Bedeutung & Ursprung Rosch ha-Schana – Das jüdische Neujahrsfest

Shofar, Granatapfel, Apfel und Honig sind Symbole des Rosch ha-Schana Foto: tomertu/Shutterstock
Shofar, Granatapfel, Apfel und Honig sind Symbole des Rosch ha-Schana Foto: tomertu/Shutterstock

Im Herbst begehen Menschen jüdischen Glaubens ihr Neujahrsfest: Rosch ha-Schana. Wie wird es gefeiert, welche Bräuche und Symbole gibt es? Wir erklären es im Text.

Digital Unit : Katrin Klingschat (kkl)
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Die Bedeutung von Rosch ha-Schana

Der Begriff „Rosch ha-Schana“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet übersetzt etwa „Kopf des Jahres“ oder „Anfang des Jahres“. Es ist das jüdische Neujahrsfest und gibt Menschen jüdischen Glaubens Gelegenheit, auf das alte Jahr zurückzublicken und sich auf das neue zu freuen – ganz ähnlich also zu anderen religiösen und weltlichen Neujahrsfesten. Für viele ist Rosch ha-Schana einer der wichtigsten Feiertage im jüdischen Kalender.

Laut jüdischem Glauben wurde an diesem Tag die Menschheit erschaffen – womit auch die jüdische Zeitrechnung begann. Der jüdische Kalender befindet sich daher mittlerweile im Jahr 5781, während sich der gregorianische Kalender im Jahr 2021 befindet.

Wann ist Rosch ha-Schana?

Da der jüdische Kalender sich an Mondphasen orientiert, findet Rosch ha-Schana nicht immer am selben Datum des gregorianischen Kalenders statt, in der Regel fällt das Neujahrsfest aber auf die zweite Hälfte des Septembers oder in den frühen Oktober. Die aktuellen Termine für Rosch ha-Schana sind:

  • 2021: Abend des 6. September bis Abend des 8. September
  • 2022: Abend des 25. September bis Abend des 27. September
  • 2023: Abend des 15. September bis Abend des 17. September

Bräuche zu Rosch ha-Schana

Rosch ha-Schana ist ein Festtag, auf den sich viele Menschen jüdischen Glaubens freuen. Zwar läutet der Tag die zehntätige Zeit bis Jom Kippur ein, die einen ernsten Charakter hat, dennoch ist Rosch ha-Schana für viele Menschen ein leichter, fröhlicher Feiertag. Deswegen ist er auch bei vielen weniger religiösen Juden und Jüdinnen beliebt.

Gläubige Menschen gehen zumeist in die Synagoge, wo gebetet und das Schofarhorn geblasen wird. Dies ist ein aus Widderhorn hergestelltes Instrument – das einzige altertümliche Instrument, das heute noch in Synagogen in Gebrauch ist. Der Ruf des Horns soll die Gläubigen symbolisch aufwecken und sie an ihre moralischen Pflichten erinnern.

Viele Juden und Jüdinnen feiern Rosch ha-Schana auch zuhause mit der Familie und mit Freunden. Oftmals wird der Feiertag hier mit einem Kiddusch – also einem Segensspruch über Wein und Brot – eingeleitet, bevor die Familie zusammen isst und gute Wünsche für das neue Jahr austauscht. Zwar sind nicht alle jüdischen Familien gläubig, für viele Menschen gehört der Kiddusch aber aus traditionellen Gründen zum Feiertag dazu.

Ein Brauch, der vor allem unter askenasischen und sephardischen Juden und Jüdinnen üblich ist, ist Taschlich. Hierbei begeben sich die Menschen kurz vor Sonnenuntergang am ersten oder zweiten Tag von Rosch ha-Schana an ein Gewässer und schütteln und bürsten ihre Kleidung aus. Alle Krümel, die sich in den Taschen befinden, werden ins Wasser geworfen – Lasten und Sünden des alten Jahres sollen so fortgespült und versenkt werden. Manchmal werden auch symbolisch Brotkrumen ins Wasser geworfen. Dabei wird das Taschlichgebet gesprochen, durch das für die Vergebung der Sünden sowie für ein Jahr des Lebens und Friedens gebeten wird.

