Die Fakten sind klar: Den 36 Proficlubs der Bundesliga und zweiten Liga entgeht nach dem Scheitern des Investorendeals eine Milliarde Euro an Einnahmen. Für das Geld hätte ein Investor acht Prozent der Anteile einer Tochtergesellschaft der Deutschen Fußball-Liga (DFL), in die die Medienrechte ausgelagert worden wären, für 20 Jahre erhalten. Mit den geplanten Einnahmen wollte die DFL die Digitalisierung und Internationalisierung vorantreiben. Nun sind die Investorenpläne vom Tisch – weshalb sich mit Blick auf die Zukunft viele Fragen stellen.
Wie geht es jetzt weiter?
Die DFL wird die Clubs zu Gesprächen einladen, um das Vorgehen zu erörtern. Klar ist schon jetzt: Einen weiteren Versuch mit einem potenziellen Investor wird es nicht geben. „Dieses Thema mit einem Partner, der sich an einer Tochtergesellschaft beteiligt oder so, das werden wir nicht weiter verfolgen“, sagt Hans-Joachim Watzke, der Aufsichtsratschef der DFL, und ergänzt: „Wir müssen jetzt einfach mal ganz neu anfangen.“
Wie ist die Haltung der aktiven Fanszene?
Die Position der Fans scheint nach dem Sieg in dieser Machtprobe mit der DFL gestärkt. Das könnte die organisierten Anhänger bestärken, auch für andere Ziele mit ähnlichen Protestaktionen wie zuletzt in die Konfrontation mit Clubs und Ligachefs zu gehen. „Die DFL kann gerne weiter sich Gedanken machen über Investoren oder sonstige Weiterentwicklungspotenziale, entscheidend ist, dass sie lernt, dies alles mit den Mitgliedern der Vereine zu diskutieren“, sagt Thomas Kessen, Sprecher des Fan-Dachverbandes „Unsere Kurve“.
Gibt es weitere Auswirkungen des geplatzten Investorendeals?
Ja. Eine wahrscheinliche Konsequenz dürfte sein, dass die DFL sich noch stärker für die Einführung einer Gehaltsobergrenze auf internationaler Ebene einsetzen wird, um die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga zu erhalten. Die DFL-Chefs Marc Lenz und Steffen Merkel machen sich für die Einführung dieser Obergrenze stark. Dies müsse „ein Kernthema im europäischen Fußball werden“, sagt Lenz.
Zudem wird es darum gehen, ob die Clubs selbst Investoren an Land ziehen können – wie es beispielsweise Werder Bremen zuletzt getan hat. Dabei spielt die berühmte 50+1-Regel eine große Rolle. Noch immer prüft das Bundeskartellamt die Regelung. Dazu braucht es eine endgültige Rechtssicherheit bei der Investorenklausel, die den Muttervereinen die Mehrheit an den Profiabteilungen sichert.
Droht im Hinblick auf die Zentralvermarktung eine Abspaltung der Bundesliga von der zweiten Liga?
International spielende Branchenführer wie der FC Bayern und Borussia Dortmund fürchteten zuletzt offen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die größeren Clubs würden sich „sicherlich auch darüber Gedanken machen, wie es für sie weitergeht“, sagte DFL-Aufsichtsratschef Watzke noch im Mai vergangenen Jahres und fügte hinzu, mit „Solidaritätsthemen“ solle ihm „bitte die nächste Zeit niemand“ kommen. Die Trennung der Ligen sei aber nur die Ultima Ratio, also das allerletzte Mittel. Noch viel heftigere Fanproteste als zuletzt wären wohl die Folge eines solchen Schritts.
Bislang werden die Einnahmen des Profifußballs bei den Medienrechten über die Zentralvermarktung der DFL generiert und an die 36 Clubs ausgeschüttet. Geschäftsführer Michael Ströll vom FC Augsburg erklärt nach dem Ende der Verhandlungen mit möglichen Investoren nun, der Zusammenschluss der beiden Ligen sei ein wichtiges Gut: „Wichtig ist, dass diese Entscheidung jetzt nicht von den Befürwortern dafür genutzt wird, die Spaltung der Ligen zu forcieren – das wäre in der jetzigen Situation völlig deplatziert.“