S-Bahn im Kreis Böblingen Bauernproteste bringen Ersatzverkehr am Montag fast zum Erliegen

In Ehningen drängen sich Menschen in den Schienenersatzverkehr. Foto: S/tefanie Schlecht

Knapp zwei Stunden statt 20 Minuten dauerte am Montag die Fahrt mit dem Bus des Schienenersatzverkehrs von Herrenberg nach Böblingen. Das zerrte an den Nerven der Pendler. Doch eine junge Auszubildende hatte Glück.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Wer am Montagmorgen Böblingen erreichen will, musste Geduld mitbringen. Viele Straßen waren wegen der Bauernproteste verstopft, ein Ausweichen auf die Schiene nicht möglich. Denn mit dem Wochenstart begann die Sperrung der Gäubahnstrecke. Böblingen ist derzeit sowohl von Herrenberg als auch von Vaihingen aus nur mit Bussen erreichbar. Zum Frust über den Schienenersatzverkehr (SEV) gesellte sich der Ärger, wegen der Proteste zu spät zu kommen. Der SEV von Herrenberg nach Böblingen beispielsweise brauchte knapp zwei Stunden – für eine Strecke, die er normalerweise in etwa 20 Minuten zurücklegen würde.

 

Viele Menschen warten um 7.15 Uhr am Bahnhof in Herrenberg auf den Bus in Richtung Vaihingen über Böblingen. Doch der kommt nicht. Ein Bahnmitarbeiter, der Auskunft gibt, wo welcher Bus abfährt, verkündet schließlich gegen viertel vor acht, dass die Straßen wegen der Proteste dicht seien und erst ab 9 Uhr Busse fahren würden.

Klassenarbeit im Nacken

„Ich müsste eigentlich um 8.30 Uhr im Klinikum in Stuttgart sein“, sagt ein junger Mann aufgebracht. Er habe kein Auto und sei jetzt aufgeschmissen. „Meine 16 Patienten sind jetzt halt nicht so gut betreut.“

Caroline Olejak hat ihr Handy am Ohr und telefoniert mit ihrer Schule in Sindelfingen. Sie macht eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. „Ich schreibe heute eine Klassenarbeit, weiß aber nicht, ob ich rechtzeitig ankomme“, sagt sie.

Dann kommt die Info, dass doch ein Bus fährt. Um kurz vor acht ist der Bus voll. Doch ein erstes Aufatmen schlägt schnell in Resignation um – denn voran geht es nicht. Nach mehr als einer Stunde hat der Bus den Ortsausgang von Nufringen erreicht – und damit eine Strecke von knapp vier Kilometern geschafft. Auf der Gegenfahrbahn fahren Landwirte in ihren Traktoren vorbei.

Unterschiedliche Reaktionen auf Bauernproteste

Die Stimmung im Bus wirkt ruhig, niemand regt sich lautstark auf. Einige zücken ihr Handy, um die Traktoren zu fotografieren, andere, um auf der Arbeit Bescheid zu geben, dass sie auf der Strecke feststecken. „Ich habe meinen Betrieb informiert, dass ich später komme“, sagt ein 17-Jähriger, der in Stuttgart eine Ausbildung macht. Die Proteste der Landwirte könne er nachvollziehen. „Aber ich verstehe nicht, warum Unbeteiligte leiden müssen.“

Verständnisvoller zeigt sich Caroline Olejak. „Landwirte sind das Wichtigste, das ein Land braucht, und sie verdienen mehr Wertschätzung“. Sie hat Glück und inzwischen erfahren, dass die Klassenarbeit auf kommende Woche verschoben wurde. Offenbar wären mehrere Schüler nicht pünktlich da gewesen. Ganz anders als Olejak reagiert Julia Moro, die von Herrenberg nach Vaihingen unterwegs ist. „Ich bin gerade ziemlich sauer“, sagt sie. „Es gibt andere Wege, Protest zum Ausdruck zu bringen, als anderen Menschen den Morgen zu versauen.“ Die verspätete Ankunft ziehe für sie einen deutlich späteren Feierabend nach sich.

Nach knapp zwei Stunden Ankunft in Böblingen

Gegen 9 Uhr nimmt der Bus hinter Nufringen Fahrt auf, biegt nach Gärtringen ab und gerät wieder ins Stocken. Landwirte drehen in einem Kreisverkehr zwischen Gärtringen und Ehningen mehrere Runden, begleitet von einem Hupkonzert. Doch danach geht es verhältnismäßig schnell voran. Knapp zwei Stunden nach Abfahrt in Herrenberg kommt der Bus in Böblingen an.

Der Schienenersatzverkehr wird Pendler noch einige Wochen begleiten. Am längsten betroffen ist der Abschnitt zwischen Herrenberg und Ehningen. Dort fährt laut Bahn bis zum 29. Februar kein Zug und keine S-Bahn. Grund dafür sind Arbeiten am Würmtalviadukt bei Ehningen.

Eine Entlastung soll die Verlängerung der Linie S60 bieten, die vom 8. bis zum 29. Januar nicht in Böblingen endet, sondern weiter über Hulb bis Ehningen fährt. Am Montag gibt es einige Pendler, die die temporäre neue Verbindung als „Alternative“ zur S1 nutzen. Ein Mann aus Gäufelden-Nebringen ist mit dem Bus nach Böblingen gefahren und nimmt die S60 zurück nach Hulb. „Wir sind froh über alles, das fährt“, sagt er.

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