Jahr für Jahr erleiden rund 220 000 Deutsche einen Schlaganfall. Neue Studien zeigen, dass dem Anfall oft ein Vorhofflimmern voraus geht. Ein neuer Ansatz in der Rehabilitation zeigt im Tierversuch gute Rehabilitationsmöglichkeiten. Die Forscher hoffen, diese Beobachtungen bald auf den Menschen übertragen zu können.
Stuttgart - Jedes Jahr erleiden rund 220 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Ungefähr 15 Prozent der Betroffenen können künftig von den Ergebnissen einer aktuellen Studie im New England Journal of Medicine profitieren. Eine zweite Studie in Science belegt sogar, dass das Timing der verschiedenen Therapiemaßnahmen wichtig ist für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall.
Von einem Moment auf den anderen ändert ein Schlaganfall das Leben maßgeblich. Sauerstoffmangel lässt viele Nervenzellen im betroffenen Gehirnbereich absterben. Körperliche oder geistige Beeinträchtigungen oder im schlimmsten Fall der Tod sind häufige Folgen. Bei bis zu 30 Prozent der Patienten ist keine Ursache feststellbar. Häufig tritt dann auch ein zweiter Schlaganfall auf. Etwa 20 Prozent der Schlaganfälle sind laut dem Neurologen Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, durch eine Embolie bedingt.
Vorhofflimmern macht fünffach höheres Risiko
„Etwa zwei Drittel dieser Patienten haben vorübergehendes Vorhofflimmern. Bei dieser Herzrhythmusstörung bleibt das Blut im Vorhof des Herzens stehen, es gerinnt und irgendwann wird der kleine Blutpfropfen über die Blutbahn ins Gehirn ausgeschwemmt“, beschreibt Diener das Geschehen. „Verstopft er dort ein Blutgefäß, dann kommt es zum Schlaganfall.“
Fakt ist, dass Patienten mit Vorhofflimmern ein fünffach erhöhtes Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden. Nur ging man bisher von einer viel kleineren Zahl von Betroffenen aus. Eine große US-europäische Studie, die sogenannte Crystal- AF-Studie (Cryptogenic Stroke and Underlying Atrial Fibrillation) unter Dieners Leitung hat ergeben, dass Vorhofflimmern in seiner vorübergehenden Form eine viel größere Rolle spielt, als das Experten bisher annahmen.