Der Stuttgarter Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat jetzt in Möhringen seine Kreisversammlung abgehalten. Klingt nach Routine, ist es in den vergangenen Jahren aber nicht immer gewesen. Interne Querelen hatten das Bild bestimmt, Sondersitzungen waren nötig. Jetzt will die weltweit älteste Rotkreuz-Gemeinschaft außerhalb der Schweiz mit ihren knapp 2000 Haupt- und Ehrenamtlichen wieder zurück in ruhigeres Fahrwasser.
Dafür soll im ehrenamtlichen Präsidium zuvorderst der im Sommer angetretene Präsident Martin Schairer sorgen. Der ehemalige Stuttgarter Ordnungsbürgermeister wurde jetzt von den 100 stimmberechtigten Delegierten mit großer Mehrheit im Amt bestätigt, genauso wie die Stellvertreterin Ulrike Zich und der Stellvertreter Johannes Wagner. Altershalber aus dem Präsidium schieden Ursel Müller-Eckstein, Wolfgang Scherrenbacher und Rolf Zondler aus. Ihre Nachfolger heißen Heike Montini als Kreissozialleiterin, Johannes Wagner als Kreisverbandsarzt und Erik Küspert als Schatzmeister. Beim DRK spricht man von einem „Generationswechsel und viel Aufbruchstimmung“.
Dazu passt, dass die Ausgeschiedenen prompt zu Ehrenmitgliedern ernannt worden sind. Allerdings soll es noch eine weitere Ehrung geben, die wegen der Vorkommnisse in der jüngeren Vergangenheit zwar als versöhnliche Geste, zugleich aber auch als ziemlich bizarr und mit einigem Konfliktpotenzial gesehen werden kann. Denn Schairer kündigte nicht nur an, die Aufbruchstimmung für ein Zukunftsforum nutzen zu wollen, bei dem alle Mitglieder ihre Ideen einbringen können, sondern dankte auch seinem nicht anwesenden Amtsvorgänger Walter Sopp für dessen „wertvolle Arbeit“, die auch noch mit einer Ehrung gewürdigt werden solle.
Sopp hatte zu Hochzeiten der Pandemie bemängelt, dass einzelne DRK-Funktionäre ihr ehrenamtliches Engagement bei der Organisation und ihre geschäftliche Tätigkeit im medizinischen Sektor zu sehr vermischten. Daraufhin hatten sich im Kreisverband zwei Lager gebildet. Weil es schon zuvor bei manchen Unzufriedenheit mit Sopp gegeben hatte, wurde er schließlich im Juli 2022 abberufen – nach zwölf Jahren im Amt. Die internen Kritiker hatten einen entsprechenden Antrag gestellt, dem die Delegierten der Kreisversammlung mehrheitlich zustimmten. Davor kursierten teils harsch formulierte E-Mails. Es gab viel böses Blut.
Eine Findungskommission war nötig
Erst ein Jahr später, im Juli dieses Jahres, wurde der Posten des ehrenamtlichen DRK-Präsidenten neu besetzt. Eine Findungskommission hatte sich viel Zeit gelassen, um eine möglichst integrative Persönlichkeit zu finden, der man den Neustart zutraut. Der frühere Stuttgarter Polizeipräsident und Ordnungsbürgermeister Schairer übernahm – und kündigte an, die Organisation nach innen wie nach außen einen und deutlich vertreten zu wollen. Jetzt inklusive einer Ehrung für den geschassten Vorgänger.