Rollstuhl-Rugby in Fellbach Wahrlich nichts für schwache Reifen

Blockade auf dem Spielfeld: Gelegentlich geht’s unter Rollifahrern  robust zur Sache. Foto: Nicklas Santelli Foto:  
Blockade auf dem Spielfeld: Gelegentlich geht’s unter Rollifahrern robust zur Sache. Foto: Nicklas Santelli

Bei der zehnten Glotz-Challenge am Wochenende gewinnen die „Wilden Schwaben“ aus Schmiden den Pokal.

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Fellbach - Hier geht’s mehr als turbulent zu: Die Zurufe der Spieler werden von lauten Schlägen übertönt. Unverblümt rasen die Sportler in ihren Rollstühlen aufeinander zu, blocken den Gegner und setzen sogenannte Hits, um sich Zugang zum Ball zu verschaffen. Rollstuhl-Rugby ist nichts für Zaudernde. Da geht’s zur Sache. Gespielt wird nicht etwa wie beim Fußgänger-Rugby mit einem Rugby-Ei, sondern mit einem Volleyball. Dieser ist leichter und ermöglicht ein genaueres Passspiel.

In der Sporthalle Schmidener Weg in Fellbach fand am Wochenende die zehnte Glotz Challenge statt – ein Rollstuhl-Rugby-Turnier, ausgerichtet und finanziert durch das Vital-Zentrum Glotz. „Das Sanitätshaus unterstützt das Wanderpokal­turnier schon seit dem ersten Jahr. Es sind immer zwei bis drei Mitarbeiter vor Ort, um zu Helfen, wo Not am Mann ist“ erklärt ein Mitarbeiter. Bei der Glotz-Challenge treten vier Mannschaften aus Baden-Württemberg an. Gespielt wird viermal sechs Minuten. „Da die Zeit bei jedem Pfiff aber angehalten wird, kommt ein Spiel auf sage und schreibe 70 Minuten“, erklärt Mitstreiter Frank Strobel.

Die Sportart entstand in 1970er-Jahren in Kanada

Die Sportart entstand in den 1970er- Jahren in Kanada. Querschnittsgelähmte Athleten sind im Rollstuhl-Basketball benachteiligt, da hier gezieltes Werfen und Fangen notwendig ist. So entstand das Rollstuhl-Rugby, was mittlerweile auch eine paralympische Disziplin ist. Zugelassen sind Spieler mit Einschränkungen an mindestens drei Gliedmaßen. Die Spieler werden in Funktionsklassen eingeteilt, aus denen sich die jeweiligen Feldpositionen ergeben. Athleten mit größerer Einschränkung, sogenannte Lowpointer, sind beispielsweise gut fürs Blocken, aber nicht so gut fürs Passen geeignet.

Ziel ist es, den Ball über die acht Meter breite Torlinie der gegnerischen Mannschaft zu fahren. Um dies zu verhindern, stellt man sich dem Gegner mit seinem Rollstuhl in den Weg. „Das Ganze ist jedoch ungefährlich. Die Rollstühle sind speziell für diese Sportart konzipiert. Sie werden für jeden Spieler maßgefertigt, somit werden keine Körperteile eingeklemmt. Im Normalfall können die Rollstühle auch nicht umfallen.“

Frank Strobel ist seit 17 Jahren im Rollstuhl-Rugby aktiv

Frank Strobel weiß, wovon er spricht. Seit 17 Jahren ist er im Rollstuhl-Rugby aktiv und spielt mit seiner Mannschaft „Illerriedener Donauhaie“ sogar in der Bundesliga. Die „Wilden Schwaben Schmiden“ hat er mitbegründet und trainiert sie. „Mitmachen kann jeder, die Mannschaften sind weder nach Alter noch nach Geschlecht aufgeteilt.“ Sehr wichtig sei taktisches Verständnis für Spielzüge.

Auf dem Spielfeld der Sporthalle, wo dennoch die Männer überwiegen, wird bis zum Schluss hart gekämpft. Am Ende des Tages und sechs Wettkämpfe später haben tatsächlich die Schmidener „Wilden Schwaben“ ihre drei Spiele gewonnen und dürfen dieses Mal als stärkstes Team den goldenen Pokal stolz nach Hause rollen.




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