Schloss Kaltenstein Wen zieht es ins Schloss Kaltenstein?

Das stolze Schloss ist als Immobilie schwer vermittelbar. Foto: factum/Archiv
Das stolze Schloss ist als Immobilie schwer vermittelbar. Foto: factum/Archiv

Das Wahrzeichen der Stadt steht neuerdings leer. Das Land sucht neue Mieter für Schloss Kaltenstein in Vaihingen/Enz. Einfach wird das nicht. Doch es gibt bereits Interessenten.

Vaihingen/Enz - Das Lichtmanagement funktioniert noch einwandfrei. Punkt 23 Uhr gehen in und um Schloss Kalten-stein die Lichter aus. Von außen betrachtet hat sich also nichts verändert. Aber innen sieht es anders aus: Seit Anfang des Jahres steht das Vaihinger Wahrzeichen leer. Nach 65 Jahren hat das Christliche Jugenddorf CJD (siehe Info-Kasten) das Gemäuer schweren Herzens geräumt. Aus Kostengründen, wie es hieß. Jetzt steht der Eigentümer, das Landesamt für Vermögen und Bau in Ludwigsburg, vor der kniffligen Aufgabe, die ziemlich ungewöhnliche Immobilie zu vermieten oder zu verkaufen.

Dass das nicht einfach wird, weiß auch Raphaela Sonnentag, die Leiterin des Ludwigsburger Amts. „Das ist keine Immobilie wie jede andere“, sagt sie. Momentan sei ihr Amt allerdings weniger damit beschäftigt, Interessenten durch das Gebäude zu führen. Vielmehr gehe es darum, das Schloss nach den 65 Jahren in fester Mieterhand von innen näher kennen zu lernen.

„Es gibt einiges zu tun“

Es stehe eine Bestandsaufnahme des Gebäudes an. „Alles wird auf Herz und Nieren abgeklopft“, sagt Raphaela Sonnentag, „es gibt einiges zu tun.“ So sei zum Beispiel das Heizungs- und Wassersystem komplett von den umliegenden Gebäuden des CJD abzukoppeln, um das Schloss infrastrukturell autark zu machen. Es werde zudem untersucht, welche Räumlichkeiten sich für eine erneute Vermietung eignen – und in welcher Form. Dass sich erneut ein Mieter findet, der wie das Jugenddorf das ganze Schloss mit seinen rund 1800 Quadratmetern für stolze 200 000 Euro jährliche Warmmiete will, gilt als eher unwahrscheinlich.

Als Klotz am Bein empfinde ihre Behörde das Schloss keineswegs – im Gegenteil. „Es gibt schon die eine oder andere Anfrage“, sagt Raphaela Sonnentag. Während der Bestandsaufnahme der Räumlichkeiten wolle sie parallel „erst mal Interessenten sammeln“, um danach in konkretere Verhandlungen treten zu können.

Bezüglich der künftigen Nutzung komme aus ihrer Sicht vieles in Frage. Museum, Veranstaltungsort, Gewerberäume: „Es gibt da keine Denkverbote.“ Grundsätzlich sei jede Form von Umnutzung oder Umbau natürlich zeitaufwendig, weil es „viele Beteiligte“ gebe – insbesondere den Denkmalschutz, der ein Wörtchen mitzureden habe, sagt Raphaela Sonnentag.

Ein Internat? „Ich würde mich freuen“, sagt der OB

Wird das Schloss Kaltenstein also künftig, wie etwa das deutliche kleinere Schloss in Eberdingen-Nußdorf, gewerblich genutzt? Der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch hält das momentan für die wahrscheinlichste Variante. Dass es schon konkrete Interessenten gibt, mag er aber nicht glauben. „Ich glaube, dass die Anfragen bisher eher allgemein waren“, sagt der Rathauschef. Nach 65 Jahren mit einem Dauermieter könne das Land noch gar nicht wissen, was es überhaupt in einer Immobilienausschreibung auflisten will. Die Informationslage sei noch überaus dünn. „Wer auf dieser Basis schon Interesse bekundet, hat sich das vorher nicht gut überlegt“, sagt Maisch.

Eine Nutzung als Museum, wie etwa in Schloss Waldenbuch (Kreis Böblingen) könne er sich gut vorstellen – allein: „So etwas stampft das Land auch nicht so schnell aus dem Boden.“ Das habe die schier endlose Entstehungsgeschichte des Gefängnismuseums auf dem Hohenasperg gezeigt. Doch sollte sich jemand mit der Idee tragen, in dem Schloss ein Internat einzurichten, „dann würden wir uns sehr freuen“. Vor knapp sechs Jahren hat ein privater Investor Schloss Freudental nebst Schlosspark gekauft, um eine Privatschule darin aufzubauen. Doch es kam zum Streit mit der Gemeinde, die Pläne scheiterten. „Ich fände so was toll“, sagt Maisch.




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