Rutesheim Drescher-Deal: Areal soll bald verkauft werden

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Seit dem Aus der traditionsreichen Druckerei Drescher stehen die Hallen am Ortseingang von Rutesheim leer. Doch das könnte sich bald ändern. Es gibt offenbar einen konkreten Interessenten – die Porsche AG bestätigt diese Gerüchte aber nicht.

2012 kam  das Aus für Drescher. Jetzt soll das ­Gelände verkauft werden Foto: factum/Bach
2012 kam das Aus für Drescher. Jetzt soll das ­Gelände verkauft werden Foto: factum/Bach

Rutesheim - Die Wut der Drescher-Beschäftigten ist groß gewesen, als im Juni 2012 das Aus für den Standort Rutesheim ­bekannt wurde. Die letzten 300 von ­ehemals rund 1400 Beschäftigten hatten damit ihre Arbeitsstelle verloren. Im ­digitalen Zeitalter werden gedruckte ­Formulare immer seltener benötigt – eine Entwicklung, der das Traditionsunternehmen nur wenig entgegen zu setzen hatte.

Seither stehen die weiß-orange-farbenen Hallen am Rutesheimer Ortseingang leer. Vor fast genau einem Jahr gingen die Lichter in der Druckerei das letzte Mal aus. Doch jetzt scheint es, als könnte dort bald wieder Leben einkehren. „Es gibt einen potenziellen Käufer“, bestätigt der Leiter der Rutesheimer Drescher-Zweigstelle, Herbert Gareis, auf Anfrage dieser Zeitung. „Die Zeit des Small-Talk haben wir bereits hinter uns. Es könnte sein, dass der Deal noch im Oktober ­abgeschlossen wird.“

Den Namen des potenziellen Käufers will der Drescher-Mann nicht nennen. Doch nach Informationen dieser Zeitung soll die Porsche AG Interesse an dem Gelände gezeigt haben. Den Kauf des Areals will der Sportwagenbauer gestern auf Nachfrage nicht bestätigen. Unternehmenssprecher Heiner von der Laden sagt jedoch: „Wir kennen die Immobilie. Generell sind Angebote in der Nachbarschaft des Entwicklungszentrums Weissach allerdings interessant, da durchaus Bedarf für zusätzliche Kapazitäten besteht.“

Lange Zeit war auch die Stadt als Käufer des Geländes im ­Gespräch. Doch dem widerspricht der ­Rutesheimer Bürgermeister Dieter ­Hofmann: „Diese Absicht ist überholt. Die Situation hat sich grundlegend verändert.“ Die Stadt hat in der Vergangenheit Grundstücke im Wert von mehreren ­Millionen Euro von Drescher gekauft. „Das hatte immer den Zweck, der Firma finanziell zu ­helfen, um die Arbeitsplätze in ­Rutesheim zu sichern“, erklärt Hofmann und fügt ­hinzu: „Da wurde uns schlicht die Pistole auf die Brust gesetzt.“

Da es bei Drescher jedoch keine Jobs mehr gibt, die gerettet werden können, gibt es für die Stadt keine Motivation mehr, das Gelände zu kaufen. „Wir wollen Herrn ­Eppe in Frankreich nicht ohne Grund die Taschen füllen“, sagt der Bürgermeister. Drescher wurde im Jahr 2000 von der ­französischen Eppe-Groupe mit Sitz in Troyes übernommen. Unter deren Leitung wird das Unternehmen vom badischen ­Offenburg aus weiter geführt. Die Produktion wurde in weiten Teilen nach Polen und Tschechien verlagert.

„Wir sind schon seit einiger Zeit damit beschäftigt, einen Käufer für das Gelände zu finden, der auch zur Stadt passt“, betont Herbert Gareis. Er leitet die Rutesheimer Zweigstelle, in der die Buchhaltung und die ­Finanzen des Konzerns abgewickelt ­werden. 30 Beschäftigte im Verwaltungsgebäude sind am Standort ­Rutesheim noch übrig geblieben. „Das soll so bleiben“, ­sagt Gareis, „das ist Teil der aktuellen Verkaufsgespräche.“ Kommt das Geschäft ­nun wie geplant zustande, wird ­wahrscheinlich eine Summe von rund zehn Millionen Euro den Besitzer wechseln. „Wir sprechen über eine Fläche von insgesamt 56 000 Quadrat­metern“, erklärt ­Gareis, „der Preis für den Quadratmeter liegt in Rutesheim bei etwa 175 Euro. Da können sie ja selbst aus­rechnen, über ­welche Beträge da gesprochen wird.“

Gareis legt Wert darauf, dass über dem Unternehmen nicht mehr der Pleitegeier kreist. „Drescher hat sich sehr gut erholt“, sagt er, „wir sind nicht vom Markt verschwunden.“ Der Preiskampf in der Druckbranche ist ­jedoch nach wie vor hart. „Die Mitarbeiter hier ­haben Enormes geleistet“, erklärt der ­Leiter der Rutesheimer Zweigstelle rückblickend. „Leider hat es am Ende nicht ­gereicht, um den Produktionsstandort zu retten“, fügt Gareis hinzu. Die ­Beschäftigten hatten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie auf Gehaltserhöhungen verzichtet, um ihre Arbeitsplätze zu behalten. Nach Angaben des Betriebsrats hat ein Facharbeiter bei Drescher im Lauf der letzten sechs Betriebsjahre dabei auf rund 40 000 Euro verzichtet.

Auch wenn die Stadt das Gelände nicht mehr selbst kaufen möchte, kommt die mögliche Veränderung im Rathaus gut an. „Wir wollen, dass an dieser Stelle im Ort ­etwas passiert“, sagt der Bürgermeister Dieter Hofmann, „so wie es jetzt aussieht, kann es ja nicht auf Dauer bleiben.“ Die Verwaltung habe großes Interesse daran, dass das ­ehemalige Drescher-Areal bald wieder neu genutzt wird, betont Hofmann.