S-Süd Wo Inklusion zum Schulalltag gehört

Von Franziska Nieß 

Am Tag der offenen Tür der Torwiesenschule kamen dank zahlreicher Mitmach-Aktionen vor allem die Kinder auf ihre Kosten.

Schülerinnen und Schüler der Torwiesenschule gestalten  am Tag der offenen Tür Foto: /Franziska Nieß
Schülerinnen und Schüler der Torwiesenschule gestalten am Tag der offenen Tür Foto: /Franziska Nieß

S-Süd - Für gewöhnlich herrscht auf den Gängen der Torwiesenschule in Stuttgart-Heslach am Wochenende gähnende Leere. Doch am vergangenen Samstag öffnete das Schulzentrum, das eine Grundschule, eine Realschule sowie ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige und körperliche Entwicklung (SBBZ) beherbergt, seine Türen. Am Tag der offenen Tür machten sich interessierte Eltern und Kinder ein Bild der Schule, die laut SBBZ-Leiterin Salome Clauß alle drei Schularten gleichwertig behandelt. „Bis zur sechsten Klasse klappt das inklusive Arbeiten gut, danach gestaltet es sich schwieriger“, erklärt Clauß. Momentan erarbeite man daher neue Konzepte.

Wunschtüten für alle

Die Schulleiterinnen führen die Eltern durch die Räume und erklären ihnen, wie das inklusive Arbeiten funktioniert. Für die Kinder gibt es Extra-Führungen und vor allem Bastel- und Mitmachaktionen. Im SBBZ-Bereich der sechsten Klasse gestalten sie zum Beispiel Bäume nach dem Vorbild des russischen Malers Wassily Kandinsky. Für jede Klasse stehen nach den Worten von Marion Weber, Rektorin der Grundschule und Gesamtkoordinatorin der Torwiesenschule, drei Räume zur Verfügung. Bis zu sechs Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung befinden sich in einer Klasse und werden besonders gefördert.

Das veranschaulichen in einem Klassenzimmer Plakate und ein Video zum Thema „Selbstständige Lebensführung“. Im selben Raum verkaufen Schülerinnen mit ihrer Lehrerin sogenannte Wunschtüten, die sie konzipiert und befüllt haben. Drei Tüten stehen zur Auswahl: „Viel Glück“, „Gute Besserung“ und „Alles Gute zum Valentinstag“, lauten die Wünsche.

Zum Verkauf stehen nicht nur Wunschtüten. Die längste Schlange bildet sich am Zuckerwattestand. Die Achtklässler wollen mit dem Verkauf Geld für ihre Englandfahrt sammeln. Die ungewöhnlichen Sorten Blaubeere, Banane, Kaugummi und Apfel kommen bei den Besuchern gut an.

Den beliebtesten Job des Tages haben allerdings Juliana, Anton und Vincent. Die drei Jugendlichen aus dem SBBZ-Bereich sind abwechselnd mit einem Bauchladen unterwegs und verkaufen selbst gebackene Kekse namens Torwiesentaler. Arbeitserfahrung steht im SBBZ ganz oben auf der Agenda. „Wir wollen bei den Jugendlichen den Spaß an der Arbeit wecken“, erklärt die Lehrerin Sabine Wimberger. Jeweils für eine Woche machen die Jugendlichen in der zehnten, elften und zwölften Berufsschulklasse des SBBZ ein Praktikum in den Einrichtungen der Lebenshilfe, in den Neckartalwerkstätten oder im BHZ Stuttgart.

Nachhaltigkeit als Projekt

Damit der Lerneffekt nicht zu kurz kommt, zeigen die Realschülerinnen Darleen und Katharina im NWA-Raum, wie ein Stromkreislauf funktioniert oder lassen die Planeten nach ihrem Platz im Sonnensystem einordnen. Der Andrang bleibt leider aus. Umso voller ist es dagegen in der Turnhalle, in der sich die Kinder austoben können. Zur Ruhe kommen sie in der erst 2019 eröffneten Schulbücherei.

Ebenfalls seit dem vergangenen Jahr kooperiert die Torwiesenschule mit der Rising Star Schule in Simbabwe. „Wir überlegen momentan, wie die Schüler untereinander eine Beziehung aufbauen können“, erklärt Sabine Aab, die Leiterin der Realschule. Die bislang erprobte Brieffreundschaft zwischen den Schülern stelle aufgrund des langen Postwegs eine zu große Geduldsprobe dar. Langweilig wird es also nicht – schon gar nicht in nächster Zeit. Denn von Montag bis Mittwoch wartet schon der nächste Höhepunkt: Projekttage zum Thema Nachhaltigkeit.

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