Rosenbergplatz im Westen Verein präsentiert seine Pläne für Kultur im Bunker

Klaus-Peter Graßnick (mitte) kümmert sich um den Bunker im Westen. Foto: Björn Springorum
Klaus-Peter Graßnick (mitte) kümmert sich um den Bunker im Westen. Foto: Björn Springorum

Der Diakonissenbunker könnte ein Ort für Kunst und Musik werden.

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S-West - Früher probte Klaus-Peter Graßnick mit seiner Band Müll im Diakonissenbunker unter dem Verkehrsübungsplatz. Heute hofft er, die Anlage schon 2019 als Kulturbunker eröffnen zu können.

Kühl ist es. Kühl und dunkel. Von der Sommerhitze im Stuttgarter Westen ist schon nach wenigen Stufen nichts mehr zu spüren. „Kopf einziehen“, warnt Klaus-Peter Graßnick und verschwindet in der Tiefe. Dort, unter dem Verkehrsübungsplatz an der Rosenbergstraße, befindet sich ein riesiger und den meisten immer noch gänzlich unbekannter Luftschutzbunker. Erbaut im Zweiten Weltkrieg, frisst er sich auf über 3000 Quadratmetern unter Tage durch den Westen. Lange Korridore, Maschinenräume, Lüftungsschächte, zahlreiche Zellen und die Überreste eines Operationssaals: Die Stimmung hier unten ist einzigartig, aber durchaus auch ein wenig beklemmend.

In den 70ern probte er dort häufig mit seiner Band Müll

In den Siebzigern war das anders. Damals probte Graßnick in den Bunkerräumlichkeiten mit seiner Krautrock-Band Müll, nahm unter den Straßen des Westens sogar Alben auf. Ihre Songs hießen „Atommüll“ oder „Swabian Train“, sie spielten Konzerte an der Endstation der Straßenbahn in Botnang, im Feuerbacher Tal, im Jugendhaus Anna. „Wir waren gefühlt Tag und Nacht hier unten“, erinnert sich Graßnick. Als die Stadt im Kalten Krieg die Anlage unter Manfred Rommel zum Atomschutzbunker umfunktionierte, mussten Müll wieder zurück ans Tageslicht. Den Traum vom Bunker als Ort der Kultur und der Musik, den hat Graßnick bis heute nicht begraben.

Seit einiger Zeit setzt sich der pensionierte Lehrer dafür ein, den Diakonissenbunker zum Kulturareal umzufunktionieren. Seine Argumente sind gut: Die Anlage ist gut erhalten, es gibt Notausgänge, Toiletten, Strom. „Dennoch müsste natürlich viel getan werden“, redet er gar nicht erst um den heißen Brei herum. „Es bräuchte ein Lärmgutachten und eine neue Anlage zur Luftabsaugung.“ Machbar ist es dennoch, auch wenn dafür durchaus Sponsoren nötig wären. Über einen langen Flur will Graßnick drei Räume für die Kultur erschließen lassen: einen Veranstaltungsraum mit knapp 70 Quadratmetern sowie zwei kleinere Räume für Ausstellungen, etwa zur Geschichte des Bunkers. Im Dezember 2017 hatte Graßnick die Idee eines Kulturbunkers beim Liegenschaftsamt der Stadt präsentiert, mittlerweile hat er mit dem Kultdiak sogar einen Verein mit aktuell 20 Mitgliedern dafür gegründet. Als Vorsitzender des Vereins hat Graßnick die Verfügungsgewalt über den Bunker. Und die will er im Namen der Kultur bestmöglich nutzen.

Der Vereinsvorsitzende kennt jede Ecke, jeder Raum

Wie fasziniert der Lehrer von diesem Projekt ist, wird bei einer Führung durch diese unterirdische Welt deutlich: Graßnick kennt jede Ecke, jeden Raum, sagt bei den jeweiligen Ausgängen stets, wohin sie führen: Seidenstraße, Forststraße, Falkertstraße. Graßnick geht voran, erklärt, zeigt, träumt auch ein wenig. In der Tat wäre es ein spannendes Projekt und ein ziemlicher Zugewinn für das Kulturleben des Westens, wenn hier nach rund 40 Jahren wieder Musik ertönen würde. Deswegen hofft er auch, den Bunker schon 2019 für Kultur und Konzerte nutzen zu können. „Dann könnte sich die Umgestaltung des Platzes nach dem Bunker richten – und nicht etwa andersherum.“

Wenn sich die Stadt für die Umfunktionierung zum Kulturzentrum entscheidet, würde es zunächst für fünf Jahre eine Genehmigung geben. Das wäre natürlich mal ein Anfang. Und die Chance, dass aus der „Keimzelle Kultdiak“, wie der Lehrer es gerne nennt, noch mehr entstehen könnte. Andere Bereiche des Bunkers wären beispielsweise prädestiniert als Proberäume. Aber das ist im wahrsten Sinne des Wortes bisher noch Zukunftsmusik.




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