Rosi und Dirk aus Esslingen Bei ihnen war es Liebe auf den zweiten Blick
An die große Liebe glaubt Rosi beim ersten Treffen mit Dirk noch nicht, gibt ihm aber ihre Telefonnummer. Doch warum ruft er nicht an?
An die große Liebe glaubt Rosi beim ersten Treffen mit Dirk noch nicht, gibt ihm aber ihre Telefonnummer. Doch warum ruft er nicht an?
Der Abend des 29. März 2002 läuft für Rosi erst mal nicht nach Plan. Sie will mit einer Freundin in Esslingen in die Disco NAD im Dick-Areal gehen. Aber der Club hat zu, es ist Karfreitag, das hatten die beiden nicht auf dem Schirm. Nächster Versuch: Kino. Aber das hat wegen Umbaus geschlossen. Immerhin gibt es in der Nähe noch Joe Peña’s, der Mexikaner, wo man auch an diesem Tag Drinks bekommt. Rosi, damals 27, bestellt einen Caipirinha.
Gleichzeitig hat Dirk, gerade erst aus Berlin hergezogen, eine Schulfreundin zu Besuch. Er kennt in Esslingen noch nicht viele Menschen, sie will ihn unter die Leute bringen. Sie gehen ins Joe Peña’s und setzen sich an einen kleinen Holztisch. Dirk, bald 30, bestellt einen Strawberry Bahia – ein Drink aus Erdbeermus, Rum und Sahne, der pink strahlt. Eine Frau vom Nebentisch spricht ihn an: „Wie schmeckt denn dein Cocktail?“ Diese Frau ist Rosi. Eine erste, vorsichtige Kontaktaufnahme.
Dirks Schulkameradin stellt gleich die beiden Tische zusammen. Rosi sitzt dadurch direkt neben Dirk. Sie bestellt auch einen Strawberry Bahia, so haben sie auch das gleiche Getränk. Die Cocktailkirsche oben drauf schenkt sie Dirk. Sie füttert ihn nicht, sie gibt sie ihm einfach, aber sie schauen sich dabei zum ersten Mal richtig in die Augen. Aber viel mehr passiert nicht, die beiden Gruppen unterhalten sich zu viert. Am Ende des Abends geben Rosi und ihre Freundin beide Dirk ihre Telefonnummern, auch da hatte Dirks Schulkameradin die Finger im Spiel.
Aber Dirk meldet sich nicht. Mal will er nicht mit der Tür ins Haus fallen, dann hat er anderes zu tun. Er denkt die ganze Zeit daran, erfindet aber immer wieder Ausreden, es nicht zu tun. Nach zwei Wochen tippt er dann doch Rosis Nummer in sein Handy, ein Samstag, er erreicht Rosi im Wohnzimmer ihrer Eltern in Tübingen, dem einzigen Ort an dem sie Empfang hat. Sie verabreden sich gleich für den nächsten Tag.
Sie treffen sich direkt am nächsten Tag in Tübingen, spazieren durch die Stadt, kehren in den Biergarten am Neckar nahe der Innenstadt ein. „Ich bin nicht in der Erwartung hingegangen, dass du der Mann meines Lebens bist“, sagt Rosi heute. Aber ungezwungen war es, mit einer gewissen Sicherheit, so erinnert sich Dirk heute daran, es war keine Situation, in der man immer glaubt, dem anderen etwas beweisen zu müssen.
„Er lacht so schön“, geht auch Rosi damals durch den Kopf, oder: „Er lässt mich ausreden, und ich mag diese ruhige Art“, ihr fallen viele so Dinge ein, lauter kleine Komplimente in ihrem Kopf. Die Erwartungen waren vielleicht doch zu tief gestapelt. Zum Abschied gibt Dirk Rosi einen zögerlichen Kuss auf die Wange, Rosi spürt ein Kribbeln, und in diesem Moment ist für beide alles klar. „Es war Liebe auf den zweiten Blick“, sagt Rosi.
Als Dirk Rosi eine Woche später in ihrer Wohnung in Rechberghausen besucht, führen ihn seine ausgedruckten Zettel von Google Maps in die Irre. Er kommt eine Stunde zu spät, Rosis gefüllte Zucchini sind da schon kalt. Aber es wird der Abend sein, an dem sie sich zum ersten Mal auf den Mund küssen, erstmals beieinander übernachten, ganz vorsichtig, er auf einem Beistellbett. Und es wird der Abend sein, von welchem an sie sich fast jeden Tag unterhalten, anlächeln, berühren. Heute sind Rosi und Dirk Peters 48 und 51 Jahre alt, seit 18 Jahren verheiratet, die Kinder 17 und 18 Jahre alt. Rosi und Dirk wissen, dass sie miteinander alt werden wollen.