Russland Missstände hinter der Olympia-Fassade

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Wie Sklaven behandelt Russland die Arbeiter für die Spiele in Sotschi. Dass Menschenrechtsorganisationen das nun enthüllen, passt dem Kreml kurz vor Beginn des olympischen Fackellaufs gar nicht.

Der russische Vizepremier Dmitri Kosak Foto:  
Der russische Vizepremier Dmitri Kosak Foto:  

Sotschi - „Wundervoll“, lobte Ex-Skirennfahrer Jean-Claude Killy, der die Vorbereitungen für die Winterspiele 2014 im russischen Sotschi koordiniert, als er jetzt mit einer Delegation des Internationalen Olympischen Komitees die Wettkampfstätten besichtigte. Entgangen war den Herren der Ringe offenbar die Treibjagd, die gerade auf Arbeitsimmigranten veranstaltet wurde: Menschen aus den Ex-Sowjetrepubliken im Südkaukasus und in Zentralasien, die monatelang auf den 800 Olympiabaustellen geschuftet hatten – für Hungerlöhne, untergebracht in Massenunterkünften ohne Wasser und Kanalisation und rechtlos. Jeder Zweite war illegal eingereist und ohne Arbeitserlaubnis.

Ein Bombengeschäft für die Baufirmen – doch Ende August hatte der Mohr seine Schuldigkeit getan und wurde mit harschen Methoden hinausgeworfen. Mitarbeiter der Föderalen Migrationsbehörde, unterstützt von Polizei und paramilitärischen Formationen der Kosaken, die für ihre Fremdenfeindlichkeit berüchtigt sind, fahndeten in den Wohnlagern nach Arbeitern „mit nicht slawischem Aussehen“. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. So seien Hunderte Arbeitsimmigranten, darunter sogar Nordkaukasier – also russische Bürger – festgenommen, tagelang in überfüllte Arrestzellen gesperrt und dann abgeschoben worden. Alexander Tkatschow, Gouverneur der Region Krasnodar, zu der Sotschi gehört, hatte die Abschiebungen wohl in einem Akt vorauseilenden Gehorsams angeordnet.

Für den Kreml kommen die Vorwürfe zur Unzeit

Für den Kreml und Vizepremier Dmitri Kosak, Chefkoordinator der Spiele, der die Sklavenvorwürfe stets vehement dementiert hat, kommen die Enthüllungen zur Unzeit. Am Montag beginnt der olympische Fackellauf. 15 000 Männer und Frauen werden die Flamme, die am 7. Februar in Sotschi entzündet wird, in 123 Tagen quer durchs Land tragen. Zeitgleich startet Amnesty International (AI) eine weltweite Protestkampagne gegen Menschenrechtsverletzungen in Russland. Die Machthaber, so Sergei Nikitino von der russischen AI-Sektion, würden Aktive und Fans mit Festdekorationen davon ablenken wollen, wie demokratische Grundrechte beschnitten würden. Doch das olympische Feuer werde sein Licht darauf werfen.