Schnapsbrenner im Nebenberuf Gin unter ärztlicher Aufsicht

Michaela und Karl-Friedrich Scheible: mal Ärzte, mal Schnapsbrenner. Foto: Scheible

Erst kam der Asteroid, dann der Wacholder und wer trinken will, bis der Arzt kommt, kann sofort damit aufhören. Michaela und Karl-Friedrich Scheible sind Ärzte und sie brennen nebenbei Schnaps.

Stuttgart - Michaela und Karl-Friedrich Scheible sind Mediziner und kümmern sich in ihrer Gemeinschaftspraxis in Alerheim seit rund 25 Jahren um das Wohl ihrer Patienten. Mit Schwerpunkt klassische Homöopathie. Und mit einer Besonderheit: Wer in die Praxis möchte, kommt am Alkohol quasi nicht vorbei. Liegt diese doch auf dem Gelände der mittlerweile stillgelegten Brauerei, die die Vorväter von Karl-Friedrich Scheible bereits anno 1621 gründeten.

 

Bier wird dort zwar seit Längerem nicht mehr gebraut und Sudhaus und Co. standen lange Jahre leer. „Aber mit so einer Familientradition sitzen einem die Ahnen etwas im Nacken“, erklärt Karl-Friedrich Scheible, was ihn angetrieben hat, zumindest nebenberuflich, an die Familientradition anzuknüpfen, und wo früher das Bier in Flaschen gefüllt wurde, Alkoholisches zu produzieren: den Kräuterlikör Kraterfeuer und den Gin Krater Noster.

Gin vom Asteroidenkrater

Klein, fein, mit etwas mehr Umdrehungen als Bier und mit einer starken Verbindung zum Nördlinger Ries, dem Asteroidenkrater, in dessen östlichem Teil Alerheim liegt und dessen landschaftliche Besonderheiten die Ries-Bewohner seit jeher kulturell geprägt haben.

Kraterspirits nennt sich die Destille, wo es Alkohol zwar nicht auf Rezept und auch nicht ausschließlich in homöopathischen Dosen gibt, aber zumindest mit ärztlichem O. K. „Maßhalten ist zwar ein Ziel, aber Lebensfreude und Genuss sind auch Teil eines gelungenen Lebens“, antwortet Karl-Friedrich Scheible auf die Frage, wie sich denn der Berufsstand des Arztes mit dem des Gin- und Likörproduzenten vereinbaren lasse.

Der Kraterfeuer sei einst aus Zufall entstanden, sagt Karl-Friedrich Scheible, weil seine Mutter die Minze aus ihrem Garten irgendwie verarbeiten wollte und daraus eben einen Kräuterlikör hergestellt habe. Über Jahre hinweg sei der Likör immer weiter verfeinert worden. Neben Zutaten, die geheim bleiben sollen, sei auch etwas Ingwer dazugekommen.

Das Endprodukt sei, so Scheible, „ein Kräuterlikör, der wegen einer mentholhaltigen Pfefferminzsorte einen frischen Geschmack hat und dem der Ingwer eine wärmende Schärfe verleiht“. Daher auch die Inspiration, ihn, in Anlehnung an den Rieskrater, Kraterfeuer zu nennen. „Der Kraterfeuer polarisiert, weil er so stark nach Minze schmeckt. Entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht“, ist Karl-Friedrich Scheible überzeugt.

Sprichwörtlich ausgezeichnet

Die Jury des internationalen Wettbewerbs World Spirit Awards gehört definitiv zur ersten Fraktion. Sie prämierte den Kräuterlikör und den Gin aus dem Ries bereits mehrfach. Zuletzt beim World Spirit Award 2019 mit Gold und Double Gold, Letzteres die höchstmögliche Auszeichnung. Das macht Karl-Friedrich Scheible natürlich stolz, der viel Kreativität in die Entwicklung und Herstellung seiner Destillate steckt. „Wir wollten einen Gin machen, der nicht schmeckt wie jeder Gin, sondern einen, der uns schmeckt.“

Herausgekommen ist ein Gin, in dem die geschmackliche Vielfalt der Wacholderbeeren aus dem Ries mit einer herben Note aus Rhabarberwurzel harmoniert, abgerundet durch eine feine Nuance Birne und Zitrone. „Die Zutaten sollten zur Vegetation im Ries passen“, sagt Scheible, die ganze Rezeptur will er natürlich nicht preisgeben. Schließlich will man sich ja nicht die Konkurrenz heranziehen.

Erst kam der Asteroid, dann der Wacholder

Kein Geheimnis ist, dass der Gin exakt 46,9 Prozent hat, in Reminiszenz an den Wennenberg, den 469 Meter hohen Hausberg Alerheims, und dass die Wacholderbeeren für den Krater Noster von den Scheibles – zwei Töchter sind auch noch mit von der Partie – per Hand und mit Sondergenehmigung im Landschaftsschutzgebiet der Rieser Wacholderheide gesammelt werden.

Nach jeder Ernte lässt die Familie den Grundstückseigentümern eine, in ihrer Höhe von der Sammelmenge abhängige, zweckgebundene Spende zur Pflege der Kulturlandschaft Ries zufließen. Denn, so ist Karl-Friedrich Scheible überzeugt, die durch einen Asteroideneinschlag entstandene Landschaft beeinflusst den Geschmack der Wacholderbeeren und muss erhalten bleiben.

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