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Demnach überschreiten 17,2 Prozent der Landesstraßen im Kreis den „Warnwert“ (Note 3,5 bis 4,5) und werden daher intensiv beobachtet. 25,6 Prozent überschreiten gar den „Schwellenwert“ (Note 4,5 bis 5,0) und müssen erneuert oder das Befahren eingeschränkt werden. Diese Daten stammen aus der letzten Zustandserfassung im Jahr 2020 – seither hat das Land nach Mitteilung des Verkehrsministers für Erhaltungsmaßnahmen an Landesstraßen im Kreis Esslingen 11,3 Millionen Euro eingesetzt.
Nur drei Projekte im Sanierungsprogramm des Landes
Angesichts der Tatsache, dass jede vierte Landesstraße im Kreis in einem erbärmlichen Zustand ist, sei das nicht ausreichend, meint Birnstock und kritisiert das Sanierungsprogramm des Landes. Das sieht in diesem Jahr mehr als 250 neue Erhaltungsmaßnahmen an Bundes- und Landstraßen vor, das Investitionsvolumen beträgt rund 420 Millionen Euro. Wobei es „grundsätzlich nicht nur um die Fahrbahnen“ gehe, wie Hermann betont. „Weitere wichtige Aufgabenbereiche der Erhaltung stellen die Radwege, Ingenieurbauwerke – Brücken, Tunnel, Lärmschutz- und Stützwände – sowie Fels- und Böschungssicherungen dar.“
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Der Kreis Esslingen profitiert davon aber nur wenig. In dem im März des Jahres vorgelegten Maßnahmenkatalog sind hier lediglich drei Vorhaben geplant: Die Erneuerung der Fahrbahndecken auf dem rund 1,9 Kilometer langen Streckenabschnitt der L 1199 in Esslingen von der Ortsdurchfahrt Wäldenbronn bis zur Kreisgrenze (625 000 Euro) sowie auf dem 500 Meter langen Abschnitt der L 1201 in Aichwald von Schanbach bis zur Kreisgrenze (120 000 Euro). Zudem soll für rund eine Million Euro die Fahrbahndecke der Ortsdurchfahrt Hepsisau erneuert und die Brücke instandgesetzt werden. Bereits in der Umsetzung befindet sich nach Mitteilung des Verkehrsministeriums die Instandsetzung von drei Bogenbrücken bei Leinfelden-Echterdingen mit einem Investitionsvolumen von 971 000 Euro. „Dass es sich dabei nur um die Spitze des Sanierungsbedarfs handelt, ist vor dem Hintergrund, dass fast jede zweite Straße im Landkreis Esslingen in schlechtem Zustand ist, für jeden offensichtlich“, bemängelt Birnstock. Nach Einschätzung seiner Fraktion brauche es „eine Prioritätenliste und einen durchdachten und finanzierten Sanierungsfahrplan, um die Straßen und Brückenbauwerke im Landkreis Esslingen wieder in einen guten Zustand zu bringen“. Der Verkehrsminister hingegen verweist darauf, dass das Sanierungsprogramm jährlich erstellt werde. Deshalb seien keine Angaben über 2023 hinaus möglich.
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Der Zustand der Landesstraßen wird turnusgemäß alle vier Jahre nach einem standardisierten Verfahren erfasst. Das Straßennetz wird in relativ kleinteiligen Abschnitten mit modernen Messsystemen nach Spurrinnen, mangelnder Griffigkeit sowie nach Oberflächenschäden untersucht. Im Kreis Esslingen wurden so insgesamt 323 Kilometer, das ist die Summe beider Fahrtrichtungen, ausgewertet. Der Zustand wird in Noten von eins bis fünf beurteilt. Laut Verkehrsministerium befinden sich 7,8 Prozent der Straßen in einem neuwertigen Zustand, 29 Prozent in sehr gutem bis gutem Zustand, 20,4 Prozent in gutem bis mittlerem Zustand. Bei den Kreisstraßen, für die das Esslinger Landratsamt zuständig ist, ist das Bild ähnlich, insgesamt aber fällt die Bewertung besser aus als für die Landes- und Bundesstraßen. Der letzten Erhebung im Jahr 2018 zufolge waren von den damals 193 Kilometern im Kreis Esslingen rund 30 Prozent, das sind 57 Kilometer, in einem schlechten bis sehr schlechtem Zustand. Davon wurde bei 28 Kilometern (Schwellenwert überschritten) ein zeitnaher Instandsetzungsbedarf festgestellt.
Kreis investiert jährlich 2,9 Millionen Euro
Für dieses Jahr steht turnusgemäß eine neue Zustandserfassung auf den Kreisstraßen an. Im Haushaltsplan 2022 des Kreises sind in diesem Jahr Investitionen in die Kreisstraßen in Höhe von 2,9 Millionen Euro vorgesehen, der gleiche Betrag soll auch in den Folgejahren bis 2025 fließen – alles in allem also 11,6 Millionen Euro. Auf der To-do-Liste stehen zahlreiche Sanierungsvorhaben: Für dieses Jahr zum Beispiel die Ortsdurchfahrt Neckartailfingen (K 1257) und der Knoten K 1192 Esslingen-Berkheim, im nächsten Jahr die K 1215 Esslingen-Deizisau sowie die K 1250 Dettingen-Kirchheim-Nabern, für 2024 die K 1223 Filderstadt-Hardthausen-Aichtal-Grötzingen und die Ortsdurchfahrt Schlaitdorf (K 1256) sowie für 2025 die Ortsdurchfahrt Großbettlingen (K 1232).
Das Straßennetz im Kreis Esslingen
Infrastruktur
Das Straßennetz im Kreis umfasst nach Angaben des Esslinger Landratsamts 52,8 Kilometer Bundesautobahn und weitere 156,5 Kilometer Bundesstraßen. Zudem 250,3 Kilometer Landesstraßen sowie 223,4 Kilometer Kreisstraßen und 43,9 Kilometer Gemeindeverbindungsstraßen.
Mittel
Der Staatshaushaltsplan sieht für das Jahr 2022 Erhaltungsmittel für das Landesstraßennetz in Baden-Württemberg in Höhe von 161 Millionen Euro vor – deutlich mehr als im Vorjahr (85 Millionen Euro in 2021). Im Haushaltsplan des Kreises Esslingen sind für die Jahre 2022 bis 2025 jährlich 2,9 Millionen Euro für die Unterhaltung der Kreisstraßen eingeplant.