Schnelles Internet in Hemmingen Der Bürgermeister und die Glasfaser

Wirft einen Blick in den Verteiler: Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer freut sich über den Glasfaserausbau. Foto: Gemeinde Hemmingen

In Hemmingen ist der Startschuss für schnelles Internet mit Glasfaser gefallen. Der Bürgermeister Thomas Schäfer freut sich darüber sehr.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Gut 143 Kilometer Glasfaserkabel bringt die Telekom in den nächsten Monaten in die Erde und stellt 30 neue Verteiler auf. Der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) berichtet im Interview, warum er schnelles Internet für rund 3600 Haushalte so wichtig findet – und was bisher geschah.

 

Herr Schäfer, wie viele Stunden sind Sie täglich online?

Im Büro läuft mein Computer den ganzen Tag, das sind schon mal bis zu neun, zehn Stunden. Zuhause nutze ich Handy und Tablet. Im Prinzip bin ich fast immer online.

Nicht nur deswegen setzen Sie sich seit vielen Jahren für schnelles Internet ein.

Die Glasfaser ist ein Standortfaktor, ohne sie geht heute nichts mehr. Sie gehört zur lokalen Infrastruktur wie ein Wasser- und Abwasseranschluss. Ein schneller Internetanschluss ist ein Grundpfeiler der Digitalisierung. Seit der Coronapandemie muss man keinem mehr Homeoffice erklären – und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. Mich freut es, dass die Telekom in Hemmingen eigenwirtschaftlich ausbaut, die Gemeinde also nichts dafür zahlt.

Sie sagen, die Breitbandversorgung verfolge Sie seit dem Wahlkampf 2009.

In der Zeit kam das Thema auf, die Internetversorgung zu verbessen. Mit Bürgern wurde eine Breitbandkommission gegründet, Beratungsleistungen wurden eingekauft. Gerade mit der Telekom gab es unzählige Gespräche und Eskalationen mit Schreiben bis zum damaligen Vorstand René Obermann. Das Kupfernetz war unstrukturiert, und es gab Probleme mit dem Vergaberecht. Aus den Plänen der Telekom, das Netz zu restrukturieren, wurde nichts. Hemmingen hat verschiedene Anbieter und akzeptable Anbindungen. Manche Haushalte bekamen VDSL, andere den langsameren Richtfunk. Alles uneinheitlich. Die Gründung des Zweckverbands Kreisbreitband Ludwigsburg und der Gigabit Region hat noch mehr Dynamik in die Ausbau-Aktivitäten gebracht. Für mich hat sich nun der Kreis geschlossen.

Manche im Ort stört, dass die Telekom beim Glasfaserausbau das Monopol hat.

Es gibt Open Access. Die Telekom als Inhaberin öffnet das Netz für alle anderen Anbieter. Somit können Glasfaser auch die Haushalte nutzen, die keine Kunden der Telekom sind.

Einige Bürgerinnen und Bürger empfinden es als unangenehm, gar unseriös, wenn Telekom-Mitarbeiter bei ihnen klingeln, um Verträge zu verkaufen.

Bei uns im Rathaus gingen in der Tat einige Beschwerden ein. Ich denke, wenn man sieht, dass jetzt gegraben wird, schaut die Sache etwas anders aus. Wer sich ungezwungen beraten lassen will – die Telekom hat bis einschließlich Freitag einen Stand auf dem Alten Schulplatz, immer von 10 bis 18 Uhr.

Von schnellem Internet bis zu einem Gigabit pro Sekunde bleiben einige Aussiedlerhöfe abgehängt. Was tun?

15 bis 20 Haushalte im Westen der Gemarkung gelten wegen ihrer Anschlüsse als „Graue Flecken“. Für sie wurde die Förderung über Nacht aber auf Eis gelegt. Sie sind zwar mit Richtfunk einigermaßen versorgt, trotzdem müssen wir einen Weg finden, um am besten für alle die gleichen Verhältnisse zu schaffen. Vielleicht können wir uns mit anderen Kommunen zusammenschließen und Cluster bilden. Ich bin zuversichtlich, dass sich eine Lösung findet. Den Ausbau der ebenfalls unterversorgten „Weißen Flecken“ fördern Bund und Land zum Glück mit insgesamt 90 Prozent. Die „Grauen Flecken“ ohne Förderung auszubauen, wäre für uns sehr teuer und vergaberechtlich schwierig.

Die Bauarbeiten haben bei Helukabel begonnen. Wie groß werden die Einschränkungen für die Bevölkerung sein?

Es wird von Ost nach West ausgebaut. Priorität haben die Haushalte, die einen Tarif gebucht haben. Die reinen Hausanschlüsse sind danach an der Reihe. Im Gewerbegebiet, wo nun der Startschuss gegeben wurde, gibt es bereits viele Leerrohre. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis November oder Dezember 2024. Es geht nicht ohne Tiefbauarbeiten, aber die Einschränkungen werden sich hoffentlich im Rahmen halten.

Alle zusammen für schnelles Internet

Das Gigabitprojekt
Im Fokus des Projekts steht der partnerschaftliche Ausbau des Glasfasernetzes. Es beteiligen sich die Stadt Stuttgart sowie die fünf Landkreise Ludwigsburg, Böblingen, Esslingen, Göppingen und Rems-Murr. Bis zum Jahr 2025 sollen die Hälfte der Haushalte, alle Unternehmen und die Schulen schnell ins Internet kommen. Bis zum Jahr 2030 sollen 90 Prozent aller Haushalte Zugang zu einem Glasfaseranschluss haben. Neben der Telekom sind in der Region Stuttgart weitere Unternehmen im Ausbau des Netzes aktiv.

Das Mobilfunknetz
Die Rahmenvereinbarung mit der Telekom sieht laut dem Telekommunikationsunternehmen zudem vor, den Aufbau eines leistungsstarken 5G-Netzes voranzutreiben. In deren Mobilfunknetz können bereits knapp 95 Prozent aller Haushalte 5G nutzen und über 99 Prozent der Bevölkerung 4G/LTE, teilt die Telekom mit.

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