Sanierungsprojekt in Altdorf Radschutzstreifen treibt Emotionen hoch

Protest: In den Schaufenstern von Altdorf sind die Bedenken und die Forderung vieler Betroffener deutlich formuliert. Foto: /Roger Bürke

Die Sanierung der Ortsdurchfahrt löst in Altdorf offenbar mehr Sorgen aus als Freude. Besonders die Frage, wo Radler künftig fahren sollen, treibt die Bürger um. Auch die geplante Vollsperrung ist vielen ein Graus. Doch daran führt wohl kein Weg vorbei.

So groß ist das Interesse der Altdorfer an den Sitzungen ihres Gemeinderats selten: Voll besetzt war der Bürgersaal am Dienstagabend. Zuletzt war das der Fall, als die Gemeinde einen Standort für das Samariterstift suchte – und das ist inzwischen in Betrieb. An diesem Dienstag war es die anstehende Sanierung der Ortsdurchfahrt und dabei speziell der geplante Radschutzstreifen im südlichen Bereich, der die Bürger in die „Einwohnerfrageviertelstunde“strömen ließ, die auf Platz der Tagesordnung stand.

 

Dass die zahlreichen Einwohner nicht gekommen waren, um ihm zum vor wenigen Tagen gefeierten 60. Geburtstag zu gratulieren, ahnte Bürgermeister Erwin Heller bereits. Hängen doch derzeit im Flecken Plakate, die fordern, die Durchfahrt während der mindestens neunmonatigen Bauzeit nicht voll zu sperren, sondern nur zum Teil. Und natürlich wirft auch in Altdorf der Kommunalwahlkampf seine Schatten voraus. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, sagte der Schultes denn auch und stellte den Geschenkkorb, den er von den Gemeinderäten bekommen hatte, erst einmal zur Seite.

Aufgebrachte Eltern

Die Fragen, die dann auf die Verwaltung einprasselten, beschäftigten sich zunächst überwiegend mit dem geplanten Radschutzstreifen auf der Südseite der Ortsdurchfahrt. Ob denn überhaupt ein Radweg in der Ortsdurchfahrt sein müsse, wollte eine Anwohnerin wissen. „Wir werden unseren Kindern verbieten dort zu fahren“, schimpfte ein Elternpaar. Wie denn der Schutz der dort fahrenden Schulkinder oder älteren Menschen gewährleistet sein soll angesichts von Schwerlastverkehr und rücksichtslosen Autofahrern, insistierten andere.

Bürgermeister Erwin Heller stellte klar, dass die schon vor Jahren entstandenen Pläne in enger Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern im Arbeitskreis Rad und Verkehr entstanden seien. Und dass es dazu auch Befragungen unter den betroffenen Schüler gegeben hätte. Außerdem, erklärte er, seien gegenläufige Radwege wie derzeit nur auf der Nordseite der Altdorfer Ortsdurchfahrt vorhanden, ohnehin nicht mehr zulässig.

Alternative Radrouten über die Felder, führte Heller weiter aus, würden von den Nutzern seit Jahrzehnten schlicht und ergreifend nicht angenommen. Wenig effektiv seien zudem Blitzer in den Tempo-30-reduzierten Bereichen. „Es wird niemals sicher sein“, gab der Schultes deshalb frank und frei zu – und betonte, dass man momentan über den Stand der Entwurfsplanung diskutiere. Von der tatsächlichen Umsetzung ist man also noch ein Stück entfernt – und wird es auch noch eine Weile bleiben. Denn wie Heller in der Sitzung auch berichtete, gibt es einen neuen Zeitplan für das Vorhaben. Die Arbeiten werden nicht wie vorgesehen in diesem Jahr beginnen, sondern erst im kommenden.

Ohne Vollsperrung geht es nicht

Nichtsdestotrotz, so Heller, sei schon jetzt klar, dass die Sanierung der Ortsdurchfahrt nur unter Vollsperrung und mit ausgeschilderten Umleitungen möglich sei. Bei der Sanierung wird unter anderem die Erlachdole ausgebaut, um so potenzielle Hochwasser zu verhindern. Trotz der Sperrung werde es aber immer von einer Seite Zufahrten zu den Gewerbetreibenden geben, versprach die Verwaltung besorgten Händlern. Sehr im Rahmen halten werde sich mangels Fläche allerdings das Angebot an den ebenfalls nachgefragten Interimsparkplätzen entlang der Umleitungsstrecken, die für den Busverkehr freizuhalten sind . „Wer sich ein Auto oder Wohnmobil anschafft, sollte dafür eigentlich auch einen privaten Stellplatz haben“, hieß es süffisant von Verwaltungsseite.

Mehr Infos nach den Sommerferien

Wann es wie genau weiter geht, wird sich weisen. „Ich kann heute noch keine Information geben“, sagte Erwin Heller. Doch sobald es Klarheit bei den Planungen gebe, bei denen auch das Landratsamt und das Land mitreden, sowie der Zeitschiene, werde in der Festhalle eine umfangreiche Bürgerinformation stattfinden. Vermutlich nach den Sommerferien sei es soweit.

Gespannt sein darf man aber sicher auch, wie der im Juni neu zu wählende Altdorfer Gemeinderat die Situation dann bewertet.

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