S-Bahn in Stuttgart Baggerbiss an der Jägerstraße legt S-Bahn lahm

Die Pendler haben sich am Mittwoch über Verspätungen geärgert. Foto: Achim Zweygarth
Die Pendler haben sich am Mittwoch über Verspätungen geärgert. Foto: Achim Zweygarth

Eine Störung im Feierabendverkehr hat am Mittwoch fast die Hälfte der insgesamt 166 S-Bahn-Züge in der Region aus dem Takt gebracht. Schuld war ein defektes Kabel. Warum es kaputt ging, wird noch untersucht.

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Stuttgart - Die Bahn hat am Tag nach dem Chaos im Feierabendverkehr am Mittwoch Bilanz gezogen. Die Ursache war ein Schaden an einem Hochleistungsfernmeldekabel, das in der Jägerstraße ­verläuft. Dort habe ein Bagger ein Kabel beschädigt, sagte ein Bahn-Sprecher. In diesem Gebiet laufen zurzeit viele Bauarbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21. Die meisten Arbeiten in diesem Bereich sind Vorbereitungen für den dort geplanten Fernbahntunnel. „Ein Zusammenhang mit den Bauarbeiten ist nicht auszuschließen“, sagte Wolfgang Dietrich, der Sprecher des Projekts.

Wegen einer Störung, die kurz nach 16 Uhr im Tunnel zwischen Schwabstraße und Vaihingen festgestellt worden war, konnten die S-Bahnen teilweise nur über Umwege fahren oder fielen ganz aus. „Die Auswirkungen waren erheblich, die Störung zu diesem Zeitpunkt verheerend“, sagte ein Sprecher der Bahn. Denn 166 Züge waren betroffen. Kurz nach 17 Uhr sei am Mittwoch klar gewesen, dass die Strecke zwischen Stadtmitte und Vaihingen nicht mehr befahren werden konnte, weil im betroffenen Kabelstrang auch die Drähte verlaufen, die für die Steuerung der Signalanlage notwendig sind. Daher stellte die Bahn auf ein Störfallkonzept um. Die betroffenen Linien S 1 und S 2 lenkte die Bahn vom Hauptbahnhof über die Gäubahnstrecke um. Die S 3 musste in Bad Cannstatt stoppen. Die durchschnittliche Verspätung gibt das Unternehmen mit zwölf Minuten an. „Das ist wohlgemerkt ein Durchschnittswert. Uns ist klar, dass einige länger warten mussten“, sagte der Sprecher.

Fast die Hälfte aller Züge war betroffen.

Von den 166 betroffenen Zügen fielen 25 komplett aus, 45 sogenannte Teilausfälle wurden registriert, dazu zählen die in Bad Cannstatt angehaltenen Bahnen der S 3. Über die Gäubahn mussten 43 Züge fahren.

Auch jenseits der Stadtgrenzen hat der Störfall teilweise extreme Verhältnisse verursacht. Besonders betroffen waren die Menschen, die entweder von Plochingen nach Kirchheim oder von Kirchheim in Richtung Stuttgart fahren wollten. Ein Leser, der im Berufsverkehr unterwegs war, berichtet, dass zwar mehrere S-Bahnen aus Stuttgart in Plochingen eingefahren seien. Doch obwohl zahlreiche Menschen auf die Weiterfahrt nach Kirchheim gewartet hätten, sei kein einziger dieser Züge in Richtung Kirchheim eingesetzt worden.

Nicht viel besser erging es Kirchheimern, die sich auf den ÖPNV verlassen hatten. Eine Frau, die gegen 18 Uhr in der Teckstadt aufgebrochen war, um nach Stuttgart zu fahren, strandete nach zweieinhalb Stunden in Esslingen. Ein Sprecher der Bahn räumte gestern ein, dass solche Verspätungen vorgekommen sein könnten. Der Sprecher sagte wörtlich: „Das Problem ist, dass es, wenn es keine Verbindung nach Kirchheim gegeben hat, von dort aus eben auch keine S-Bahnen in Richtung Stuttgart fahren konnten.“ Erst gegen 22 Uhr habe sich die Situation langsam entspannt, die Störung selbst sei endgültig um 1 Uhr nachts behoben gewesen.




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