Schlechtes Geschäft für Thailand Der Reis hat seinen Preis

Von  

Mehr als eine Million Tonnen Reis wollte China von Thailand kaufen. Doch China lässt das versprochene Geschäft platzen und bringt damit die thailändische Regierung in Bedrängnis.

Thailands Ministerpräsidentin Shinawatra passt der geplatzte Reis-Deal nicht. Foto: AFP
Thailands Ministerpräsidentin Shinawatra passt der geplatzte Reis-Deal nicht. Foto: AFP

Stuttgart - Wer hierzulande kundtun möchte, wie wenig Interesse er an einem Thema hat, der bemüht den Sack Reis, der irgendwo in China umgefallen sei. Soll heißen: wen interessiert das schon. Chinesische Behörden haben nun nicht nur einen Sack, sondern ein ganzes Reisgeschäft umgestoßen. Mehr als eine Million Tonnen der weißen Körner wollte China von Thailand kaufen. So hatte das jedenfalls Ministerpräsident Li Keqiang seiner Kollegin Yingluck Shinawatra bei einem Besuch im November versprochen. Als ob Shinawatra nicht genügend Probleme mit der rebellischen Opposition hätte: der Deal ist geplatzt. Das wird die Noch-Regierungschefin gewaltig in Bedrängnis bringen.

Thailand bleibt auf den Körner sitzen

Thailand sitzt inzwischen auf mehr als acht Millionen Tonnen Reis – die Folge einer völlig verfehlten Politik. Seit ihrem Wahlsieg im Jahr 2011 kauft die Regierung Shinawatra den Bauern die Tonne Reis für rund 500 Dollar ab, das sind etwa 50 Prozent mehr als der augenblickliche Preis auf dem Weltmarkt. Die Idee dahinter: Thailand wollte den Reis lagern, den Weltmarkt austrocknen und, wenn die Preise steigen, mit Gewinn verkaufen. Dumm nur, dass sich nicht alle an die von Bangkok ausgedachten Spielregeln gehalten haben. Flugs weiteten Vietnam und Pakistan ihren Export aus. Indien beendete sein Ausfuhrverbot und flutete den Markt mit billigen Körnern. Thailand, über drei Jahrzehnte stets der größte Reisimporteur der Welt, ist nun hinter Indien und Vietnam zurückgefallen. Und in den Lagerhäusern des Landes beginnen die Körner zu verrotten. Nach Schätzung der Weltbank würde Thailand 3,7 Milliarden Dollar verlieren, wenn es den im letzten Jahr eingelagerten Reis zum heutigen Preis verkaufen müsste.

Der Unmut der Farmer wächst

Der Handel mit China erschien da als unerhoffter Segen – zumal viele der thailändischen Bauern noch immer auf die ihnen versprochenen Zahlungen warten. Nun bleiben die Regierungskassen leer, und der Unmut unter den Farmern, die bisher treu zu Shinawatra gehalten haben, wächst. Das dürften die Chinesen sehr wohl gewusst haben. Ihre offizielle Begründung zum Ende des Geschäftes lautet: man wolle nicht in die Untersuchungen der Antikorruptions-Kommission gegen Mitglieder der thailändischen Regierung hineingezogen werden.




Unsere Empfehlung für Sie