Schießlärm der US-Army „Bürger dürfen nicht enttäuscht werden“

Eine Lösung für den Schießlärm der US-Army rückt näher. Wolfgang Lützner und Tobias Heizmann, die Rathauschefs der Nachbarkommunen, verhandeln in der nächsten Woche im Verteidigungsministerium auf höchster Ebene.

Die Schießanlage der US-Army: drei der Bahnen sind geschlossen, zwei offen. Foto: Friedrich Stampe
Die Schießanlage der US-Army: drei der Bahnen sind geschlossen, zwei offen. Foto: Friedrich Stampe
Böblingen - Wolfgang Lützner, der Böblinger Oberbürgermeister, fliegt am kommenden Dienstag nach Berlin. Im Bundesverteidigungsministerium führt er erneut Gespräche mit der Ministerialdirektorin Alice Greyer-Wieninger und Glendon Pitts, dem Verbindungsoffizier der amerikanischen Botschaft. Auch sein Schönaicher Kollege Tobias Heizmann ist dieses Mal mit dabei. Das Thema ist der Schießlärm, unter dem die Bewohner des Böblinger Wohngebiets Rauher Kapf und die Schönaicher seit mehr als 20 Jahren leiden. Die Schießanlage der US-Army ist nur wenige Hundert Meter von Wohngebieten entfernt, und die Lärmwerte übersteigen alle zulässigen Grenzwerte. Bereits vor vier Jahren waren sich Vertreter der US-Army und der deutschen Behörden einig gewesen, dass die offenen Schießbahnen vier und fünf gedämmt werden sollen. Seither ist man keinen Schritt weitergekommen, es geht ums Geld. Ulrich Durst, der Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Schießlärm, hofft nun auf einen Durchbruch in Berlin.
Herr Durst, welche Erwartungen haben Sie an das Gespräch in Berlin?
Wir sehen dem positiv gespannt entgegen. Es ist eine gute Meldung, dass es nur mehr als vier Wochen nach dem ersten Gespräch in Berlin bereits die zweite Verhandlungsrunde gibt, bis zu der alle Beteiligten ihre finanzielle Beteiligung klären wollten. Endlich ist das Thema auf der richtigen Ebene bei den Entscheidungsträgern angekommen. Wir haben die Überzeugung, dass diese Verhandlungen nun kurzfristig zu einem Ergebnis führen und die unumgängliche Lärmschutzdämmung auf den Bahnen vier und fünf kommt.
Auf amerikanischer Seite heißt es immer wieder, zuletzt vom gerade verabschiedeten Colonel Stack, der Schießstand sei zuerst da gewesen – lange vor dem Wohngebiet Rauher Kapf. Deshalb genieße die Anlage Bestandschutz.
Die Schießbahnen eins bis drei wurden 1937 mit der Panzerkaserne gebaut. Von 1945 bis 1994 wurde die Schießanlage aber kaum beschossen. Die Panzerkaserne war Standort für Panzerdivisionen. Erst mit dem Einzug der US-Sondereinheiten 1994 wurden die offenen Schießbahnen vier und fünf errichtet, wo mit jedem Jahr zunehmend mit modernen Waffen wie Schnellfeuer-Automatik-Gewehren geschossen wurde. Das ist eine erhebliche Nutzungserweiterung. Der Schießlärm erreicht an vielen Tagen ein unerträgliches Maß. Darunter leiden insbesondere die Kinder, wie die Erzieherinnen des Kindergartens auf dem Rauhen Kapf berichten. Außerdem gibt es das Böblinger Wohngebiet Tannenberg und die Gemeinden Holzgerlingen und Schönaich schon viel länger als die Schieß­anlage. Auch dort leidet man  erheblich unter dem Schießlärm.
Nun gilt für die US-Army das Nato-Truppen-Statut. Das sichere ihnen die uneingeschränkte Nutzung des Areals zu, argumentieren die Amerikaner.
Auch die US-Army muss sich an deutsches Recht für Schießanlagen und die Lärmgrenzwerte halten. Das hat auch die Delegation von Markus Grübel, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, bei ihrem Besuch vor einigen Wochen am Schießstand betont. Das Verhalten der Soldaten ist rücksichtslos. Der mehr als 20-jährige Kampf der belästigten Anwohner darf nicht in Hass gegen die US-Army umschlagen. Deshalb brauchen wir eine schnelle Lösung.
Nun, die Lösung gibt es bereits seit vier Jahren. Mit einer Kassettendecke sollen die Schießbahnen gedämmt werden. Das Konzept steht. Das Problem ist das Geld.
Das ist für uns Anwohner der Panzerkaserne nicht nachzuvollziehen. Die US-Armee investiert momentan 62 Millionen Euro in den Bau einer Highschool neben der Panzerkaserne. Knapp 30 Millionen Euro hatte sie zuvor in einen Hotelbau gesteckt. Die Dämmung der Schießanlage kostet nach der Schätzung von 2011 etwa drei Millionen Euro. Beteiligen sollte sich aus unserer Sicht aber auch die Bundesregierung. Durch den Abzug der US-Army in Heidelberg und Mannheim sind riesige Areale frei geworden, die dem Bund gehören und dieser nun verkauft. Das bringt Einnahmen in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe. Da müsste doch etwas für unseren Schallschutz übrig sein.
Glauben Sie an einen Erfolg des Gesprächs in Berlin?
So dicht waren wir noch nie an einer Lösung. Wir danken dem OB Lützner, der Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger und dem Bundestagsabgeordneten Clemens Binninger, die diese Gespräche in Gang gebracht haben. Sie müssen nun zum Durchbruch führen. Die betroffenen Bürger dürfen nach 20 Jahren jetzt nicht enttäuscht werden.