Ludwigsburg - Lange ist es her, dass das Wasser aus dem Monrepos-See am Rande von Ludwigsburg abgelassen wurde. Im Herbst könnte es nach mehr als 14 Jahren mal wieder soweit sein – zumindest auf einem kleinen Teil. Die Hofkammer, der das Gelände gehört, plant, einen 200 Quadratmeter großer Bereich rund um den Ablauf des Sees abzutrennen, anschließend soll der Bereich ausgebaggert werden. Der sogenannte Mönch ist verschlammt, statt den tiefen Wasserschichten werden deshalb nur noch die oberen, sauerstoffreicheren Schichten ausgetauscht – einer der Gründe, warum der See nicht mehr ausreichend durchlüftet wird und zu kippen droht. Die Sportfischer, die das Gewässer gepachtet haben, und die Hofkammer versprechen sich viel von der Aktion. Ob ein Bagger eingesetzt darf, hängt aber auch davon ab, was sich am Grund des Sees angesammelt hat.
Ein Institut prüft derzeit den Schlamm auf Schad- und Nährstoffe. Im schlimmsten Fall könnte er so belastet sein – beispielsweise durch Metalle – dass er als Sondermüll entsorgt werden muss. „Das kann das Thema zum Scheitern bringen“, sagt der Verantwortliche bei der Hofkammer, Rainer Setzer. 500 Euro für die Entsorgung einer Tonne Schlamm seien durchaus möglich, aber für die Hofkammer zu teuer. Allein das Ausbaggern des Mönchs kostet etwa 30 000 Euro, daran beteiligen sich auch die Sportfischer.
Auch ein tieferer Zulauf würde helfen
Deshalb hoffen die Verantwortlichen, dass der Schlamm einigermaßen „sauber“ ist, und beispielsweise in der Landwirtschaft weiterverwertet oder einfach auf einer Wiese getrocknet und dann als normaler Müll entsorgt werden kann. Der Hofkammer und den Fischern wäre es am liebsten, sie könnten den kompletten See ablassen, was aber unrealistisch ist. Den See mit Frischwasser – beispielsweise aus dem Bodensee – zu versorgen, würde extrem viel kosten. Die Mengen, die natürlich in den See fließen, reichen mittlerweile bei Weitem nicht mehr aus. Die Sportfischer schlagen dennoch vor, auch den Zulauf auszubaggern – vor allem in die Tiefe. Das nämlich würde aus ihrer Sicht eine Bepflanzung „und somit die biologische Aktivierung des Zulaufes und einen konstanten Zufluss sauerstoffgesättigten Wassers ermöglichen“.
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Vor allem die Sportfischer hatten zuletzt Kritik an der Stadt und dem Landratsamt geübt, sie würden sich nicht wirklich um den Erhalt des Naherholungsgebiets scheren. Bürgermeister Michael Ilk weist das zurück, die Stadt fühle sich durchaus verantwortlich. Unter anderem zahle man für den Erhalt der Wege einen gewissen Betrag an die Hofkammer. Da der See auf privatem Grund liege, könne die Stadt allerdings nur zuarbeiten, so Ilk. Er verweist auf die schwierige Gemengelage – nicht nur was die Eigentumsverhältnisse anbelangt – sondern auch auf Natur- und Denkmalschutz.
Sportfischer wünschen sich mehr Engagement der Stadt
Die Probleme mit dem See sind der Stadt seit langem bekannt, Ilk sagt sogar: „Eigentlich kommt das jedes Jahr im Sommer.“ Nur nachhaltig gelöst wurde das Problem bislang nicht. „Für uns ist das Thema zu groß – und für die Hofkammer eigentlich auch“, sagt Gewässerwart Andreas Schulz. Fast klingt das wie ein Hilferuf. In diesem Sommer haben die Sportfischer dafür gesorgt, dass Schilder aufgestellt wurden, die Spaziergänger sensibilisieren sollen. Mit Umwälzpumpen wird das Gewässer zudem belüftet. Eine langfristige Lösung ist das aber nicht. Wie der Rest der Sportfischer auch, wünscht sich Schulz mehr Interesse von Seiten der Stadt und des Landratsamts – und weniger Bürokratie. „Wir können eigentlich nichts tun ohne Genehmigung“, so Schulz. Er bemängelt, dass bei Vorschlägen oder auch nur Nachfragen schnell das Thema Geld vorgeschoben werde: „Ich weiß, dass viele Maßnahmen viel Geld kosten, aber trotzdem muss man darüber reden.“
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Das soll demnächst bei einem runden Tisch passieren. Die unterschiedlichen Parteien – Verein, Grundstückseigentümerin und Verwaltungen – wollen zusammenkommen und die Möglichkeiten, das Gewässer längerfristig zu ertüchtigen, erörtern. Schulz fordert, die „Kräfte zu bündeln“ und vor allem zu fragen, was gemeinsam möglich sei.
Wasser aus der Kläranlage wird bei Starkregen zum Problem
In einem Punkt ist die Stadt aber auf jeden Fall gefordert: bei Starkregenereignissen wie zuletzt läuft das Rückhaltebecken der Kläranlage hinter der B 27 über, Wasser gelangt so auch in den See. Hier gilt es nachzubessern. Laut Rainer Setzer, der die Zusammenarbeit mit den Verwaltungen zuletzt positiv bewertet, gibt es bereits Untersuchungen, wie das Problem angegangen werden könnte. Eine Möglichkeit sind beispielsweise zusätzliche Rückhaltebecken. Michael Ilk verspricht, in diesem Punkt Hilfe, auch um die Entwässerungsgräben könne sich die Stadt möglicherweise (mit- )kümmern.