Was aus dem ESC geworden ist, schmerzt sie sehr. Lou Hoffner, die 2003 bei diesem Songwettbewerb Elfte wurde, erzählt, was aus ihrer Sicht heute falsch läuft, wie sie die Chancen von Isaak einschätzt und blickt auf ihren Auftritt im Stuttgarter Varieté.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Die 1963 in Waghäusel geborene Lou Hoffner hat momentan sehr viel zu tun. Ihr Manuskript über ein Katzenbuch muss in Kürze fertig sein, sie singt bei Galas und Konzerten und tourt mit dem Schauspieler Gedeon Burkhard durchs Land, um in dem Stück „Liebe, Lust und Hexenschuss“ über die Höhen und Tiefen einer langen Ehe nachzudenken. Das Duo gastiert am 17. April im Friedrichsbau Varieté.

 

Lou Hoffner, Sie stammen aus einer ESC-Zeit, als Deutschland nicht automatisch immer Letzter wurde. Sind die deutschen Beiträge seit Jahren so schlecht – oder was stimmt nicht?

Der ganze ESC-Zirkus hat sich in den letzten Jahren extrem verändert. Natürlich kann und braucht es immer Veränderungen, wenn man aber spürt, dass diese in die falsche Richtung gehen, wie dies leider der Fall ist, sollte man seine Aktivitäten überdenken und sich nicht noch beratungsresistent in die nächste Saison stürzen.

Was genau läuft falsch?

Mich erinnert der ESC mittlerweile an den Einheitsbrei von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Das ist ein Rumgewurschtel, da ist zu wenig Glanz und Glitzer wie früher. Statt dass die Verantwortlichen immer zielsicher auf den schlechten Titel zurückgreifen, sollten sie besser zu den Wurzeln zurückkehren. Das Motto sollte lauten: Back to Roots. Der ESC darf mit den deutschen Beiträgen nicht zum Abklatsch von Castingshows werden.

Oder hat das schlechte Abschneiden etwas damit zu tun, dass man uns Deutsche nicht mag?

In der Tat war und ist der ESC auch ein Politikum und ein Spiegel dessen, wie sich das Land nach außen präsentiert. Da hapert es wohl auch.

In den internationalen Wettbüros rangiert Deutschland für den ESC 2024 wieder ganz weit hinten. Glauben Sie, dass Isaak mit „Always on the Run“ Schlusslicht werden könnte?

Ich lag die letzten Jahre mit meinen Tipps oft so grandios daneben, dass ich es fast aufgegeben habe. Mir persönlich hätte Max Mutzke gut gefallen, er hätte eine Menge Potenzial mitgebracht.

Warum sah es beim ESC für Deutschland früher besser aus? Sie kamen mit „Let’s geht happy“ 2003 immerhin auf Platz elf.

Wie schon gesagt, es war eine andere Zeit, ein anderes Feeling. Viele der sensationellen ESC-Fan-Familie sind dessen überdrüssig . Wir hatten tatsächlich noch ein „Family-Gefühl“.

Sie machen ganz Ihrem ESC-Titel folgend einen glücklichen Eindruck. Wie schafft man es, in Zeiten von Krisen und Kriegen happy zu sein

Ich bin ein sehr positiver Mensch, eingebettet in eine großartige Familie, mit dem besten Ehemann der Welt und einer Handvoll liebevoller, treuer Freunde. Dazu darf ich seit über 30 Jahren meinen Traum leben, auf der Bühne stehen – und dies zum Großteil sorgenfrei. Das alles ist eine wundervolle Basis.

Was muss passieren, dass Sie mal nicht happy sind?

In letzter Zeit passiert das öfter als früher…leider. Ich verstehe nicht, warum die Menschheit absolut nicht aus Fehlern der Geschichte lernen mag, warum Respektlosigkeit, boshafter Neid und Lügen die Oberhand gewinnen und der Umgangston miteinander ständig rauer wird. Das stimmt mich oft nachdenklich.

Wie kam es dazu, dass Ralph Siegel Sie für den ESC ausgewählt hat?

Das habe ich meinem besten Freund Roberto Blanco zu verdanken. Er hat mich Ralph vorgestellt. Danke, lieber Roberto, für diesen wundervollen Support️.

Am 17. April treten Sie mit Gedeon Burkhard im Friedrichsbau Varieté mit „Liebe, Lust und Hexenschuss“ auf. Was erwartet uns da?

Ein Angriff auf die Lachmuskeln. Eine typische „Beziehungskiste“ nach 30-jähriger Ehe, als komödiantische szenische Lesung. Unausgesprochene Lebensthemen, die in amüsanter Art und Weise „aufgearbeitet“ werden. Jeder der Gäste findet sich irgendwo in diesem Stück wieder. Sehr oft hören wir den lachenden Zwischenruf aus dem Publikum: „Genau wie daheim“.

Es geht also um ein alterndes Ehepaar, dass mal verliebt war und nun vor den Scherben einer langen Beziehung steht. Welche Tipps können Sie geben, damit eine alte Liebe nicht vergeht?

Ich denke, das große Ganze besteht in gegenseitigem Respekt, den Partner so zu lieben wie er ist, ohne Anspruch ihn verändern zu wollen…und vor allem dürfen wir den Humor nicht verlieren…ja, so manches Problemchen kann man sich „weglachen“.

Gedeon Burkhard hat damit Schlagzeilen gemacht, dass er mit zwei jüngeren Frauen zusammenlebt. Ist das ein Modell für die Liebe der Zukunft?

Ein Lebens- und Liebesmodell wählt jeder Mensch sich selbst, die Welt wird offener, freier, das ist wundervoll, birgt natürlich auch einige Gefahren, wie Oberflächlichkeit, fehlende Empathie, da wage ich keine Zukunftsprognosen. Gedeon ist jedenfalls, soweit ich das beurteilen kann, sehr glücklich, ein liebevoller, respektvoller und sehr empathischer Mensch, mit großem Humor. Welch großes Glück, dass ich mit ihm auf der Bühne stehen darf.

Karten

Friedrichsbau Varieté
Am 17. April, 20 Uhr, tritt Lou Hoffner mit ihrem Bühnenpartner Gedeon Burkhardt mit der Komödie „Liebe, Lust und Hexenschuss“ als szenische Lesung im Stuttgarter Friedrichsbau Varieté auf. Karten gibt es unter diesem Link oder telefonisch unter 0711/ 225 70 70.