S-Bahn-Verlängerung nach Calw Der große S-Bahn-Test ist bestanden

Von Florian Mader 

Der Verkehrsminister Winfried Hermann hat sich mit zwei Landräten um die Hermann Hesse-Bahn gekümmert.

Im Bahnhof Renningen soll auch die dieselbetriebene Hesse-Bahn einmal enden. Foto: factum/Bach
Im Bahnhof Renningen soll auch die dieselbetriebene Hesse-Bahn einmal enden. Foto: factum/Bach

Stuttgart - Wäre es nicht besser, die bestehende S-Bahn zwischen Stuttgart und Weil der Stadt weiter nach Calw fahren zu lassen? Mehr oder weniger laut hatten dies Politiker und Bürger überlegt. Man könnte die S-Bahn-Verlängerung zumindest untersuchen lassen, hatten daraufhin die Landkreise Calw und Böblingen sowie der Verband Region Stuttgart beschlossen.

Jetzt liegt das Ergebnis vor. Bei einem Spitzengespräch im Stuttgarter Verkehrsministerium am Freitag warfen der Minister Winfried Hermann (Grüne) und die beiden Landräte Roland Bernhard (Böblingen) und Helmut Riegger (Calw) einen Blick darauf. Auf Nachfrage verriet das Ministerium unserer Zeitung das Ergebnis. Demnach ist die Verlängerung der S-Bahn bis Calw wirtschaftlich. Eine durchgängige S-Bahn Verbindung von Calw nach Stuttgart könnte erheblich mehr Fahrgäste gewinnen, als die bislang geplante Hesse-Bahn zwischen Calw und Renningen. „Das ist ein perspektivisch interessantes Ergebnis“, sagte Winfried Hermann. „Daher wollen wir diese Möglichkeit genauer untersuchen lassen.“

Wichtig dabei scheint das Wort „per­spektivisch“. Denn an den bisherigen Plänen wollten der Minister und die beiden Landräte nicht rütteln. Zweites Ergebnis des Spitzengespräch ist daher: alles bleibt wie es geplant war. Das heißt, das sogenannte Stufenkonzept aus dem Jahr 2015 bleibt weiterhin in Kraft. Demnach soll zunächst die Hesse-Bahn als Dieselzug zwischen Calw und Renningen pendeln.

S-Bahn kommt erst mittelfristig

„Die Hermann-Hesse-Bahn kann nach Klärung der Artenschutzfragen alsbald realisiert werden“, erklärte der Verkehrsminister. „Die S-Bahn kann erst mittelfristig fahren.“ Mindestens zehn Jahre brauche es, die Voraussetzungen für die S-Bahn zu schaffen. Noch nicht klar sei – so das dritte Ergebnis des Spitzentreffens –, ob dann eine reguläre S-Bahn oder ein Sprinter-Zug nach Calw fahre. Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass der Verband Region Stuttgart (VRS), der für die S-Bahn zuständig ist, eine Sprinter-S-Bahn plant. Dieser Zug soll Weil der Stadt und Feuerbach einmal schneller als bisher verbinden.

Dass sich die Landesregierung an der Finanzierung dieser Sprinter-S-Bahn beteiligt, war ebenfalls schon klar. Nun heißt es aus dem Verkehrsministerium dazu: Der Minister stelle in Aussicht, dass sich im Fall einer durchgehenden Expresslinie nach Calw das Land auch an den laufenden Betriebskosten über Weil der Stadt hinaus beteiligen könne. Dazu geben die Beteiligten nun eine weitere Studie in Auftrag, die diese Verbindung von Calw bis Feuerbach untersuchen soll.

Denn ein Parallelbetrieb von Hesse-Bahn und Sprinter-S-Bahn scheint weiterhin unwahrscheinlich. Am Montag erneuerte der Verkehrsdirektor des Verbands Region Stuttgart, der ebenfalls an dem Spitzengespräch beteiligt gewesen ist, sein Credo: „Die Hesse-Bahn, so wie sie derzeit geplant ist, und eine Verstärker-S-Bahn werden nicht möglich sein“, sagte Jürgen Wurmthaler bei einem Termin in Böblingen. Grund ist der eingleisige Abschnitt zwischen Weil der Stadt und Malmsheim.

Bernhards Vermittlung hatte keinen Erfolg

Anfang Dezember noch hatte der Böblinger Landrat Bernhard gefordert zu erwägen, ob eine Hesse-Bahn in der ersten Ausbaustufe nur bis Weil der Stadt möglich sei. „Dies würde ich wegen des veränderten Zeitplans gerne erneut haushaltsrechtlich prüfen lassen“, schrieb Bernhard an Hermann. Dem Ergebnis des aktuellen Treffens zufolge hatte dies keinen Erfolg. Der Minister wies dies mit Verweis auf die Wirtschaftlichkeitsgutachten, zurück.