Der Umweltschützer fordert ein Aus für den Gewerbepark Benzäcker.Der Mundelsheimer Bürgermeister weist den Vorhalt zurück.

Die Schlammmassen waren am Freitag in Mundelsheim und Oberstenfeld noch nicht beseitigt, da meldete sich der Umweltschützer Claus-Peter Hutter, Präsident der Organisation NatureLife International, zu Wort. „Fluten haben alte Konzepte weggeschwemmt“, betitelte er seinen Pressetext, in dem er „das Ende der Fahnenstange“ bei der Flächenversiegelung im Bottwartal und der Umgebung erreicht sieht.

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Hutter lehnt den geplanten Gewerbepark Benzäcker nördlich von Mundelsheim konsequent ab. „Wenn das Fass voll ist, läuft es einfach über. Das ist schlichte Physik, die nicht mehr länger ignoriert werden darf“, sagt der frühere Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg.

Großprojekt spaltet in Mundelsheim die Gemüter

Das Großprojekt zur Ansiedlung von Hightech-Industrie auf einer Fläche von rund 20 Hektar an der Autobahn 81 gilt als umstritten. Naturschützer und Landwirte kritisieren den Verbrauch von Ackerböden. Die Befürworter erhoffen sich Arbeitsplätze und Wohlstand durch die Gewerbesteuer. Seit Wochen läuft ein Diskussionsprozess. Das letzte Wort haben die Mundelsheimer mit einem Bürgervotum am 29. Mai.

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Claus-Peter Hutter fordert aber nicht nur gemeindeübergreifende Strategien, um Klimafolgen zu begegnen – er will auch die offene Landschaft konsequent freihalten. Der Bau von Hochwasserrückhaltebecken im Oberen Bottwartal sei eine überholte „End-of-the-pipe-Technologie“, anstatt an den Wurzeln des Problems, nämlich dass Landschaft nicht vermehrbar sei, anzusetzen.

Bürgermeister erhofft sich besseren Starkregenschutz

Gegen Hutter hält der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz am Gewerbepark fest: „Die Äcker oberhalb können den Schlamm nicht mehr aufhalten.“ Die meisten Massen seien vom alten Postweg gekommen, wo ein älteres Rückhaltebecken überlastet gewesen sei. Die Schäden durch das jüngste Starkregen-Ereignis sprächen eher für den Gewerbepark: „Dort werden wir ein oder zwei Rückhaltebecken bauen, sodass kein Wasser mehr von dort in den Ort strömt.“ Mundelsheim arbeite an einem Starkregenschutzkonzept.

Die Kritik von Hutter weist auch der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann zurück: „Ohne die Hochwasserrückhaltebecken wäre die Bottwar übergelaufen.“ Die Gemeinde entsiegele zudem beim Neubauareal Bottwarwiesen Flächen und lockere die Wohnbebauung entsprechend auf.

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