Schicksalsschlag in Freiberg am Neckar Erst 44 Jahre alt und schon zwei Schlaganfälle

Der kleine Luis und seine Mutter Stefanie sind froh, wenn sich Dominic Schlosshauer schnell von seinem Schlaganfall erholt. Foto: Harry Wolpert

Dominic Schlosshauer kämpft sich nach zwei Schlaganfällen zurück ins Leben. Der Familienvater aus Freiberg hat einen großen Wunsch: Er möchte wieder als Veranstaltungstechniker arbeiten.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Wenn Gehirnfunktionen ausfallen, kann es zwar Tage oder Wochen zuvor Warnzeichen geben, doch oft kommt der Schlaganfall ohne Vorwarnung. Aus heiterem Himmel. Dominic Schlosshauer aus Freiberg hat es vor vier Jahren getroffen. Mit einer leichten Gesichtslähmung wurde der 44-Jährige ins Klinikum gefahren. Die Diagnose war niederschmetternd: Schlaganfall.

 

Die Lähmung verschwand wieder. Alles schien gut. Doch es sollte noch schlimmer kommen. An einem Vormittag im Februar dieses Jahres hatte Dominic Schlosshauer plötzlich wieder Lähmungserscheinungen. Dieses Mal aber nicht nur im Gesicht – eine gesamte Körperhälfte war betroffen.

Risiko eines Rezidivs ist groß

Als der Freiberger aufstehen wollte, fiel er wieder hin. Mit dem gelähmten Arm konnte er sich weder abstützen noch etwas greifen. Der Rettungsdienst brachte Schlosshauer erneut in die Notaufnahme des Ludwigsburger Klinikums. Die Diagnose erneut bitter: Der 44-Jährige hatte Schlaganfall Nummer zwei. Ein Schicksal, das viele Patienten mit ihm teilen. Das Risiko eines Rezidivs liegt in den ersten 30 Tagen nach einem Schlaganfall bei 1,2 Prozent. Nach einem Jahr sind es 7,4 Prozent, nach fünf Jahren schon 19,4 Prozent.

Der Familienvater wurde in die Stroke Unit, der Schlaganfalleinheit des Ludwigsburger Klinikums, verlegt. Deutschlandweit erleiden 2,5 Prozent der über 18-Jährigen einen Schlaganfall. Jeden 40. trifft es. Die Zahlen datieren aus dem Sommer 2022.

Schosshauers Blutgerinnsel wurde mit Medikamenten behandelt, aber die Lähmungen blieben. Das Team um den Chefarzt der Neurologie, Christian Förch, war gefordert. Neben Ärzten sind in der Stroke Unit auch Pflegefachkräfte und Therapeuten mit besonderer Expertise in der therapeutisch aktivierenden Pflege oder speziellen Therapiemethoden tätig. Ziel ist es, das Selbstpflegedefizit sowie die physiologischen Bewegungsabläufe der Patienten zu verbessern.

Dieses frühe Aktivieren von Dominic Schlosshauer ermöglichte ihm ein „Wieder Aufstehen“ und damit den ersten Schritt zurück ins Leben. Denn er war die Voraussetzung für eine Rückkehr nach Hause zu Frau Stefanie und dem zweijährigen Luis.

Einfache Bewegungen wieder lernen

Anfangs musste Dominic Schlosshauer wie alle Schlaganfall-Patienten erst einmal wieder einfache Bewegungen lernen. Dabei geht es um ganz selbstverständliche Dinge – für Gesunde. Die Patienten lernen, wie sie sich im Bett drehen oder an der Bettkante aufsetzen können, um das Gleichgewicht zu halten und von dort aus mit Hilfe in den Stuhl zu kommen, berichtet der Pflegeexperte Harry Wolpert.

Durch die Kombination aus Pflege, Physiotherapie, Stehhilfen und Orthesen schaffte es Dominic Schlosshauer aus dem Bett heraus, und schließlich gelang es ihm sogar, sich am Handlauf gehend alleine fortzubewegen – Schritt für Schritt zurück in ein Stück Normalität. Untersuchungen zeigen: Ursache für das Blutgerinnsel, das sich löste und ins Gehirn wanderte, war ein gutartiger Tumor an der Herzklappe. Eine große Herz-OP blieb dem 44-Jährigen erst einmal erspart, aber regelmäßige Kontrolluntersuchungen werden bleiben.

Ein Wunsch begleitet Dominic Schlosshauers Blick in die Zukunft vor allem: Er möchte wieder in seinem Beruf als Veranstaltungstechniker arbeiten. Alles soll einfach wieder so wie früher sein. Dass das ein langer Weg wird, weiß auch Harry Wolpert, der den Freiberger begleitet und strukturell noch Handlungsbedarf sieht. „Die Nachsorge von Schlaganfallpatienten muss deutlich verbessert werden“, moniert Wolpert. Dazu gehöre auch eine sozialpsychologische Begleitung der Familien.

Damit spricht der Pflegeexperte Stefanie Schlosshauer aus der Seele. Auch sie wünscht sich mehr Beratung und Informationen. Die junge Mama arbeitet und ist auch für ihren kleinen Sohn und Mann da. Das gelingt nur, weil ihre Eltern sie unterstützen. Während der mehrwöchigen Reha in der Nähe des Bodensees kümmerten sich Oma und Opa um den kleinen Luis. Stefanie Schlosshauer konnte so länger bei ihrem Mann sein. Der wartet aktuell darauf, mit der weiteren Physiotherapie in einer ambulanten neurologischen Reha zu beginnen. Doch es gibt, wie so oft, noch bürokratische Hürden zu überwinden.

Pflegelotsen würden helfen

Die Stroke Unit Station in Ludwigsburg richtet für derart schwer betroffene Schlaganfallpatienten wie Dominic Schlosshauer, die neben der durchgängigen, spezialisierten Pflege intensive Nachsorge brauchen, gerade eine spezielle Einheit mit eigenverantwortlicher pflegerischer und therapeutischer Begleitung ein. Ziel ist eine qualifizierte Nachsorge und Beratung sowie der Einsatz von Pflegelotsen. Um Schlaganfallpatienten den Weg aus der Klinik zurück nach Hause und in den Beruf zu erleichtern.

Alarmzeichen eines Schlaganfalls

Symptome
Die Symptome eines Schlaganfalles sind Sehstörungen, Sprach- und Sprachverständnisstörungen, Lähmung und Taubheitsgefühle, Schwindel und Gangunsicherheit sowie starke Kopfschmerzen.

Risiko
Der bundesweite Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Besonders im Fokus steht in diesem Jahr das Cholesterin, oder besser gesagt: die Blutfette.

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