Rodeln Felix Loch und das Ende der Durststrecke

Erster Sieg nach 22 Monaten: Felix Loch jubelt. Foto: AP/Matthias Schrader
Erster Sieg nach 22 Monaten: Felix Loch jubelt. Foto: AP/Matthias Schrader

Der einst erfolgsverwöhnte Olympiasieger Felix Loch meldet sich eindrucksvoll zurück und gewinnt den Weltcup-Auftakt der Rodler in Innsbruck.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Stuttgart - Felix Loch hatte sich zuletzt ungefähr so gefühlt wie die Protagonisten des FC Bayern München nach einer dreiwöchigen sieglosen Phase in der Fußball-Bundesliga. Das ist so bei erfolgsverwöhnten Sportlern, da ist Silber eine bittere Niederlage, weil nur Gold auch dem entspricht, was man selbst von sich und die Welt von einem erwartet. Nur waren es beim Rodler Felix Loch keine drei Wochen, sondern 22 Monate, in denen er keinen Weltcup mehr im Einsitzer gewann. Was in anderen Disziplinen durchaus mal vorkommen kann, stellt sich für einen Athleten wie Loch als mittelschwere Katastrophe dar, zumindest muss man von einer veritablen Formkrise sprechen.

Deshalb freute sich Felix Loch im Eiskanal von Innsbruck Igls auch wie verrückt. Dort holte der König der Rodler seinen 40. Weltcupsieg im Einsitzer, und dieser lang ersehnte Erfolg hatte vor allem eine erlösende Wirkung, denn die Frontfigur der Rodelbranche schien bereits an sich zu zweifeln. Nichts klappte mehr wie früher. Der alte Technikfuchs und Brocken von einem Mann wusste nicht, woran es lag: an ihm, am Material, am Eis, womöglich sogar an der Stärke der anderen. Doch nun hatte er es der Sportwelt und vor allem sich selbst endlich mal wieder gezeigt: Felix Loch ist zurück. Der Große Mann des Schlittensports nahm beim Saisonauftakt wieder das Zepter in die Hand.

Ein wichtiger Tag

Dieser Samstag in Österreich war einer dieser Tage, die man nicht vergisst im Leben. „Im Großen und Ganzen war es ein super Rennen“, sagte Loch in seiner ihm eigenen bescheidenen Art. Er hatte mal wieder das Gefühl, dass alles geklappt hat – die Vorbereitung und der erste wichtige Auftritt auf der Weltcup-Bühne. „Vor allem beim Material haben wir einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Ich denke, deshalb läuft es so gut“, sagte der 31-Jährige nach dem Ende der quälend langen Durststrecke. Felix Loch war ganz im Glück.

Drei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewann er, holte 13 WM-Titel, fünf bei Europameisterschaften, dazu gewann er sechsmal den Gesamtweltcup. Doch nach seinem 39. Einsitzer-Weltcupsieg am 2. Februar 2019 in Altenberg war der Faden gerissen. Zuvor war Loch zwar auch schon ein Jahr lang ohne Weltcup-Erfolg im Einzel geblieben, doch diese 22 Monate Sendepause waren brutal. Im Prinzip war Loch bereits seit den verpatzten Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018 seiner Form hinterher gerodelt. Unvergessen bleibt, wie er damals durch einen blöden Fehler in der neunten Kurve den vierten Olympiasieg vergeigte. Damals hätte er mit Georg Hackl gleichziehen können, der dreimal nacheinander olympisches Gold im Einsitzer gewann.

Deutlich mehr trainiert

In diesem Sommer habe er deutlich mehr trainiert und fleißig am Material getüftelt, sagte Loch, offenbar hat er das mit Erfolg getan. Die Akribie, mit der er vorging, war auch der Rodel-Ikone Georg Hackl nicht entgangen. „Ich sehe ihn jeden Tag rodeln und trainieren – und so gut wie er im Moment ist, habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen“, sagte Hackl der „Sport Bild“. „Chapeau an Felix und Johannes. Sie haben das umgesetzt, was sie im Training schon gezeigt haben. Sie haben im Rennen alles rausgeholt, was sie drauf haben“, sagte derweil Bundestrainer (und Vater von Felix Loch) Norbert Loch auch im Hinblick auf den zweiten Platz des deutschen Kollegen Johannes Ludwig.

Der Oberhofer hatte den Doppelerfolg perfekt gemacht. „Das war auf jeden Fall ein geiler Einstand in die Saison. Viel besser hätte ich mir das nicht vorstellen können“, sagte Ludwig, der 2018 in Innsbruck gewann und in der vergangenen Saison mit drei Weltcupsiegen bester deutscher Rodler war. So sehr er sich auch für Loch mitgefreut hatte, könnte bereits der Auftakt einen Vorgeschmack geben auf eine Saison, in der die alte Hackordnung wieder hergestellt wird: mit dem Berchtesgadener Loch an der Spitze. Nur sollte er dafür seinen Erfolg wiederholen – und nicht wieder 22 Monate ins Land ziehen lassen.

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