Sauna in Leonberg bleibt zu Der Kunde als natürlicher Feind
Die kommunalen Saunen öffnen überall wieder, nur nicht in Leonberg. Die Begründung ist nicht überzeugend.
Die kommunalen Saunen öffnen überall wieder, nur nicht in Leonberg. Die Begründung ist nicht überzeugend.
Zugegeben: Es gibt gewichtigere Themen als die Öffnung einer Sauna. Dennoch verdient der Umstand, dass es im Raum Leonberg unterschiedliche Handhabungen gibt, wie kommunale Gesundheits- und Erholungsangebote praktisch umgesetzt werden, einer näheren Betrachtung. Während zum 1. März die kommunalen Saunen in Ditzingen, Gerlingen und in Ludwigsburg wieder öffnen, bleibt jene in Leonberg weiter dicht – nach jetzigem Stand der Dinge bis zum Herbst.
Der Grund der Schließungen war überall gleich. Angesichts einer drohenden Energiekrise wollten die Kommunen selbige einsparen. Deshalb wurden nicht nur die Saunen dicht gemacht, sondern in den Bädern die Wassertemperatur heruntergeregelt.
So weit, so nachvollziehbar. Wenngleich die größeren Einrichtungen andere Wege beschritten haben. Die Mineraltherme in Böblingen oder die Paracelsus-Therme in Bad Liebenzell haben permanent geöffnet. Die Resonanz ist eindeutig. Hier, wie auch in vielen anderen Saunalandschaften, war und ist Hochbetrieb. Der Bedarf, Gesundheitsfürsorge und Entspannung miteinander zu kombinieren, ist riesengroß.
Nun könnte man sagen, dass Städte eine gewisse Vorbildfunktion haben. So hatte es an den Schließungen auch kaum Kritik gegeben. Wenngleich so mancher nicht so wirklich verstehen konnte, warum ein Saunabetrieb in Böblingen offenbar kein Problem war, in Leonberg oder Ditzingen aber schon.
Mittlerweile hat das Energiethema deutlich an Schrecken verloren. Entsprechend reagieren auch solche Kommunen, die um den Jahreswechsel noch zum „Team Vorsicht“ gehört hatten. Ditzingen und Gerlingen öffnen ihre Saunen am Mittwoch wieder, jene in Ludwigsburg bietet den Gästen zum Neustart sogar eine Themenwoche.
Nur in Leonberg bleiben die Öfen kalt. Warum? Eine Wiedereröffnung, so heißt es aus dem Rathaus, müsste der Gemeinderat beschließen. Und selbst wenn er das schnellstmöglich täte – die nächste Sitzung ist am 7. März –, bliebe die Sauna nur rund sieben Wochen auf. Denn dann macht das Hallenbad zu und damit auch die Sauna: Die Freibadsaison beginnt.
Unabhängig davon, dass die Koppelung von Hallenbad und Sauna nicht eben logisch erscheint, entspricht sie nicht dem Ursprungsgedanken des Gemeinderates. Als im Herbst 2015 nach einer mehr als zweijährigen Debatte eine ansprechende Sauna mit Außenbecken eröffnet wurde, war vorgesehen, das neue Schmuckstück nur während eines zweiwöchigen Großputzes in den Sommerferien geschlossen zu halten. Davon ist heute keine Rede mehr.
Stattdessen setzen die Verantwortlichen augenscheinlich alles dran, dass die eigene Sauna möglichst aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet und die Gäste an den in nicht unbeträchtlicher Zahl vorhandenen Alternativen dauerhaft Gefallen finden. Dass aber die Leonberger Sauna über ein leidensfähiges Stammpublikum verfügt, wurde während Corona klar, als mit einem äußert umständlichen Belegungssystem eine Höchstbesucherzahl von 35 nicht überschritten werden sollte. Die Stammgäste blieben dennoch ihrer Sauna treu.
Ob sie das jetzt auch noch tun, ist fraglich. Das Besondere an der Leonberger Sauna ist die gute Qualität zu moderaten Preisen. Sie ist der Mittelweg zwischen kleineren Anlagen und hochpreisigen Saunalandschaften.
Das kommunale Anliegen, Normalverdienern ein bezahlbares Angebot zu machen, wird durch die dauerhafte Schließung konterkariert. Dass eine komplett ausgestattete Anlage dauerhaft brach liegt, sei nur am Rande erwähnt. Die Bademanager in Ditzingen jedenfalls können sich freuen: Sie bekommen viele neue Gäste aus Leonberg.