S-Bahn zwischen Marbach und Backnang 15-Minuten-Takt bleibt vorerst Zukunftsmusik

Von Oliver von Schaewen 

Bei der S 4 bleibt es wohl vorerst beim 30-Minuten-Rhythmus. Laut einem Gutachten müsste viel Geld in die Strecke zwischen Marbach und Backnang investiert werden – zu viel.

Die Fahrgäste der S 4 werden vorerst wohl nicht schneller befördert. Foto: dpa
Die Fahrgäste der S 4 werden vorerst wohl nicht schneller befördert. Foto: dpa

Marbach/Backnang - Auf der S-Bahn-Strecke zwischen Marbach und Backnang wird es zumindest vorerst beim 30-Minuten-Takt bleiben. Der Verband Region Stuttgart (VRS) hat jetzt im Verkehrsausschuss die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie bekannt gegeben. Das Fazit: Ein 15-Minuten-Takt auf der Strecke wäre nur mit hohen Investitionen möglich. Und der Nutzen wäre im Vergleich zu anderen Projekten niedriger. Deshalb investiert der Regionalverband zunächst in die S 60 von Renningen nach Böblingen.

Ausbaukosten bis zu 110 Millionen Euro

Das größte Manko der Schienenstrecke von Marbach nach Backnang ist deren Eingleisigkeit. Zudem würde die hügelige Topografie die Ausbaukosten in die Höhe treiben. Die Studie nennt drei Varianten, deren Kosten zwischen 80 bis 110 Millionen Euro liegen. Der Nutzen läge laut Studie bei 2700 bis 4900 neuen täglichen Fahrten. Aktuell sind es 3000 bis 4000.

Zum Vergleich: Investiert der VRS in die S 60 in zwei Stufen maximal 35 Millionen Euro, könnten damit insgesamt rund 7800 neue tägliche Fahrten gewonnen werden. „Man muss auch bedenken, dass die Stausituation um Sindelfingen und Böblingen prekärer ist“, sagt der VRS-Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler auf Nachfrage. Er halte die Entscheidung für „vernünftig“ und schätze den 15-Minuten-Takt für die S 4 eher als eine „längerfristige Entwicklung“ ein.

Die Anliegerkommunen reagieren unterschiedlich. Für den S-60-Ausbau gebe es wohl die stichhaltigeren Gründe, meint die Erdmannhäuser Bürgermeisterin Birgit Hannemann. Verständnis für die Entscheidung hat auch Gerhard Heim, der Erste Beigeordneter der Stadt Marbach. „Für uns hat der bestehende Viertelstundentakt von Marbach in Richtung Stuttgart größere Bedeutung“, sagt er. Unzufrieden ist dagegen die Burgstettener Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz: „Ich hätte den 15-Minuten-Takt zumindest in den Hauptverkehrszeiten gerne gehabt.“ Am Backnanger Bahnhof sei alles auf die S 3 abgestimmt. Wer aus Richtung Stuttgart dort ankomme, müsse beim Umsteigen in Richtung Marbach länger auf die S 4 warten. Außerdem störe sie, dass der Halbstunden-Takt nach 20 Uhr aufhöre, „wo doch in Stuttgart die Geschäfte bis 20  Uhr geöffnet sind.“

Sondersituation Kirchberg

In Kirchberg ist Bürgermeister Frank Hornek nicht unglücklich über den Status quo. „Wir haben hier eine besondere Situation im ÖPNV“, erklärt er. Der 30-Minuten-Takt und die Begegnung der beiden S-Bahnen auf halber Strecke zwischen Marbach und Backnang gäben dem Ortsbus genügend Zeit, seine Runde zu drehen und zwei S-Bahnen am Bahnhof gleichzeitig zu bedienen. „Mit dem Viertelstundentakt droht eine massive Problematik.“

Pragmatisch den Blick nach vorne richtet Frank Nopper, der Oberbürgermeister von Backnang. „Mittel- und langfristig müssen wir die Infrastruktur für den 15-Minuten-Takt schaffen“, sagt er und hofft, dass möglichst bald ein Fenster für das Projekt aufgeht.