Mit 17 Stockwerken hat das Hochhaus seine volle Höhe erreicht. Links und rechts flankiert wird es von zwei sechsstöckigen Gebäuden. Foto: Alexandra Kratz
Nach Stuttgart 21 ist der Allianz-Park am Rande des Synergieparks in Vaihingen die zweitgrößte Baustelle in der Landeshauptstadt. Trotz des immensen Projektumfangs geht es planmäßig voran. Ein Besuch vor Ort.
Auf der Baustelle an der Heßbrühlstraße am Rande des Synergieparks in Vaihingen geht es voran. Die Allianz Lebensversicherungs-AG baut dort ihren neuen Stammsitz. In den vergangenen sechs Monaten ist das markante Hochhaus um sechs und damit auf nun insgesamt 17 Stockwerke beziehungsweise 67 Meter angewachsen. Rechts und links flankiert wird es von zwei Gebäuden mit fünf und fünfeinhalb Etagen.
In den oberen Ebenen sind die Bauarbeiter noch am Betonieren. Gleichzeitig wird an vielen Stellen bereits an der Glasfassade gearbeitet. „Wir haben kurz vor Ostern mit etwa 300 Leuten ein Rohbaustellenfest gefeiert. Kurz vor Ostern deshalb, weil viele der am Rohbau beteiligten Gewerke ihren Part bereits im Mai abgeschlossen haben. Rohbaufest statt Richtfest, weil wir ja parallel schon an der Fassade arbeiten. Wir wollten vor allem, dass alle beteiligten Bauarbeiter mitfeiern können“, sagt Heike Siegl von der Unternehmenskommunikation der Allianz Leben.
Das Projekt liegt im Zeitrahmen und im Kostenrahmen
Thomas Lutz ist der Projektleiter. Der 55-jährige Bau- und Wirtschaftsingenieur ist stolz auf die Baustelle – darauf, dass man trotz aller Schwierigkeiten wie Coronakrise, Ukrainekrieg und damit verbundenen Lieferschwierigkeiten bei vielen Materialien den Zeitplan und den Kostenrahmen einhalten kann. „Wir arbeiten hier mit zwei Weltkonzernen zusammen. Darum sind wir so gut durch die Krise gekommen“, sagt Thomas Lutz. Auf der Baustelle gehe es sehr geordnet zu. Ein Grund dafür: das sogenannte Lean Management. Das bedeutet, dass der gesamte Bau als Prozess betrachtet wird, die verschiedenen Gewerke arbeiten Hand in Hand, aber stets nacheinander, um sich nicht gegenseitig im Weg zu sein. Gleichzeitig sollen keine großen Leerläufe entstehen. „Es geht um Effizienz auf der Baustelle“, sagt Thomas Lutz.
Von der einst gewaltigen Baugrube ist längst nichts mehr zu sehen. Denn in den unterirdischen Teilen des neuen Komplexes sind die Bauarbeiten schon sehr weit fortgeschritten. Dort werden sich künftig eine Tiefgarage mit 580 Plätzen, eine Fahrradgarage für 360 Drahtesel, und eine Logistikfläche für die komplette Anlieferung befinden – die ist so groß, dass sogar ein Sattelschlepper wenden kann. Stolz ist die Allianz auch auf die 45 mal 27 Meter große Dreifeld-Sporthalle, die die alte Halle auf dem ehemaligen Sportgelände ersetzen wird. In der unterirdischen Sportstätte werden künftig die Mitglieder des TSV Georgii Allianz trainieren. Auch für den Gesundheitssport der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht die Halle zur Verfügung. Freie Zeiten sollen die mit dem TSV Georgii Allianz kooperierende Vereine bekommen.
Die Umzüge sind für 2025 geplant
Die neue Konzernzentrale in Vaihingen soll 2025 in Betrieb gehen und dann die beiden Allianz-Standorte an der Reinsburgstraße und der Uhlandstraße ersetzen. Die Umzüge sind für 2025 geplant. Ursprünglich waren in Vaihingen Büros für etwa 4500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgesehen. So viele Büros werden es nun nicht, weil Corona die Arbeitswelt verändert hat und nach wie vor viele Beschäftigte die Homeoffice-Möglichkeiten nutzen. Die Allianz hat einen Teil des Grundstücks darum an die LBBW-Bank verkauft.
