spät, für Sie Präsident zu werden.
Nein, keine Sorge, das wird nicht passieren.
Sie haben seit den 1960er Erfolg. Welches Jahrzehnt war das schönste?
Jedes Jahrzehnt war auf seine Weise spannend. Sogar die Zeit ganz am Anfang, als ich noch damit leben musste, zurück- und abgewiesen zu werden, weil man fand, dass meine Frisur zu seltsam oder ich nicht hübsch genug sei. Das waren schwere Zeiten, aber das hat mich erst recht motiviert. Ich habe gesagt: „Fuck you! Ich werd’s euch allen zeigen!“ Und das habe ich dann auch am Ende getan. Und ich empfinde es als Privileg, dass ich in jedem Jahrzehnt Erfolge feiern durfte: Ich bin ein Glückspilz.
Egal wie lang die Shows werden, die Sie bei der Tour ab Mai spielen: All Ihre Hits und die Songs des neuen Album werden Sie da nicht unterbekommen.
Wir werden keinen „Swing Fever“-Song spielen, dafür werden wir aber zum Beispiel sogar den Folksong „Dirty Old Town“ spielen, der auch auf meinem ersten Soloalbum war. Ich finde, es ist immer wichtig, den Leuten, das zu geben, was sie wollen. Wenn meine Helden noch am Leben wären, Otis Redding und Sam Cooke, würde ich bei einem Konzert auch die Lieder hören wollen, die sie berühmt gemacht haben.
Mit den Liedern, die Sie berühmt gemacht haben, haben Sie gerade viel Geld verdient. Wie zuvor schon Bruce Springsteen, Bob Dylan oder Neil Young haben Sie für 100 Millionen Dollar die Rechte an Ihrer Musik verkauft. Fiel Ihnen die Entscheidung schwer?
Nein, gar nicht. Einfach ausgedrückt: Es ist schön, so viel Geld zu haben, um tun zu können, was man will. Ich habe vorher meine Frau und meine Kinder gefragt, und die haben gleich zugestimmt. Es war also eine einfache Entscheidung.
Trotzdem: Wenn Sie einen einzigen Song für sich hätten behalten können, welcher wäre das gewesen?
Ohne Zweifel wäre das der Song „The Killing of Georgie“ gewesen, ein Lied über einen schwarzen homosexuellen Freund von mir und meiner einstigen Band The Faces, der in den 1970er Jahren in den Straßen von New York ermordet wurde.
100 Millionen Dollar sind sehr viel Geld. Haben Sie konkrete Pläne, für was Sie das Geld ausgeben möchten?
Nun, das meiste geht an die Regierung.
Naja, ein bisschen was bleibt ja übrig.
Klar, ich lege das Geld für meine acht Kinder an. Ich gebe mir aber Mühe, sie nicht zu sehr zu verwöhnen. Sie müssen wissen, es ist ein schmaler Grat zwischen dem Verleugnen und dem Verwöhnen seiner Kinder. Ein sehr schmaler Grat. Haben Sie Kinder?
Nein.
Falls Sie mal welche bekommen, werden Sie genau wissen, wovon ich spreche. Ich habe ja eine sehr große Familie. Und ich vermisse sie immer sehr, wenn ich auf Tournee gehe. Mir war es immer wichtig, dafür zu sorgen, dass meine Kinder alles haben, um ein gutes Leben führen zu können, aber nicht zu gut, damit sie nicht alles einfach für selbstverständlich hinnehmen.
Person
Rod Stewart (79), Sohn schottischer Zuwanderer, ist einer der erfolgreichsten britischen Sänger. Er sang in den 1960ern zunächst in Bands wie den Small Faces, 1969 erschien sein erstes Soloalbum.
Album
Mit Jools Holland hat Rod Stewart zuletzt die Platte „Swing Fever“ (Rhino/Warner) veröffentlicht.
Tour
Im Rahmen der „One Last Time“-Tour tritt Rod Stewart im Mai am 14. in Hannover, am 15. in Stuttgart, am 24. in Nürnberg und am 28. in Mönchengladbach auf. Weitere Termine und Tickets: www.livenation.de