Satiriker tritt in Deufringen auf Wie geht Kabarett in Kriegszeiten?
Thomas Schreckenberger ist seit 2022 mit seinem Programm „Nur die Lüge zählt“ unterwegs. So wie die Welt, haben sich seitdem auch einige Inhalte stark verändert.
Thomas Schreckenberger ist seit 2022 mit seinem Programm „Nur die Lüge zählt“ unterwegs. So wie die Welt, haben sich seitdem auch einige Inhalte stark verändert.
Die Star-Trek-Uniform steht Thomas Schreckenger gut. Am Steuer seines Raumschiffs nimmt er nach jahrzehntelanger interstellarer Reise Kurs auf die Erde – und findet seinen Heimatplaneten im Chaos vor: In der Ukraine herrscht Krieg, die Menschen hängen nur noch an ihren Smartphones und dann wird das Land auch noch von einem grünen Ministerpräsidenten regiert. Da ist es ja fast schon ein Glück für Käpt’n Schreckenberger, dass sein Raumschiff mit Diesel betrieben wird und mangels Feinstaubplakette nicht landen darf. Also nimmt er mit seiner Crew Kurs auf einen weit entfernten Planeten in der Hoffnung, wenigstens dort intelligentes Leben zu finden.
Dieser Sketch in Enterprise-Optik war ein Programmpunkt in der diesjährigen Aufzeichnung der SWR-Kabarettsendung „Das jüngste Ger(i)ücht“ in der Alten Kelter in Fellbach. Christoph Sonntag las hier zur Beginn der Fastenzeit der Landespolitik die Leviten. Wesentlichen Anteil an dieser wie auch vielen anderen Sonntagsreden auf Bühnen, im TV und im Radio hat Thomas Schreckenberger, der seit rund zehn Jahren als Autor für die Kabarett-Größe tätig ist.
Das Texten ist dabei aber nur ein Zubrot. Als hauptberuflicher Kabarettist hat der 55-Jährige sich längst selbst einen Namen gemacht – und dabei auch schon eine existenzielle Krise überstanden. Schließlich war die Pandemiezeit für den beruflichen Spaßmacher alles andere als lustig. Vor allem der Publikumskontakt habe ihm sehr gefehlt. „Auftreten ist für mich Eigentherapie. Danach geht’s mir immer besser“, sagt er.
Am Mittwoch Bochum, am Donnerstag Gelsenkirchen und am Sonntag Sigmaringen: Mittlerweile ist sein Tourkalender wieder ordentlich gefüllt. „Allerdings sind die Zuschauerzahlen noch lange nicht auf Vor-Corona-Stand zurück“, stellt er fest. Die vielen Krisen, die letztlich nahtlos ineinander übergegangen seien, sind aus seiner Sicht das Problem. Am 5. Februar 2022 feierte er Premiere mit meinem seinem Programm „Nur die Lüge zählt“. Kurz darauf begann der Ukrainekrieg und damit einhergehend eine Energiekrise, eine neue Flüchtlingskrise, eine Inflation und viele weitere Krisen.
„Psychologisch ist das wieder so ein Knick“, vermutet der Familienvater mit Wohnsitz in Gechingen, dass die Menschen in diesen Zeiten wenig Lust haben, die schlimmen Themen aus den Nachrichten auch noch im Kabarett vorgesetzt zu bekommen. „Dabei“, so Schreckenberger, „habe ich schon den Anspruch, dass die Leute sich unterhalten fühlen und hinterher auch ein bisschen erleichtert nach Hause gehen.“
Aber wie geht Kabarett in Kriegszeiten? Lauern da nicht überall thematische Tretminen und moralische Sprengsätze? Thomas Schreckenberger spricht von „Handgranaten“. Vom Gaza-Krieg lässt er deshalb in seinem Programm lieber die Finger. Natürlich sei auch der Ukrainekrieg für sich selbst nichts, worüber man lachen könnte. Dennoch setzt der Kabarettist hier auf Humor als Ventil und als Waffe – etwa, wenn er sich über den zum Panzerexperten mutierten Grünen-Politiker Anton Hofreiter amüsiert, die Putin-Versteher um Sahra Wagenknecht und AfD aufs Korn nimmt oder bissig über das unfassbare Glück des Kremlchefs spottet, „dass alle, die was gegen ihn haben, einfach spontan versterben.“
„Früher gab es ein paar Fakten, auf deren Grundlage man argumentiere konnte, eine gemeinsame Basis. Heute hat jeder seine eigene Wahrheit“, erklärt Schreckenberger, worum es bei seinem Programm im Kern geht. Seit der Premiere hat er es schon viele Male aktualisiert. Bauernproteste, Taurus-Abhöraffäre, Ampelstreit oder Trump auf Wiederwahlkurs – die satirische Munition geht im so schnell nicht aus.
Bei aller Härte und Schärfe gegenüber jedweder politischer Personalie bleibt dabei eine Konstante: seine Haltung gegenüber Demokratiefeinden. Als die Correctiv-Recherche über das Geheimtreffen von Rechtsextremen in Potsdam veröffentlicht wird, nimmt er an einem Auftrittswochenende in Frankfurt an einer Demo teil und postet das auf seiner Facebook-Seite. Dafür bekommt er Gegenwind, zeigt aber auch hier klare Kante: „Bitte troll woanders rum“, erteilt er einem auf Krawall gebürsteten Herrn eine Abfuhr.
Am Samstag, 23. März, um 20 Uhr spielt Thomas Schreckenberger sein Programm „Nur die Lüge zählt“ im Schloss Deufringen. Kartentelefon: 0 70 34 / 125-0 oder 0 70 34/ 6 20 60. Am 17. April tritt er im Herrenberger Mauerwerk (www.mauerwerk.de) auf.
Quereinsteiger
Thomas Schreckenberger, geboren am 17. Dezember 1968 in Heidelberg, arbeitet von 1998 bis 2007 als Realschullehrer in Altensteig. Im Jahr 2007 gewinnt er die „Böblinger Mechthild“ beim Comedy-Festival und arbeitet seitdem hauptberuflich als Kabarettist. Zudem schreibt er Texte für den Kollegen Christoph Sonntag. Er lebt mit seiner Familie in Gechingen.
Kleinkunstgröße
Zu Schreckenbergers rund 30 Auszeichnungen zählt unter anderem der Kleinkunstpreis Baden-Württemberg. „Nur die Lüge zählt“ ist sein siebtes Kabarettprogramm, Nummer acht soll Anfang 2025 Premiere feiern.