Eigentlich ist die Versorgung mit schnellem Internet in Esslingen vergleichsweise hoch. Rund 75 Prozent der Esslinger Haushalte sind mit Bandbreiten von mehr als 1000 Mbit pro Sekunde versorgt. Das liegt nach Angaben der Stadt aber vor allem an dem recht gut ausgebauten Netz für Kabelfernsehen, über das hohe Internetgeschwindigkeiten verfügbar seien. Die Versorgung mit Glasfaserkabeln liege hingegen nur bei 16,4 Prozent – und der weitere Ausbau scheint ins Stocken zu geraten.
Grund dafür, dass vielen Unternehmen ein wirtschaftlicher Glasfaser-Ausbau in Esslingen nicht möglich erscheint, sind offenbar steigende Kosten und der Fachkräftemangel. Aber auch die schwierigen Bedingungen in Esslingen mit zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden in engen Gassen spielen wohl eine Rolle – so zumindest erklärte es Marc Ströbele vom Esslinger Tiefbauamt in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU). „Kein einziges Unternehmen wird in diesem Jahr in Esslingen weiterbauen“, so Ströbele. Die Telekom werde zwar laufende Bauarbeiten in der Innenstadt noch beenden, aber keine weiteren Grabungen beginnen. Und auch auf die Anfrage, ob in den kommenden drei Jahren ein eigenwirtschaftlicher Ausbau geplant sei, habe sich kein einziges Telekommunikationsunternehmen gemeldet.
Wenig Chancen auf Fördergelder
Deshalb versucht die Stadt, einen Ausbau mit Hilfe von Förderprogrammen voranzutreiben. Doch auch das gestaltet sich schwierig. Zwar wären laut Marc Ströbele rund 7500 Adresspunkte in Esslingen förderfähig, ein entsprechender Förderantrag sei aber abgelehnt worden. Laut Hans-Jürgen Bahde, dem Breitbandbeauftragten und Geschäftsführer der Gigabitregion Stuttgart, der im jüngsten ATU zu Gast war, gibt es mehrere Gründe dafür. So erfülle Esslingen in gleich mehrfacher Hinsicht nicht die Kriterien für besonders förderwürdige Kommunen. Denn die Stadt sei durch das weit verzweigte Netz für Kabelfernsehen recht gut mit schnellem Internet versorgt, sei eine eng bebaute größere Stadt und habe eigentlich gute Chancen auf einen eigenwirtschaftlichen Glasfaser-Ausbau durch Telekommunikationsunternehmen. Und da das Geld knapp sei, hätten zunächst unterversorgte Gemeinden im ländlichen Raum Priorität.
Daher machte Bahde den Stadträtinnen und Stadträten im ATU wenig Hoffnung auf eine baldige Förderzusage. „Eigentlich müssten wir stattdessen schauen, wie wir einen eigenwirtschaftlichen Ausbau in Esslingen hinbekommen“, erklärte der Breitbandbeauftragte. Auch Marc Ströbele vom Tiefbauamt befand: „Es macht wenig Sinn, wieder einen Förderantrag für die Gesamtstadt zu stellen.“ Lieber wolle man versuchen, den Glasfaserausbau in kleineren Gebieten fördern zu lassen. So sollen nun Förderanträge für die Bereiche Hegensberg/Liebersbronn sowie Sirnau gestellt werden, weil dort bislang nur vergleichsweise geringe Bandbreiten vorhanden seien.
Esslingen liegt bei Glasfaserversorgung im Mittelfeld
Im Vergleich mit anderen Städten im Kreis Esslingen und der Region Stuttgart liegt Esslingen bei der Glasfaserversorgung mit 16,4 Prozent derzeit im Mittelfeld. Spitzenreiter in der Region ist Ludwigsburg mit einer Quote von mehr als 93 Prozent. Auch Ostfildern ist mit 48 Prozent weit vorn – und befindet sich einige Plätze vor Leinfelden-Echterdingen (24,6 Prozent) und Stuttgart (23,2 Prozent). Nürtingen hingegen liegt mit einer Quote von 14,2 Prozent hinter Esslingen, ebenso Filderstadt mit 13,4 Prozent.
Das Schlusslicht bei den Großen Kreisstädten im Landkreis Esslingen ist Kirchheim mit einer Glasfaserversorgung von lediglich 9,8 Prozent.