Der Projektleiter Thomas Lutz. Foto: Kratz
Im Erdgeschoss befindet sich das Betriebsrestaurant. Dort werden die Mitarbeiter nicht nur essen. Der großzügige Saal soll auch dazu einladen, in angenehmer Atmosphäre in Gruppen zu arbeiten. „Wir bauen keine Räume, die nur ein paar Stunden am Tag genutzt werden“, sagt Thomas Lutz. Wichtig ist ihm auch, dass die Allianz explizit für ihre Mitarbeitenden baut. Das bedeutet, dass die verschiedenen Abteilungen bei der Ausgestaltung ihrer Räume mitreden dürfen. Denn je nachdem, in welchem Bereich man tätig sei, brauche man mehr klassische Bildschirmarbeitsplätze oder mehr agile Flächen. Zudem wird ein großer Konferenzbereich für bis zu 700 Menschen gebaut, der bei Bedarf in mehrere kleine Räume unterteilt werden kann.
Am Anfang hat es viel Kritik gegeben
Von Anfang an gab es viel Kritik an dem Projekt, unter anderem weil neue Flächen versiegelt werden und sich die Gebäude in einer Kaltluftschneise befinden. Auch darum betont der Konzern, viel in Sachen Umweltschutz zu tun. Nicht umsonst firmiert das Projekt unter dem Namen Allianz-Park, womit das Unternehmen auch zum Ausdruck bringen will, dass es großzügige Grünflächen anlegen und um die 70 neue Bäume pflanzen werde. „Diese Grünflächen sollen Raum für Begegnungen bieten. Sie gehören zwar der Allianz, werden aber frei zugänglich sein“, betont Thomas Lutz. Selbstverständlich werde es auf den Dachflächen Photovoltaikanlagen geben. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber mehr als das“, betont Lutz. So strebt die Allianz an, von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) mit Platin zertifiziert zu werden. Das ist die höchstmögliche Auszeichnung.
Die Gebäudefassaden sind abgerundet, so soll die Kaltluft besser zwischen den einzelnen Komplexen hindurchfließen können. Für die Wärmeversorgung gibt es zwei Blockheizkraftwerke, die mit Biomethan betrieben werden – ergänzt durch Geothermie. „Fernwärme wäre uns lieber gewesen, doch die ist in diesem Bereich nicht verfügbar“, sagt Thomas Lutz. Die Gebäude werden über eine so genannte Betonkernaktivierung klimatisiert. Das bedeutet, dass in den Decken Kunststoffrohre verlegt sind, durch die je nach Bedarf warmes oder kaltes Wasser fließt. Die Rohre sind mit der Heizungsanlage verbunden. Die massiven Betonteile geben die Wärme an die Raumluft ab oder nehmen Wärme aus der Raumluft auf. „Das funktioniert im Grunde wie eine Fußbodenheizung“, sagt Thomas Lutz.
Alte Eiche genießt besonderen Schutz
Wichtig ist den Kritikern des Projekts und auch der Allianz die rund 90 Jahre alte Eiche. Das Naturdenkmal bleibt unangetastet. Mehr noch: Während der Bauarbeiten wird sie explizit geschützt. Aktuell ist der altehrwürdige Baum eingezäunt, er hat einen 40 mal 40 Meter großen Platz nur für sich. Dieser wird nur von den Mitarbeitern betreten, die den Baum gießen und ihn pflegen.
Das Interesse der Mitarbeitenden und der Menschen im Stadtbezirk an der Allianz-Baustelle, an dem modernen Baustellen-Management und an der Gestaltung der Arbeitsplätze ist groß. Das hat jüngst erst der Werk-Tag bewiesen, bei dem die Allianz auch Baustellen-Rundgänge angeboten hat.
Der Allianz-Park in Zahlen
Zeitplan Von der ersten Standort-Prüfung für den neuen Allianz-Park im Jahr 2014 bis zu seiner Fertigstellung 2024 vergehen gute zehn Jahre. 2017 war der Architekturwettbewerb ausgeschrieben worden, die konkrete Planung begann 2018, der Bau 2021.
Materialien Für den unterirdischen Teil des Allianz-Parks waren 200 000 Kubikmeter Erde ausgehoben worden. Das entspricht dem Volumen von etwa 80 Olympia-Schwimmbecken. Auf der Baustelle werden etwa 15 000 Tonnen Bewehrungsstahl gebraucht – so viel, wie es für zwei Eiffeltürme brauchen würde. Zudem sind rund 78 000 Kubikmeter Beton vonnöten, das entspricht 2000 LKW-Ladungen.
Malaktion Die Allianz Lebensversicherungs-AG hat die Drittklässler der Österfeldschule in Stuttgart-Vaihingen jüngst zu einer besonderen Malaktion eingeladen. Sie durften mit der Backnanger Künstlerin Kerstin Windmüller Bilder gestalten, die in den nächsten Wochen am Bauzaun des Allianz-Park Stuttgart zu sehen sein werden. Gemeinsames Element der Bilder sind zwei Hände. Den Raum dazwischen gestalteten die Acht- bis Neunjährigen selbst – mit Motiven, die für sie symbolisieren, was ihnen für die Zukunft wichtig ist.