Rudersberger Lehrer in Nasa-Sternwarte Ein Blick ins Herz der Galaxie
Der Rudersberger Rektor Thomas Smolarczyk ist auf Einladung der Nasa an Bord der fliegenden Sternwarte Sofia mitgereist – und hat zwei spannende und anstrengende Nächte erlebt.
Der Rudersberger Rektor Thomas Smolarczyk ist auf Einladung der Nasa an Bord der fliegenden Sternwarte Sofia mitgereist – und hat zwei spannende und anstrengende Nächte erlebt.
Manchmal reist man um die ganze Welt, um dann festzustellen: Die Welt ist klein. So ging es auch Thomas Smolarczyk. Der Rektor aus Rudersberg war kaum in Palmdale nördlich von Los Angeles angekommen, da begrüßte ihn mit Marco Lentini als Erster ein Rudersberger. Er leitet dort die Wartung des Teleskops an Bord von Sofia im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Sofia wird von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und dem DLR gemeinsam finanziert.
Drei Jahre ist es nun her, dass Thomas Smolarczyk den Zuschlag für einen Platz im Lehrer-Mitflugprogramm des Deutschen Sofia Instituts bekam. Doch die Freude darüber, an Bord der fliegenden Sternwarte Sofia Wissenschaft hautnah erleben zu können, war leider damals von kurzer Dauer – zuerst hatte das Flugzeug einen Triebwerksschaden, dann kam Corona. Und lange Zeit sah es für ihn so aus, als würde es nicht mehr klappen mit dem Flug. Dabei hatten die Schüler aus der Astronomie-AG des Rudersberger Schulzentrums ihrem Leiter eine ganze Reihe brennender Fragen mitgegeben: Wie sieht ein schwarzes Loch von innen aus? Was würde ein Mensch dort erleben? Und gibt es womöglich Leben irgendwo draußen im All?
Auf diese Fragen haben die Kinder, die mittlerweile in die siebte Klasse gehen, nun tatsächlich Antworten bekommen. Zusammen mit einer Handvoll anderer Pädagogen erlebte Thomas Smolarczyk nämlich eine Woche lang aus nächster Nähe, wie Wissenschaftler mit der fliegenden Sternwarte arbeiten. Das Flugzeug – eine umgebaute Boeing 747 – startet von der Edwards Air Force Base am Rande der kalifornischen Mojave-Wüste aus zu seinen zehnstündigen Exkursionen in die Stratosphäre. Am Armstrong Flight Research Center bekamen die Lehrer ihre Einweisung – und Thomas Smolarczyk das erste Mal Gänsehaut. Denn hier hatte Neil Armstrong einst als Testpilot trainiert, bevor er später als erster Mensch den Mond betrat.
Vier Flüge absolvierte Sofia in der Woche mit den Lehrern, jeder davon dauerte um die zehn Stunden und führte das Flugzeug einmal quer über die Vereinigten Staaten, von der West- zur Ostküste und zurück. Bei zwei dieser Flüge war Smolarczyk dabei – in zwei aufeinanderfolgenden Nächten. Die Lehrer hatten viel Schokolade mitgebracht, um die Wissenschaftler wachzuhalten. Doch die hatten ein weit wirksameres Mittel, erinnert sich der Rudersberger Pädagoge: ihre überschäumende Begeisterung für die Wissenschaft. „Es war eine tolle Erfahrung mitzuerleben, wie die Leute sich da reinhängen“, sagt der 63-Jährige. Wachzubleiben fiel deshalb auch ihm nicht schwer – zumindest in der ersten Nacht. In der zweiten jedoch brauchte er zwischendurch ein einstündiges Nickerchen mit Schlafbrille – obwohl er nichts verpassen wollte.
Pro Flug, erzählt Smolarczyk, bekamen zehn verschiedene Forschungsprojekte Beobachtungszeit zugeteilt. Darunter war beispielsweise die Astronomin Oriel Humes, die Asteroiden erforscht. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie viel Wasser es auf diesen Gesteinsbrocken gibt, die weite Kreise durch das Weltall ziehen und dabei manchmal auch auf Kollisionskurs mit der Erde gehen.
Sterne mit eigenen Augen zu sehen, sagt Smolarczyk, sei ihm nicht möglich gewesen. Stattdessen saß er wie die Wissenschaftler vor Monitoren, die die Arbeit des Teleskops im unsichtbaren Infrarotbereich zeigten. „Es sind 27 000 Lichtjahre bis zur Mitte unserer Milchstraße“, sagt der 63-Jährige noch immer ungläubig und schüttelt den Kopf. Dabei zu sein, wenn Menschen solche unfassbar weit entfernten Objekte ins Visier nehmen, hat ihn tief beeindruckt. Und bei dieser Gelegenheit hat er die Forscher auch mit den Fragen seiner Schüler gelöchert. Einen Einblick ins Innere eines schwarzen Loches können sie zwar nicht geben. Wie es dort aussieht, würden sie liebend gerne selbst erfahren. Aber dass man irgendwann Leben auf anderen Himmelskörpern unseres Sonnensystems finden könnte, halten viele von ihnen inzwischen für denkbar – und das könnte auch noch zu Lebzeiten von Smolarczyks Schülern passieren.
Nun ist es an ihm, die Begeisterung für die Astronomie, die er in den Nächten hoch über der Mojave-Wüste erlebte, seinen Schülern weiterzugeben. Ende des Schuljahres scheidet der 63-Jährige zwar aus dem Schuldienst aus. Dann aber will er sich Projekte überlegen, mit denen er Grundschulkinder an die Astronomie heranführt. Ein wichtiges Utensil dafür hat er aus Kalifornien mitgebracht: eine himmelblaue Nasa-Jacke, mit der er aussieht wie ein echter Astronaut.