Stuttgart So geht es am Österreichischen Platz weiter

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Das Verkehrsrondell am Österreichischen Platz in Stuttgart wird in den kommenden zwei Jahren in drei Abschnitten saniert. Der Verkehr wird während der Bauzeit neu geordnet – und bleibt dann ungewohnt bestehen.

In den Sommerferien beginnt die Sanierung des Rondells am Österreichischen Platz in Stuttgart, das einen der unwirtlichsten Plätze Stuttgarts markiert. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
In den Sommerferien beginnt die Sanierung des Rondells am Österreichischen Platz in Stuttgart, das einen der unwirtlichsten Plätze Stuttgarts markiert. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Bewehrung in dem riesigen Stahlbetonbau am Österreichischen Platz rostet. Wasser hat Fahrbahndecken und Abdichtungen durchdrungen. „Das Bauwerk ist schon seit längerer Zeit stark angegriffen“, sagt Silvester Koci vom Tiefbauamt der Stadt. Um die Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit dieser viel befahrenen Konstruktion noch gewährleisten zu können, sei eine Sanierung dringend geboten.

Nicht betroffen ist die Paulinenbrücke. Sie sei, so Koci, intakt und verkehrstüchtig. In den Sommerferien sollen die Arbeiten beginnen. An der Kurve in die Feinstraße beim Caleido-Bau werden auf einer Fläche von circa 500 Quadratmetern Abdichtungen und Beläge abgebrochen. Allein dieser erste von drei Bauabschnitten wird mit Kosten von etwa 600 000 Euro beziffert. Die übrigen Bauabschnitte dauern von Mai bis September 2019 und von April bis Oktober 2020.

In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Süd stellte Silvester Koci das verkehrliche Konzept für die erste Bauphase vor. Der Verkehr von der Paulinenstraße kann dann nicht mehr am Österreichischen Platz rechts abbiegen. Er wird über die Marien-, die Silberburg- und die Cottastraße zur Hauptstätter Straße umgeleitet. Die Poller in der Feinstraße, die mit der Fahrradpriorisierung auf der Tübinger Straße gesetzt wurden, kommen während der Bauzeit weg. Wer ins WGV-Parkhaus in der Feinstraße will, muss einen U-Turn am Wilhelmsplatz drehen oder wird von der Hauptstätter Straße in die Fangelsbachstraße und die Tübinger Straße gelotst. Umgekehrt geht’s nicht: Von der Stadtmitte kann man nicht auf der Tübinger Straße zum Marienplatz durchfahren.

All diese Unannehmlichkeiten während der Bauwochen nahmen die Bezirksbeiräte im Süden nahezu klaglos hin. Nicht aber die Lösung der Stadtverwaltung für die Immenhofer Straße. Der Verkehr von der Paulinenbrücke Richtung Degerloch wird demnach geradeaus in die Immenhofer Straße geleitet. Bislang muss ein ampelgespickter, zweispuriger Bogen ausgefahren werden, um dorthin zu gelangen. Dieser wird nun saniert, und weil er sich ohnehin als verkehrlich prekär erwiesen hat und sich Unfälle häufen, soll die Streckenführung nach Beendigung der Bauarbeiten bestehen bleiben.

Angst vor neuer Rennpiste

Hier regte sich der Widerstand des Bezirksbeirats, der sich überrumpelt fühlt. Man sei davon ausgegangen, dass das Tiefbauamt über die Sanierung des Rondells berichte. Von der geplanten dauerhaften Änderung der Verkehrsführung an der Immenhofer Straße sei man nicht unterrichtet worden, protestierte der Grünen-Bezirksbeirat Wolfgang Jaworek. Geraume Zeit habe sich der Bezirksbeirat den Kopf darüber zerbrochen, wie man die Immenhofer Straße entlasten könne. Das zulässige Tempo wurde reduziert, ein Geschwindigkeitsmessgerät aufgepflanzt, und immer noch ist die Strecke im Lärmaktionsplan rot markiert. Jaworek befürchtet, dass wie in früheren Zeiten wieder „durchgerast“ wird, wenn man von der Paulinenbrücke geradeaus einfahren kann.

CDU-Bezirksbeirat Roland Petri setzt darauf, dass die vorgestellte Verkehrsführung nicht in Stein gemeißelt ist: „Ich hoffe doch, das ist ein lernendes System“, in dem Dinge auch wieder geändert werden, wenn sie nicht funktionieren. Petri könnte sich ferner vorstellen, die Strecke mit Blitzern zu dekorieren, um Fahrer runterzubremsen. FDP-Bezirksbeirat Wolf-Dieter Wieland hält von der gesamten Rondellsanierung nichts: „Der Bau war von Anfang an eine Missgeburt.“

An der Instandsetzung als solcher wird seitens der Stadt aber nicht gerüttelt. In Sachen Verkehrsführung an der Immenhofer Straße aber ist noch nicht das letzte Wort ­gesprochen, sagt Bezirksvorsteher Raiko Grieb. Im Gespräch mit ihm habe sich die Verwaltung durchaus bereit gezeigt, Vorschläge der Bezirksbeiräte im Süden noch in die Verkehrsplanung aufzunehmen. In die Bezirksbeiratssitzung am 20. März im ­Süden sind Vertreter der Verkehrsbehörde eingeladen, um nochmals über das Thema zu sprechen. Raiko Grieb geht davon aus, dass hier vieles noch offen ist: „Wir werden jetzt in die Diskussion einsteigen.“