Rope Skipping in Stuttgart-Zuffenhausen Seilhüpfen ist nicht einfach Seilhüpfen

Jule Zettel trainiert fleißig. Sie möchte einmal bei der Deutschen Meisterschaft antreten. Foto: Oliver Willikonsky - Lichtgut 8 Bilder
Jule Zettel trainiert fleißig. Sie möchte einmal bei der Deutschen Meisterschaft antreten. Foto: Oliver Willikonsky - Lichtgut

Rope Skipping wird immer athletischer. Die jungen Sportlerinnen – die Jungs sind eindeutig in der Minderheit – arbeiten deshalb intensiv an ihrer Kondition. Wer Lorbeeren ernten möchte, muss mit turnerischen Einlagen punkten.

Böblingen: Günter Scheinpflug (gig)
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Stuttgart-Zuffenhausen - Fetzige Musik schallt aus einer Anlage. Jule Zettel im schwarzen Dress legt bei ihren Sprüngen mit dem Seil noch einen Zahn zu. Die 14 Jahre alte Schülerin des Mädchengymnasiums St. Agnes in Stuttgart hat Rope Skipping – auf Deutsch: Seilhüpfen – zu ihrem Lieblingssport auserkoren. Drei bis vier mal in der Woche trainiert sie in der Bädleshalle des SSV Zuffenhausen – und hat wohl insgeheim ein Vorbild: Julian Kilgus.

Im Alter von 40 Jahren mit dem Seilhüpfen begonnen

Der 20-Jährige hat bereits einige Titel eingeheimst, etwa im vergangenen Jahr im Team mit drei jungen Frauen bei der Europameisteschaft im portugiesischen Braga. In der Geschwindigkeitsdisziplin, in der es darum geht, in 30 Sekunden so oft wie möglich über das Seil zu springen, holten die Vier den Titel – mit insgesamt 372 Zählern. Das Seil wird im Jogging-Schritt abwechselnd unter dem linken und rechten Fuß durchgezogen. Jeweils der rechte Schwung wird gewertet. Kilgus startete auch noch bei den European Masters bei der Einzel-Meisterschaft. In drei Minuten kam er auf 512 Zähler.

So viele schafft Jule Zettel noch nicht. Doch macht sie in atemberaubender Geschwindigkeit vor, wie es geht. Wer selten Seil gehüpft ist, muss ohnehin nach nur kurzer Zeit feststellen, dass dies kein Kinderspiel ist. Zunächst kommt es auf die Koordinationsfähigkeit an: das Seil unter dem Körper hindurchzuschwingen, wenn die Füße weit genug weg vom Boden sind. Nach nur ein paar Schwüngen erweist es sich: Hat man die Kondition dafür oder nicht? Die SSV-Trainerin Monika Jäkel spricht Mut zu. Sie sei zwar als Kind schon Seil gehüpft, mit 40 Jahren habe sie damit aber erst richtig begonnen, berichtet die 55-Jährige. Für das Rope Skipping sei es eigentlich nie zu spät.

Beim Rückwärtssalto den Arm gebrochen

Die Kinder und Jugendlichen beim SSV werden im Training erst einmal fit gemacht. Rund 50 Nachwuchs-Hüpfer zählen dazu. Es wird viel gelaufen und gesprungen. „Wir wechseln oft das Tempo, damit es abwechslungsreich ist“, sagt Kilgus, der ebenfalls den Nachwuchs trainiert.

Für die zwölf fortgeschrittenen Rope Skipper in der Wettkampfgruppe gehören turnerische Einlagen dazu. Wer Erfolg haben möchte, muss beim Free-Style einiges beherrschen. Vorwärts- und Rückwärtssalti, manche machen Liegestützen, springen hoch und ziehen das Seil durch. Andere schlagen Rad oder bauen einen Flickflack, einen Handstandüberschlag, in ihr Programm ein. Kilgus hatte sich bei einem Rückwärtssalto einen Arm gebrochen. Die diesjährige Weltmeisterschaft fand ohne ihn statt. Bei der letzten WM wurde er Elfter. Davon kann Jule Zettel momentan nur träumen. Doch sie trainiert, wie unschwer zu erkennen ist, fast wie eine Besessene. Offenbar kann sie beim Seilhüpfen ihren Ehrgeiz ausleben, auch einmal so gut zu werden wie andere. „In Deutschland ist das in erster Linie ein Mädchensport“, sagt Kilgus voll Bedauern. Beim SSV trainieren lediglich zwei Jungs mit. Seine Freunde waren früher verwundert, wenn er eingestand, dass er Seilhüpfen übe. „Heute finden sie es cool“, sagt der 20-Jährige

Rope Skipping hilft beim Schlankwerden

Jule Zettel hilft das Hüpfseil beim Stressabbau: „Ich bekomme den Kopf frei.“ Zudem habe sie Riesenspaß. Sie wolle so weit kommen wie möglich und als nächstes an der Deutschen Meisterschaft teilnehmen. Eine athletische Figur hat die 14-Jährige, bei einer Körpergröße von 1,64 Metern und einem Gewicht von 52 Kilogramm. Ihre Freundinnen beneiden sie darum. Fett ansetzen ist beim Seilhüpfen, wie es Jule Zettel betreibt, unmöglich.




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