So wie an Silvester und am 1. Januar oft ein „Frohes neues Jahr“ gewünscht wird, werden auch an Rosch ha-Schana Neujahrswünsche ausgetauscht. Der typische hebräische Gruß lautet שנה טובה‎, was „Shanah Tovah“ ausgesprochen wird und sich mit „(Hab ein) Gutes Jahr“ übersetzen lässt. Jiddische Grüße sind beispielsweise „A gut yor“ (אַ גוט יאָר) (Ein gutes Jahr) oder „A gut gebentsht yor“ (אַ גוט געבענטשט יאָר) (Ein gutes, gesegnetes Jahr).

Zu Rosch ha-Schana war es lange üblich, Karten und Briefe zu verschicken – doch wie überall auf der Welt, nimmt auch zu diesem Anlass das klassische Verschicken von Post ab. Oftmals werden die Glückwünsche zum Neujahr heutzutage per WhatsApp oder E-Mail verschickt oder ganz einfach in den sozialen Medien geteilt. Was man in Deutschland in der Silvesternacht kennt, ist deswegen beispielsweise in Israel am ersten Abend von Rosch ha-Schana üblich: Das Mobilfunknetz ist regelmäßig überlastet.

Typisches Essen an Rosch ha-Schana

Sehr typisch zu Rosch ha-Schana sind Tapuach bedvash – Äpfel mit Honig. Dabei isst man gemeinsam Apfelstücke, die in Honig getaucht wurden und wünscht sich gegenseitig, dass das kommende Jahr ebenso süß werden wird.

Auch Granatapfel wird an Rosch ha-Schana traditionell gegessen, um zu symbolisieren, dass die Zahl der guten Taten und Verdienste im neuen Jahr so zahlreich werden mögen wie die Kerne des Granatapfels.

Auch ein rund gewickeltes Weißbrot kommt an Rosch ha-Schana oft auf den Tisch. Dieses symbolisiert den Jahreskreislauf.

Traditionell wird zu Rosch ha-Schana Fisch gegessen und vor allem der Fischkopf. Damit einher geht der Ausspruch „Mögen wir der Kopf sein, und nicht der Schwanz“, also der Vorsatz, selbst gut durch das neue Jahr zu führen und sich nicht von anderen (ver-)leiten zu lassen.

Die Hohen Feiertage des Judentums: Rosch ha-Schana und Jom Kippur

Nur 10 Tage nach Rosch ha-Schana findet Jom Kippur statt – wohl der wichtigste jüdische Feiertag. Rosch ha-Schana leitet eine Zeit der Besinnlichkeit und Reflexion ein. In den folgenden Tagen („Ehrfurchtsvolle Tage“) sollen sich Juden und Jüdinnen dem Gebet, der Wohltätigkeit sowie ihrer Verbindung zu Gott widmen. Jom Kippur ist der Abschluss dieser Zeit und wird oft als „Tag der Sühne“ oder auch als „Versöhnungsfest“ bezeichnet. Er ist ein strenger Ruhe- und Fastentag, der oft auch von weniger bis gar nicht religiösen Juden und Jüdinnen eingehalten wird.

„Guten Rutsch“ – Ursprung bei Rosch ha-Schana?

Hartnäckig hält sich die Vermutung, der zu Silvester übliche Ausspruch „Guten Rutsch (ins neue Jahr)“ kommt vom hebräischen Rosch ha-Schana, der Bezeichnung für das jüdische Neujahrsfest. Dagegen sprechen allerdings neuere sprachwissenschaftliche Erkenntnisse sowie die Tatsache, dass das jüdische und das christliche/weltliche Neujahrsfest zeitlich weit auseinanderliegen. Frühere Vermutungen zu einem sprachlichen Zusammenhang fußen zudem auf Schriften mit antisemitischer Tendenz und unklarer Quellenlage.

Tatsächlich wurde das „Rutschen“ im 19. Jahrhundert als Synonym für kleine Reisen verwendet und es war nicht unüblich, jemandem einen guten oder glücklichen Rutsch zu wünschen, wenn dieser auf eine kurze Reise ging. Oft wurde „rutschen“ dabei etwas scherzhaft oder mundartlich verwendet, sodass der „gute Rutsch ins neue Jahr“ sich als Anekdote für eine gute Reise ins neue Jahr entwickelte.

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