Roman Polanski wird 80 Leben und Überleben im Ghetto und anderswo

Von Rupert Koppold 

Auschwitz, die Charles-Manson-Sekte und eine Anklage wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen: Roman Polanski hat nicht nur Kinogeschichte geschrieben. Am Sonntag wird der Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler achtzig Jahre alt.

Geburtstag: Roman Polanski wird 80 Jahre alt. Foto: EPA
Geburtstag: Roman Polanski wird 80 Jahre alt. Foto: EPA

Stuttgart - Immer wieder diese Verengung des Blicks, dieser Verdacht, dass die Welt nicht so ist, wie sie scheint, dieses ­Gefühl des Eingeschlossenseins. In der Klaustrophobie-Studie „Ekel“ (1965) wird eine von Verfolgungsängsten gepeinigte Catherine Deneuve zur Mörderin, in dem Okkult-Thriller „Rosemaries Baby“ (1968) erfährt Mia Farrow ihre Wohnung als teuflische Falle, und in dem dunklen Psychostück „Der Mieter“ (1976) muss der Held zwanghaft das Schicksal seines Vorgängers nachleben respektive nachsterben.

Roman Polanski spielt diesen Mann selber, aber eine Verbindung zwischen seinem eigenen Leben und seinem Werk hat der Kenner und Verehrer von Franz Kafka stets zurückgewiesen. „Ich denke, dass in uns schon bei der Geburt viel mehr drinsteckt, als wir glauben. Auch wenn ich nicht diese Biografie hätte, wäre ich wahrscheinlich trotzdem dieselbe Person“, hat er in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung einmal erklärt.

Trotzdem fällt es schwer, dieser in jedem Sinn außerordentlichen Biografie keine prägende Rolle zuzuschreiben: Der 1933 geborene Sohn jüdischer Eltern wächst in Krakau auf, seine Eltern kommen während der Naziokkupation ins KZ, die Mutter wird in Auschwitz ermordet, ihm selbst gelingt die Flucht aus dem Ghetto, er versteckt sich bei Bauern auf dem Land und überlebt. Bei Kriegsende ist Roman Polanski zwölf. Schon während seiner Zeit im Ghetto hat er sich manchmal hinaus­geschlichen und ist ins Kino gegangen, hat auch deutsche Filme angesehen und sich, wie er sagt, in Marika Rökk „verliebt“. Als junger Mann lernt er Andrej Wajda kennen, spielt in dessen Filmen kleine Rollen und reüssiert 1962 dann selber als Regisseur der Dreiecksgeschichte „Das Messer im Wasser“, in der die Weite der masurischen Seen auf die Enge einer Bootskajüte zusammenschnurrt.

Flucht nach Europa

Polanski bekommt sofort Probleme mit der Zensur, er dreht danach in England, Frankreich und den USA. In dem schwarzhumorigen Horrorfilm „Tanz der Vampire“ (1968) spielt seine zweite Frau Sharon Tate mit, sie wird ein Jahr später von der Charles-Manson-Sekte ermordet. In seinem Film noir „Chinatown“ (1974) zeigt er, wie Jack Nicholson als Detektiv hilflos zusehen muss, wie seine Geliebte erschossen wird.

In Nicholsons Villa passiert dann drei Jahre später das, was Polanski nicht mehr aus seiner Biografie tilgen kann, so sehr er den Vorfall auch bereut. Er wird angeklagt, ein dreizehnjähriges Mädchen vergewaltigt zu haben, hofft auf einen Deal mit dem Gericht, traut diesem aber nicht und entzieht sich dem Verfahren durch die Flucht nach Europa. Das damalige Opfer hat ihm schon lange verziehen, Polanski selber beantragt später ein Verfahren in absentia, die US-Justiz lehnt ab und verfolgt ihn weiter. 2009 wird er in der Schweiz verhaftet, die Behörden stellen ihn unter Hausarrest, liefern ihn aber nicht aus und lassen ihn ein knappes Jahr später wieder frei.




Unsere Empfehlung für Sie