Sanierung der Stuttgarter Oper Was der Beschluss zur Oper bedeutet
Am Mittwoch soll der Gemeinderat Geld für die weiteren Planungen bewilligen. Der Baubeschluss für das Milliardenprojekt folgt später.
Am Mittwoch soll der Gemeinderat Geld für die weiteren Planungen bewilligen. Der Baubeschluss für das Milliardenprojekt folgt später.
Stuttgart - Am Mittwoch trifft der Stuttgarter Gemeinderat eine weitreichende Grundsatzentscheidung über eines der finanziell gewaltigsten Projekte in der Landeshauptstadt: Die denkmalgeschützte, aber marode Staatsoper soll mit Milliardenaufwand saniert werden, die Kosten teilen sich die Träger Stadt und Land zur Hälfte. Eine Mehrheit für das nach Stuttgart 21 wohl umstrittenste Vorhaben der jüngeren Stadtgeschichte gilt als sicher. Anlass für einen Rückblick in die Historie der Planungen.
Gutachter wollten Eckensee überbauen
Im Sommer 2016 waren der Verwaltungsrat der Staatstheater und die Opernintendanz mit einem Gutachten an die Öffentlichkeit getreten. Darin wurde der Sanierungs- und Erweiterungsbedarf des Großen Hauses mit einem Gesamtflächenbedarf von 13 000 Quadratmetern für Proberäume, Büros, Werkstätten und Gastronomie aufgelistet. Zudem war der Einbau einer zeitgemäßen Kreuzbühne in das von Max Littmann zwischen 1909 und 1912 errichtete Opernhaus vorgesehen. Als Ausweichquartier für die Dauer der Sanierung schlugen die Gutachter ein bis zu fünf Stockwerke hohes Operninterim an Stelle des Eckensees vor. Die Kosten wurden seinerzeit auf 400 bis 600 Millionen Euro geschätzt.
Verein Aufbruch wirbt für Alternativen
Die Pläne stießen bald auf Kritik. Umweltschutzverbände kritisierten vehement die geplante Überbauung des Eckensees und drohten gar mit einem Bürgerentscheid. Denkmalschützer zeigten sich skeptisch gegenüber dem Eingriff in die Südflanke des Littmann-Baus, der auf einer Länge von 20 Metern um rund zwei Meter in Richtung Landtag verschoben werden soll, um die Kreuzbühne unterzubringen. Im März 2017 gründeten Kunstschaffende und Architekten um den Ex-TV-Moderator Wieland Backes den Verein Aufbruch Stuttgart, der fortan ebenso engagiert wie hartnäckig für eine Aufwertung der Stuttgarter Kulturmeile Position bezog und für eine weitere Musikspielstätte warb. Der Verein wertet die Eingriffe in die historische Bausubstanz zudem als Zerstörung des Kulturdenkmals Oper.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Kuhn lehnt Aufbruchpläne ab
Im Lauf der folgenden Jahre stiegen die Kostenschätzungen für den Umbau inklusive Interim sukzessive immer weiter an. Auch die Suche nach einem Areal für ein Interimsgebäude für Oper und Ballett zog sich hin. Die Aufbruch-Initiative unterbreitete diverse Standortvorschläge wie etwa den Akademiegarten oder das Marstall-Areal an der Unteren Königstraße sowie immer neue Varianten für ein kombiniertes Opern- und Konzerthaus. Der wohl umstrittenste Vorschlag betraf das Areal des benachbarten, ebenfalls denkmalgeschützten Königin-Katharina-Stifts. Nicht nur die Schulgemeinde, sondern auch eine breite politische Mehrheit in Stadt und Land lehnte eine Verlagerung der Schule ab. Auf Vorschlag der Freien Wähler wurde schließlich das Paketpostamt am Rosensteinpark zur Übergangsoper auserkoren.
Wagenhallen- statt Rosenstein-Oper
Im Mai 2018 platzen die Pläne für die Rosenstein-Oper. Der damalige OB Fritz Kuhn (Grüne) cancelte die Planungen für das Provisorium mit Verweis auf die hohen Baukosten von mehr als 100 Millionen Euro – mit Zustimmung des Gemeinderats. Nach monatelangem Suchlauf quer durch die Stadt, indem auch Varianten wie die Messe oder das Musicaltheater auf den Fildern abgewogen wurden, zauberte Kuhn den Vorschlag eines Interimsquartiers für Oper und Ballett bei den Wagenhallen aus dem Hut. Nach anfänglichen Konflikten mit der dortigen Künstlerkolonie wurde die Idee fester Bestandteil der Sanierungspläne.
Bürgerforum plädiert für Kreuzbühne
Im November 2019 präsentierten Stadt und Land eine Grobkostenschätzung: Demnach könnte die Sanierung und Erweiterung der Oper nebst Bau des Interims rund eine Milliarde Euro kosten. In der Summe sind Baupreissteigerungen und Risikozuschläge bereits eingepreist. Ein weiteres Jahr später sprach sich das vom Land initiierte Bürgerforum für die Pläne unter Einschluss des Einbaus der Kreuzbühne aus. Alternative Ideen der Aufbruch-Vertreter wurden mit großer Mehrheit verworfen. Kuhns Nachfolger Frank Nopper (CDU) erachtete das Projekt daraufhin für ausdiskutiert und schlägt den Stadträten am Mittwoch vor, zunächst Planungsmittel von 13, 5 Millionen Euro freizugeben. Baubeginn für das Interim – Voraussetzung für die Sanierung: frühestens 2023.