Beim Gang durch den Rohbau hat man manchmal Mühe, den Überblick zu behalten, allein schon wegen der drei Treppenhäuser. Ganz zu schweigen von der schieren Größe. 15 400 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, verteilt auf 10 Stockwerke, davon sechs oberirdisch. Das sind immer noch knapp 8000 Quadratmeter. „Das ist für uns ein sehr großes Gebäude und die größte Investition der Unternehmensgeschichte“, sagte Heinz-Werner Schulte, der Vorstandsvorsitzend der KSK Ludwigsburg. Dabei habe man in den letzten Jahren nicht wenig gebaut – in Marbach, Vaihingen an der Enz und Kornwestheim beispielsweise.
Einige Herausforderungen während des Baus
Vom Abriss der alten Gebäude auf dem Regele-Areal bis zum Einzug des ersten Mieters im Erdgeschoss seien es „fünf nicht ganz einfache Jahre“ gewesen, so Schulte weiter. Auch während Corona musste weiter gebaut werden, der Krieg in der Ukraine führte zu Lieferengpässen bei Materialien „gerade dann, als man sie brauchte“ – und die wiederum dazu, dass aus den ursprünglich einmal geplanten 65 Millionen Kosten 79 Millionen wurden. Angesichts einer Bilanzsumme von 12 Milliarden Euro kann man sich diese Investition leisten, zumal es sich aus Sicht der Banker lohnt, auch in Immobilien zu investieren. Die Flächen, die die KSK nicht selbst nutzt, werden samt und sonders vermietet.
Nicht ganz einfach war die Großbaustelle auch für diejenigen Ludwigsburger, die in der Umgebung wohnen oder regelmäßig den Bereich Schillerstraße durchqueren. Immer wieder änderte sich die Verkehrsführung, Tausende Lkw mussten die Baustelle anfahren – die Mengen an Aushub für die 16,5 Meter tiefe Baugrube waren immens –, und alles musste zur Schillerstraße hin gesichert werden. Allein mit der Planung des Baus seien an die 200 Menschen beschäftigt gewesen, so der Architekt Wolfgang Lutz.
Sonderwünsche kosten extra
Bei Sonderwünschen der schon feststehenden Mieter wurden diese auch finanziell beteiligt, hieß es bei einem Rundgang. So ist etwa die Augenarztpraxis Kortüm, die sich über zwei Stockwerke erstrecken und wohl im Sommer einziehen wird, sogar mit einem eigenen OP ausgestattet, was wiederum Reinraumtechnik erfordert. Auch Alnatura habe Sonderwünsche gehabt, für die es ein eigenes Team eingesetzt habe, erklärte Lutz.
Die elf Wohnungen hingegen – von zwei Zimmern mit etwa 70 bis zu vier Zimmern mit 105 Quadratmetern – haben „einen ordentlichen mittleren Standard“, so der Architekt. Die großen Wohnungen liegen in Richtung Schillerstraße und haben eine Dachterrasse, von den Balkonen der kleineren Wohnungen aus blickt man auf den Innenhof, der noch begrünt werden soll. Auch die Dächer sollen begrünt werden und vor allem auch Starkregen aufnehmen und später zur Kühlung verdunsten können. Für Strom vom Dach sorgt die Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 65 kWp, beheizt wird das Gebäude per Fernwärme, die im Holzheizkraftwerk der Stadtwerke Ludwigsburg Kornwestheim erzeugt wird.
Tiefgarage als Ersatz für Parkplätze auf dem Arsenalplatz
Letztere sind auch zuständig für die Tiefgarage mit 145 öffentlichen Stellplätzen, welche die auf dem bald schon grünen Arsenalplatz ersetzen sollen. Die ursprünglich geplanten 147 Stellplätze hat man nicht ganz geschafft. Und auch die Zufahrt in die Tiefgarage hat schon bei dem einen oder anderen Nutzer für Verwirrung gesorgt. Nicht nur, weil die Beschilderung noch nicht komplett ist, sondern weil es, anders als sonst üblich, erst einmal drei Stockwerke in die Tiefe geht, bevor man dann immer weiter nach oben fährt. Ob die 350 Fahrradstellplätze, die in der Tiefgarage noch entstehen, tatsächlich genutzt werden, bleibt abzuwarten. Möglicherweise sind die Fahrradbügel, die noch an der Schillerstraße angebracht werden sollen, weit mehr gefragt.
Baubürgermeisterin Andrea Schwarz freute sich besonders über die gute Zusammenarbeit bei der Tiefgarage und darüber, dass der Bau dank der Mischung aus Handel, Dienstleistung und Wohnen zu einer belebten Innenstadt beitrage, Landrat Dietmar Allgaier, zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der KSK, lobte das „Musterbeispiel städtebaulicher Entwicklung“.
Für die Kreissparkasse ist die Bauerei übrigens noch nicht zu Ende. Als nächstes soll die Fassade des alten, aus dem Jahr 1951 stammenden Gebäudes angegangen und dieses energetisch saniert werden. Dann müssen sich zumindest die Fußgänger wieder auf Umwege einstellen.