Rückkehr zur Kirche In die Kirche eintreten? Wenn es klappt

Mancher entdeckt die Kirche wieder neu für sich. Foto: dpa/Ingo Wagner

Per Anruf in die Kirche zurückkehren? Was als Angebot gut klingt, gelingt nicht immer sofort. Dennoch öffnen die Kirchen ihre Türen weit, teilweise mit Erfolg.

Familie/Bildung/Soziales: Michael Trauthig (rau)

Der Aderlass ist gewaltig: Rund 380 000 Menschen haben 2022 der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) den Rücken gekehrt, so viele wie nie zuvor. Noch verheerender steht es bei der anderen Konfession: 522 000 Austritte verzeichnet die Katholische Kirche, ebenfalls ein Minusrekord. Angesichts dieses Schwunds wollen die Religionsgemeinschaften alles tun, um verlorene Schäfchen zurückzuholen.

 

Besonders fortschrittlich gibt sich dabei die Evangelische Kirche in Württemberg. Nur sie bietet den Wiedereintritt am Telefon an. Einfacher geht es nicht – rein theoretisch. Praktisch sieht die Sache manchmal anders aus. „Niemand ist ans Telefon gegangen oder hat auf E-Mails geantwortet“, berichtet eine 35-Jährige nach mehreren Kontaktversuchen enttäuscht und wundert sich: Braucht die Kirche nicht dringend zahlende Mitglieder?

Wie der Stuttgarterin erging es wohl anderen auch. „Mit tut das leid. Wir sind in einer echten Notlage“, sagt dazu Dan Peter zerknirscht. Das Wiedereintrittstelefon sei in diesem Sommer zeitweise nicht besetzt – wegen Urlauben und Krankheiten, berichtet der Sprecher der Landeskirche. Zudem funktionierte die E-Mail-Weiterleitung nicht. Das ist besonders misslich, weil Württemberg den speziellen Service auch für die EKD anbietet. „Wir haben die Stelle extra eingerichtet, um Hürden für die Eintritte zu senken“, berichtet Peter. Das habe sonst auch gut geklappt. Bis zu 300 Wiederaufnahmen würden jährlich per Telefon gelingen. Bis zu 900 Anrufer würden an die Gemeinden weitervermittelt. Manche wollten aber nicht den Pfarrer vor Ort kontaktieren, um wieder zur Glaubensgemeinschaft zu gehören.

Auch der Wunsch, getraut zu werden, motiviert zum Kircheneintritt

Man könne freilich in jeder Pfarrei eintreten, sagt Peter. Manche Leute hätten positive Erfahrungen mit christlichen Einrichtungen – Altenheimen, Kliniken oder Kindergärten – gemacht. Andere wollten sich trauen lassen oder Taufpate werden. Um wieder aufgenommen zu werden, brauche man nur die Taufbescheinigung oder das Taufdatum sowie den festen Willen.

Das gilt im Wesentlichen auch für die Katholische Kirche. In der Regel gebe es ein Gespräch mit einem Seelsorger, um die Motive zu erörtern, erklärt der Domkapitular Detlef Stäps von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dem Wunsch zur Aufnahme werde normalerweise entsprochen: „Ich habe Ablehnung nur in Einzelfällen erlebt, zum Beispiel, wenn jemand ständig ein- und ausgetreten ist.“ Der jeweilige Pfarrer stelle schließlich einen Antrag auf „Versöhnung“ mit der Kirche. Später komme mit einer kleinen liturgischen Feier oder schlicht der Unterzeichnung eines Dokumentes die Aufnahme zum Abschluss.

In die Evangelische Kirche treten wieder mehr Menschen ein

Stäps nennt noch andere Motive für die Rückkehr in den Schoß der Kirche. Mal sei es die Sehnsucht nach Gemeinschaft, mal habe jemand eine neue fromme Partnerin, mal gebe es ein wiedererwachtes Interesse am Glauben. Auch könne der finanzielle Grund für den Kirchenaustritt entfallen sein. Fast 400 Wiederaufnahmen und Eintritte verzeichnet die katholische Diözese 2022. Bei den Protestanten fanden 2210 Menschen so den Weg in die Württembergische Landeskirche – ein deutliches Plus im Vergleich zu 2021. Auch die Stuttgarterin, die in schweren Zeiten Halt im Glauben gefunden hatte, schaffte die Rückkehr doch noch.

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