Es war ein Wagnis, doch es ist geglückt. Das Wagnis nämlich, den ernsten Kern der christlichen Passionsgeschichte – Jesu Leiden und Sterben am Kreuz – auf eine große Bühne zu bringen, als „Chormusical“ mit Hunderten von Sängern, einem Orchester und starken Solisten. Albert Frey, christlicher Komponist und Musikproduzent, hat zusammen mit der Stiftung Creative Kirche in Witten dieses ehrgeizige Vorhaben gestartet. Am Samstag feierten die „7 Worte vom Kreuz“ in der Ludwigsburger MHP-Arena ihre Uraufführung. In den beiden Vorstellungen applaudierten zusammen mehr als 5000 Zuschauer der fast dreistündigen Vorstellung.
Die „7 Worte“ sind indessen nicht nur eine Bühnenshow, sie wollen auch Verkündigung sein. Daran ließen die Veranstalter und auch Frey selber keinen Zweifel. Musiker und Sänger nahmen das Publikum mit auf eine geistliche Reise. Denn die bekannten Worte des Gekreuzigten rühren an existenzielle Fragen. Rein äußerlich war es eine spektakuläre Vorstellung. Ein Orchester, Keyboard und E-Gitarre – gespielt vom Komponisten Frey selber – sorgten für die Instrumentalmusik, vier starke Solisten ließen ihre Stimmen hören: Anja Lehmann, Sopran, Yasmina Hunzinger, Alt, Benjamin Gail, Tenor, und Michael Janz, Bass. Hinter ihnen, eindrucksvoll den einen Halbrund der Arena füllend, die 902 Sängerinnen und Sänger des Chors. Unter anderem waren dabei der Chor Horizonte aus Höpfigheim, der EK-Chor Großbottwar, der Gospelchor Heimerdingen, der Kirchenchor St. Maria aus Ditzingen, die Voices of Peace Ludwigsburg. Auf der Bühne war auf eine große Leinwand ein riesiges Kreuz projiziert, das je nachdem die Farbe wechselte, weiter Lichteffekte in Pink, Lila und Orange kamen hinzu.
Jesu Worte vom Kreuz haben es in sich: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Oder „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wie kann man solche Sätze in ein Musical umsetzen? Es gelang, indem diese Worte nicht nur gesungen wurden, das Stück brachte sie in Beziehung zum Alltag. Alternierend mit der Musik traten zwei junge Menschen auf, sie redeten über ihre Probleme. Ben, der Mann, haderte mit der Gefühlskälte seiner Mutter. Marie, die Frau, wurde von ihrem Verlobten verlassen. Dabei wurde deutlich, wie zum Beispiel das Wort von der Vergebung weiterhelfen kann.
Ist die christliche Botschaft aktuell?
Dank diesem Wechsel, der Erdung der überlieferten Worte Jesu, näherte sich das Musical dem schwierigen Thema Passion mit Sensibilität, zeigte die Aktualität der christlichen Botschaft. Unterstrichen durch die musikalischen Leistungen: Die Melodien waren eingängig, in etlichen Varianten, mal klassisch, mal rockig, mal mit orientalischem Anklang. Die vier Solostimmen brachten Ernst und Tiefe der Aussagen angemessen zum Ausdruck, als Michel Janz etwa „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“ sang. Die vielen Chorstimmen bildeten eine mächtige Begleitung.
Und dann jubelten alle das letzte Wort Jesu: „Es ist vollbracht!“ Das große Kreuz, das zeitweilig rot geleuchtet hatte, färbte sich in ein sanftes Blau mit einem stärker hervortretenden Regenbogen, dem biblischen Symbol des Bundes zwischen Gott und den Menschen. Die Botschaft lautete: Das Kreuz ist nicht das Ende. Alle Darbietenden bekamen viel Beifall, und die wiederum applaudierten dem Autor, Albert Frey an der E-Gitarre. Der dankte, sichtlich bewegt. „Ich hätte, als ich das begann, nie gedacht, dass wir es so auf die Bühne bringen können.“ Und forderte das Publikum auf, zum Schluss in das von ihm verfasste Lied einzustimmen: „Du bist der Anker in der Zeit.“