S 21, Schulen, Kliniken – und mehr Das sind die teuersten Bauprojekte in der Region Stuttgart

Der Neubau des Katharinenhospitals soll mehr als 800 Millionen Euro kosten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Inflation, Ukraine-Krieg, Materialknappheit: Stuttgart 21 ist nicht das einzige Bauprojekt, bei dem die Kosten in ungeahnte Höhen steigen. Auch für Schulen, Kliniken, Tunnel und Landratsämter in der Region Stuttgart werden gewaltige Summen fällig.

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Betonstahlmatten kosten mittlerweile 70 Prozent mehr als im Frühjahr vergangenen Jahres, Bauholz 44 Prozent mehr, Dämmplatten 35 Prozent mehr: Innerhalb eines Jahres ist viel Baumaterial schier unbezahlbar geworden. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Zwischen März 2021 und März 2022 sind vor allem die Materialien teurer geworden, deren Herstellung viel Energie verschlingt, wie etwa Stahl.

 

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In Esslingen wird aus diesem Grund jetzt vermutlich die Notbremse gezogen. Der Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) will die Modernisierung der Stadtbücherei in die 2030er Jahre verschieben. Das liegt einerseits an der allgemeinen finanziellen Lage der Stadt, andererseits an der Inflation und an rapide steigenden Baukosten, auch wegen des Ukraine-Kriegs. Bei der Stadtbücherei war man ursprünglich von etwa 25 Millionen Euro Kosten ausgegangen, nun rechnet man mit mehr als 60 Millionen Euro.

Zugleich prognostiziert das Land Baden-Württemberg um 1,1 Milliarden höhere Einnahmen in der Staatskasse als im aktuellen Haushalt eingeplant. Doch Finanzminister Danyal Bayaz warnt davor, dass dies der letzte Geldsegen sein könnte aufgrund des Ukraine-Kriegs, gestörter Lieferketten sowie steigender Energie- und Rohstoffpreise.

In Stuttgart und der Region explodieren schon jetzt bei vielen Bauprojekten die Kosten. Wir haben einige der teuersten Neubauten und Sanierungen zusammengestellt.

Stuttgart 21: 9,15 Milliarden Der neue Tiefbahnhof in Stuttgart soll rund 9,15 Milliarden Euro kosten. Das war zumindest der Stand von März 2022. Damals hatte die Deutsche Bahn informiert, dass sie die veranschlagten Kosten von 8,2 Milliarden Euro nicht einhalten werde können durch die „erheblichen Preissteigerungen bei Baufirmen, Lieferanten und Rohstoffen“. Als die Planungen für den Tiefbahnhof im Jahr 1995 begonnen hatten, waren noch Kosten von 2,6 Milliarden Euro veranschlagt gewesen. Zum offiziellen Baubeginn im Jahr 2010 ging die Bahn von gut vier Milliarden Euro aus. Zwischen 2018 und 2022 war die Rede von 8,2 Milliarden Euro gewesen.

Klinikum Stuttgart: 810 Millionen Das Katharinenhospital des Klinikums Stuttgart soll für rund 810 Millionen Euro neu gebaut werden. Im Februar 2022 wurde bereits das fertige Haus F bezogen, das allein 170 Millionen Euro gekostet hat. Als Anfang 2016 die Bauarbeiten dafür begonnen hatten, war man noch davon ausgegangen, dass dieser Neubau Ende 2018 fertig sein und rund 127 Millionen Euro kosten würde.

Flugfeldklinik Böblingen: 573 Millionen Auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen wird auf 50 000 Quadratmeter Fläche ein neues Klinikum errichtet. Das Krankenhaus mit 700 Betten soll im Jahr 2025 seinen Betrieb aufnehmen. Kosten soll es 573 Millionen Euro. Anfangs lag bei 450 Millionen Euro Kosten die Höchstgrenze.

Schulen in Ludwigsburg: 154 Millionen Mit bis zu 154 Millionen Euro rechnet die Stadt Ludwigsburg für den Neubau des Otto-Hahn-Gymnasiums und der Gottlieb-Daimler-Realschule, die das Bildungszentrum West bilden. Die Verwaltung hat bereits versucht, die Kosten zu drücken, indem die Schule in kleinerem Umfang gebaut wird als ursprünglich geplant war. Das Mitte der 70er Jahre eröffnete Bildungszentrum West ist so stark mit Schadstoffen belastet, dass eine Sanierung nicht mehr ausreicht. Zudem haben die beiden Schulen eine veraltete Heiztechnik und emittieren unter den städtischen Gebäuden in Ludwigsburg am meisten CO2.

Landratsamt Esslingen: 144 Millionen Noch relativ am Anfang stehen die Bauarbeiten beim Landratsamt in Esslingen. Die Behörde wird abgerissen und neu gebaut mit bis zu 675 Arbeitsplätzen. Das Bestandsgebäude aus dem Jahr 1978 ist zu klein geworden und weist zudem bauliche, technische und funktionale Mängel auf. Laut Landratsamt ist es preiswerter, das Gebäude abzureißen und neu zu bauen, anstatt es zu sanieren. Der Neubau wird zu einem verbindlichen Gesamtpreis von 123,5 Millionen Euro errichtet. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 144 Millionen Euro. Die Übergabe des Neubaus ist auf Ende 2025 terminiert.

Engelbergtunnel Leonberg: 130 Millionen Für rund 130 Millionen Euro wird der Engelbergtunnel bei Leonberg (Kreis Böblingen) saniert. Er führt auf 450 Metern durch Anhydritgestein. Das Material quillt bei Berührung mit Wasser auf und kann sein Volumen um bis zu 50 Prozent vergrößern. Damit sind die Tunnelröhren einem permanenten Gebirgsdruck ausgesetzt, der in beiden Fahrtrichtungen Schäden verursacht hat.

Schule in Freiberg: 87 Millionen Die größte Schule in der Region Stuttgart mit einer Gemeinschaftsschule, einer Realschule und einem Gymnasium unter einem Dach wird komplett neu gebaut. Der Neubau der Oscar-Paret-Schule in Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg) mit der noch dazukommenden Tiefgarage, Park und Sportanlagen soll rund 87 Millionen Euro kosten – einer der kostspieligsten Schulneubauten weit und breit. Und die 87 Millionen Euro waren der Stand von Februar 2022, womöglich wird das Bauprojekt noch etwas teurer, da die Außenanlagen erst im September in Angriff genommen werden. Die Sporthalle wird sogar erst ab Anfang 2023 gebaut.

Gymnasium in Plochingen: 48 Millionen Ebenfalls sehr teuer ist die Generalsanierung und Erweiterung des Gymnasiums in Plochingen (Kreis Esslingen). Derzeit werden 48,2 Millionen Euro veranschlagt, es könnte aber wegen Terminverschiebungen noch teurer werden. Die Erweiterung des Hauptgebäudes sowie die Entkernung des Kupferbaus ist das teuerste Projekt der Stadt.

Realschule in Esslingen: 30 Millionen Das Hauptgebäude der Zollberg-Realschule in Esslingen ist stark mit Schadstoffen belastet, etwa mit Asbest und PCB. Es soll abgerissen und neu gebaut werden. Ursprünglich sollte dies 13 Millionen Euro kosten, nun sind es mehr als 30 Millionen Euro.

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