Schlangen im Schwarzwald Gibt es Giftschlangen im Schwarzwald und auf der Alb?

Die Schlingnatter, hier von Bernd Franz im Rottweiler Eschachtal beim Eckhof fotografiert, wird oft mit der Kreuzotter verwechselt. Foto: Franz

Derzeit häufen sich die Begegnungen mit Schlangen beim Wandern - oder auch im heimischen Garten. Und es zeigt sich, dass viele ratlos sind: Was ist das da eigentlich für eine Schlange? Und gibt es bei uns auch giftige Arten? Wir haben bei einem Experten nachgehakt.

Rottweil - Ringelnatter, Blindschleiche – oder womöglich doch eine giftige Kreuzotter? Eine solche hatte jüngst durch den Biss eines Kindes im Zollernalbkreis für Aufsehen gesorgt. Schlangen und Echsen sind im Schwarzwald und auf der Alb nichts Neues, doch über den Sommer scheinen sich außergewöhnlich viele auch bei uns zu zeigen. Bernd Franz vom NABU in Rottweil erweist sich im Gespräch als Experte mit einem echten Faible für Reptilien.

 

Blindschleiche ist Echse

Und deshalb kriegt er auch öfter mal einen "Schlangen-Notruf" per Telefon. Wobei nicht jedes schlängelnde Tier gleich eine Schlange ist. "Sehr häufig sind es Blindschleichen, und die gehören zu den Echsenarten", klärt Franz auf. Bei dieser Echse haben sich Arme und Beine zurückentwickelt. Und sie kann wie Eidechsen eben auch bei Gefahr den Schwanz abwerfen, der dann noch eine Weile vor sich hinzappelt – als Ablenkung für Feinde quasi. Sie wird normalerweise bis zu 30 Zentimeter groß. "Ich habe aber auch schon welche mit einem halben Meter Länge bei uns gesehen", sagt Franz.

Er muss es wissen, denn wenn Bernd Franz in der Natur unterwegs ist, dann mit Kamera im Anschlag und jeder Menge Geduld. "Da kann ich für drei Kilometer Strecke schonmal ein paar Stunden brauchen", lacht er. Denn zu entdecken gibt es einiges – und er hat schon unzählige Schlangen und Reptilien abgelichtet.

Häufig Verwechslungen

Häufig ist in der Region die Ringelnatter zu finden, vor allem in der Nähe von Wasser. "Die erkennt man am gelbem Halbmond am Kopf", erklärt Franz. Sie kann deutlich länger als einen Meter werden – also eine Größe, die im Garten für Aufsehen sorgen kann. Die ebenfalls heimische Schlingnatter ist deutlich kleiner – und wie die anderen Arten ebenfalls ungefährlich.

Sie wird laut Franz allerdings oft mit der giftigen Kreuzotter verwechselt. "Ich kenne Rottweiler die behaupten, schon ein Kreuzotter gesehen zu haben. Ich habe allerdings noch nie eine gefunden", sagt Franz. Und wenn er zu einem vermeintlichen Kreuzotter-Fund gerufen wurde, habe sich das Exemplar letztlich meist als Schlingnatter entpuppt. Zu unterscheiden seien die Tiere unter anderem an der Augenform. Die Schlingnatter hat runde Pupillen, die giftige Kreuzotter längliche. Die Kreuzotter, so weiß Franz, bevorzuge ein raueres Klima – könne also durchaus am Schwarzwaldrand im Westen des Landkreises vereinzelt vorkommen. Auch auf der Alb fühlt sie sich wohl.

Kreuzotter beißt Kind

In Albstadt-Onstmettingen war Anfang Juni ein dreijähriges Kind bei einem Spaziergang von einer Kreuzotter gebissen worden und musste auf der Intensivstation behandelt werden. Der Kleine hatte das dunkelbraune, rund einen halben Meter lange Tier nach Angaben der Familie für einen Stock gehalten und beherzt zugegriffen, um diesen aufzuheben. Er weinte vor Schmerz, seine Hand schwoll sofort an. Und nach einiger Zeit verlor er kurzzeitig das Bewusstsein.

Die Ersthelfer forderten daraufhin den Rettungshubschrauber an, der den Dreijährigen – gemeinsam mit seinem Vater – in die Klinik nach Villingen-Schwenningen flog. In Rücksprache mit der Vergiftungs-Informations-Zentrale am Universitätsklinikum Freiburg wurde das Kind dort auf der Intensivstation behandelt. Und die Klinik verfügte glücklicherweise über das passende Gegengift, das dem Kleinen nach einem Allergietest in geringen Dosen gespritzt wurde. Drei Tage nach dem Biss durfte er wieder nach Hause.

In der Regel schreckhaft

"So ein Biss eines Kindes ist ungewöhnlich", sagt Franz, denn die Schlangen seien in der Regel sehr schreckhaft. Doch auch für Erwachsene kann ein Biss der Kreuzotter – je nach Menge des Gifts – gefährlich werden, insbesondere in Verbindung mit einer allergischen Reaktion. Der stellvertretende Leiter der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg riet im Zusammenhang mit dem Albstädter Fall im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten: "Bei einem Kreuzotterbiss den Körper ruhig stellen; die Stelle nicht abschnüren oder aufschneiden und ein Krankenhaus aufsuchen." Auch er betonte, dass es sehr unwahrscheinlich sei, von einer giftigen Kreuzotter gebissen zu werden. "Sie liegen zwar gerne auf aufgeheiztem Asphalt um sich zu wärmen, flüchten aber in der Regel bei Erschütterung."

Tier in Ruhe lassen

Kein Wunder also, dass Bernd Franz bei seinen Touren in der Region lange recht reglos verharren muss, bis es ihm gelingt, ein Exemplar zu fotografieren. Er rät allen, die im Garten eine Schlange oder Blindschleiche finden, nichts zu unternehmen und das Tier in Ruhe zu lassen. "Sie machen ja nichts", sagt er. Im Ernstfall könnten Rittelnattern einen jedoch anspritzen oder ankoten. "Das sinkt ordentlich." Auch zwicken können heimische Schlangen durchaus. Dass es derzeit gefühlt zu mehr Sichtungen kommt, kann er sich nur mit dem recht nassen und kalten Sommer erklären. "Da nutzen die Tiere vielleicht jeden Sonnenstrahl, um sich aufzuheizen."

Überraschungen in Sachen Schlangen kann es auch für Franz geben: Das zeigte ein Fall, bei dem er zur Sichtung einer Kornnatter in Rottweil gerufen wurde. Die Finder hatten auch die Polizei alarmiert. Das ungiftige, aber stattliche Tier mit der auffälligen Färbung war dem Halter ausgebüchst und wurde letztlich abgeholt. Manche holen sich Schlangen eben sogar ins Haus.

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