Rückblick Politik am Rande des Krieges

Von Werner Birkenmaier 

Die eisige Stimmung zwischen Obama und Putin kann man nicht mit der Zeit des Kalten Krieges vergleichen. Ein Rückblick.

Russlands Präsident Chruschtschow 1961 mit US-Präsident John F. Kennedy. Foto: AP
Russlands Präsident Chruschtschow 1961 mit US-Präsident John F. Kennedy. Foto: AP

Stuttgart - Es gibt tatsächlich Leute, die angesichts der aktuellen diplomatischen Verstimmung zwischen Moskau und Washington vor einem Rückfall in die Zeiten des Kalten Krieges warnen. Wer so redet, hat offenbar keine Ahnung, was das, was man von 1948 an als Kalter Krieg bezeichnete, wirklich bedeutete. Der amerikanische Außenminister John Foster Dulles definierte diesen Zustand als „Politik am Rande des Krieges“. Glücklicherweise sind wir heute weit davon entfernt und können gelassen einen Blick darauf werfen, wie angespannt, ja gefährlich das Leben damals war, als sich zwei auch atomar hochgerüstete Blöcke misstrauisch gegenüberstanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Josef Stalin die sozialistische Einflusssphäre auszudehnen. Die USA waren nicht bereit, das hinzunehmen, und die Folge war ein Ost-West-Konflikt unterschiedlicher Gesellschaftssysteme. Ein erster Höhepunkt war die Berlinblockade, die der Westen mit der Luftbrücke beantwortete – und am Ende gewann.

Beide Seiten versuchten sich beim Wettrüsten zu überbieten

Zur Abwehr möglicher sowjetischer Aggressionen wurde 1949 die Nato gegründet, der Moskau sechs Jahre später den Warschauer Pakt entgegensetzte. Damit begann eine Zeit der permanenten Aufrüstung. Beide Seiten versuchten sich sowohl konventionell als auch atomar zu überbieten. Wer damals lebte, musste das Gefühl haben, schon beim kleinsten Irrtum hier oder dort könnte die Welt in die Luft fliegen. Es blieb nur die Hoffnung, im Kreml und im Weißen Haus säßen vernünftige Leute. Als Nikita Chruschtschow 1962 begann, das sozialistisch gewordene Kuba direkt vor der Haustür der USA mit Atomraketen zu bestücken, geriet die Welt an den Rand eines atomaren Weltkrieges. Man konnte nur noch den Atem anhalten. Präsident Kennedy verhängte eine Blockade gegen die russischen Schiffe, war aber auch bereit, amerikanische Raketen aus der Türkei abzuziehen. Dieser Kompromiss rettete die Welt.

Fortan setzte man in Ost und West auf Entspannungspolitik, auch deshalb, weil die Überrüstung zu teuer wurde. Man sprach zwar miteinander und hatte für Krisenfälle ein rotes Telefon zwischen Moskau und Washington eingerichtet, aber das Misstrauen blieb mit der Folge, dass die Geheimdienste eine immer größere Rolle spielten. Man setzte auf „Überläufer“, die Einblick ins andere Lager gewährten. Als es den Sowjets gelang, ein amerikanisches Spionageflugzeug abzuschießen, verschärfte sich der Konflikt wieder. Dem amerikanischen Piloten machte man in Moskau einen Schauprozess.

Der Einmarsch der Sowjets in Afghanistan verschärfte die Krise

Der Einmarsch der Sowjets in Afghanistan 1979 verschärfte die Krise. Aber in Wahrheit waren die Einflusssphären schon seit den 60er Jahren zumindest in Europa abgesteckt. Das hatte sich schon in Berlin erwiesen, als sich 1961 sowjetische und amerikanische Panzer am Checkpoint Charlie schussbereit gegenüberstanden. Doch erst Gorbatschows neues Denken, Glasnost und Perestroika, leitete in den 80er Jahren das Ende des Kalten Krieges ein. Auch wenn Gorbatschow es so nicht gewollt hatte, führte es zum Zusammenbruch des Ostblocks, das östliche Militärbündnis löste sich auf. Die Zeit der Bedrohung war vorbei.