Sanierung der Villa Berg in Stuttgart Zwischen Vorzeigeprojekt und Lost Place

Seit Langem liegt die Villa Berg im Stuttgarter Osten im Dornröschenschlaf. Wann wird sie zu welchem Preis geweckt? Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Entwürfe für die Villa Berg sind überarbeitet. In einem Workshop sollen Sparmöglichkeiten gesucht werden. Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost dringt auf rasche Entscheidungen.

Die Sanierung und der Umbau der Villa Berg wird sich weiter verzögern. Eigentlich hätte der Gemeinderat schon vor Weihnachten das Okay geben sollen, damit das Stadtplanungsamt und das beauftragte Atelier Brückner ihre Arbeit an dem Projekt fortsetzen können. Nach der Kritik im Gemeinderat an den Entwürfen und an den Gesamtkosten von aktuell rund 170 Millionen Euro steht diese Entscheidung aber nach wie vor aus. Dadurch sei bereits etwa ein halbes Jahr verloren, hat Matthias Bertram vom Amt für Stadtplanung und Wohnen jetzt im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost erklärt. Wann und wie es weitergeht, kann erst nach einem geplanten Workshop zu Sparmöglichkeiten entschieden werden.

 

Die Vorgeschichte Die Villa Berg, die 1853 fertiggestellt wurde und einst die Residenz des späteren württembergischen Königspaars Karl und Olga war, steht seit mehr als 15 Jahren leer, war zwischendurch Spekulationsobjekt, gehört seit einigen Jahren der Stadt und soll zu einem „Haus für Musik und Mehr” umgestaltet werden. Teile des Gesamtprojekts sind die Wiederherstellung der Parkanlage nach dem bereits erfolgten Abriss der einstigen Fernsehstudios des SWR und die Sanierung der maroden Tiefgarage sowie der darüber liegenden Brunnenterrassen. Alles zusammen soll rund 170 Millionen Euro kosten, gut 100 Millionen davon entfallen auf die Sanierung und den Umbau der Villa samt neuer Anbauten.

Die Leitlinien für das Projekt wurden in einer umfangreichen und in Stuttgart bisher wohl einzigartigen Bürgerbeteiligung entwickelt und vom Gemeinderat verabschiedet. Auf deren Basis entwickelte das renommierte Stuttgarter Atelier Brückner zwei Varianten für die „neue” Villa. Die darin vorgesehenen Anbauten und die Kosten für das Projekt stießen vor allem bei der CDU im Gemeinderat auf Kritik. Eine Mehrheit im Gemeinderat sprach sich daraufhin zwar in einem Antrag gegen einen Planungsstopp aus. Weitere Mittel sind jedoch wurden nicht freigegeben.

Die Überarbeitung Das Atelier Brückner nahm sich die Kritik in so unterschiedlichen Gremien wie dem Gestaltungsbeirat, dem Gemeinderat und auch bei der Bürgerbeteiligung im September 2023 zu Herzen und überarbeitet die Pläne. In der Variante Ost wurde die oberirdische Baumasse deutlich reduziert, wesentliche Bereiche wie ein kleiner Saal und Logistikräume wurden unter die Erde verlegt. Oberirdisch bleibt nun lediglich ein zweigeschossiger Kubus mit Gastronomie und Verwaltungsräumen. Er soll in der Verlängerung der Sichtachse von der Westwiese her zwischen Gutbrod-Bau und Villa etwas zurückversetzt in Richtung abfallendem Parkhang stehen. Die Villa steht dadurch wieder frei im Park.

Die auffälligste Veränderung in der Variante Nord ist, dass die beiden an die Historie der Villa anknüpfenden neuen Gebäudeflügel nun asymmetrisch, also unterschiedlich lang, in Richtung Gutbrod-Bau ragen. In beiden Varianten wurde die bisher vorgesehene Gebäudemasse reduziert.

Der Workshop Der Planungsstab Villa Berg im Kulturamt unter Leitung von Amos Heuss, der die Sitzung des Bezirksbeirats am Mittwochabend als Zuhörer verfolgte, plant für Ende Februar oder Anfang März einen Workshop. Daran sollen „alle Beteiligten” teilnehmen, also der Planungsstab selbst, Vertreter des Stadtplanungsamts, die Bezirksvorsteherin Charlotta Eskilsson, die Projektgruppe Villa Berg als Bürgervertretung, das Atelier Brückner. Auf Basis der jetzt überarbeiteten Planungsvarianten sollen dabei Sparmöglichkeiten ausgelotet werden. Die Ergebnisse werden dann erneut in den politischen Gremien diskutiert. Erst dann wird vermutlich auch eine Entscheidung über die Freigabe weiterer Planungsmittel für die Sanierung fallen. Der Stadtplaner Bertram wies im Bezirksbeirat daraufhin, dass die bereits jetzt eingetretene zeitliche Verzögerung allein schon wegen der Inflationsrate auch Auswirkungen auf die Kosten haben werde.

Der Bezirksbeirat Im Bezirksbeirat wurden die überarbeiteten Varianten parteiübergreifend begrüßt. Gleichzeitig forderten die Vertreter der Fraktionen eine zügige Fortsetzung des Kulturprojekts. Ingrid Schwertfeger (Grüne) sagte: „Wenn wir das nicht bald angehen, dann kostet uns das in Zukunft immer mehr Geld.” Die Bedenken und der Sparauftrag müssten ernst genommen werden.

Bernhard Herp (CDU) sprach von einem einzigartigen Projekt mit einer vorbildlichen Bürgerbeteiligung und einem Gebäude, „wie wir es in Stuttgart nicht mehr allzu oft haben”. Seiner Meinung nach müssen die anderen Kulturprojekte, die in Konkurrenz zur Villa Berg stehen – wie etwa das neu angestrebte Konzerthaus auf dem Rilling-Areal in der Neckarvorstadt in Bad Cannstatt, jetzt erst einmal warten. „Ein Zurück auf Null kann es mit uns nicht mehr geben”, so Herp.

Jörg Trüdinger (SPD) setzte die Villa als „ein Kulturdenkmal allerersten Ranges” auf eine Stufe mit dem Schloss Rosenstein und der Wilhelma. Er befürchtet aber, dass mögliche neue Mehrheiten im Gemeinderat nach den Kommunalwahlen im Juni 2024 das Projekt ablehnen werden. Und für diesen Fall malte er schwarz: „Dann haben wir einen Lost Place.“ Trüdinger sprach sich gegen Kürzungen im Raumprogramm der Villa aus. „Wir brauchen diese ganzen Nebenräume, um die Villa sinnvoll nutzen zu können.”

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