Schön wohnen mit skandinavischem Design Nordische Schlichtheit

Art déco inspiriert: „Matrix“-Vasen von der Designerin Monica Förster für die dänische Traditionsfirma Georg Jensen. Foto: Hersteller/GJ

Poetisch praktische Möbel und Accessoires: eine Begegnung mit der international bekannten schwedischen Designerin Monica Förster.

Stockholm - Text Zwar zeigen sich schon auf der Möbelmesse in Stockholm, der Furniture & Light Fair 2020, Anfang Februar erste Anzeichen der nahen Corona-Krise (Besucher aus dem Fernen Osten bleiben aus), doch am Stand des Türklinkenproduzenten Habo Selection drängen sich Designfans. Sie scharen sich um eine schwedische Designerin, die hier ihre Entwürfe präsentiert. Monica Förster, aufgewachsen nah am Polarkreis als Tochter einer Sami-Mutter und eines deutschen Vaters.

 

Ihre Entwürfe sind praktisch und poetisch zugleich. So hat sie sich längst über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht. Jetzt steht Förster – dunkler Pulli, schlichte Hose – so unprätentiös, wie man’s den Schweden gerne nachsagt, für Fotografen und Journalisten bereit. Ein paar kurze Fragen, Frau Förster? „Aber gern!“

Dabei posiert sie geduldig vor ihren Modellen. Es sind praktisch Allzweckgriffe für den Alltag, jedoch atypisch geformt, mit matten oder metallisch glänzenden Flächen – und künstlerischem Touch. Glänzende Oberflächen gehören bei Förster zum häufig aufschimmernden Leitmotiv. „Man kann sie jenseits ihrer Funktion spielerisch als Installation anordnen!“, sagt sie.

Stühle für eine bosnische Edelholzmanufaktur

Ende 2019 hat die Designerin zusammen mit der Edelholzmanufaktur Zanat aus Bosnien das Restaurant Positano Yes gestaltet, in einem der oberen Stockwerke des alteingesessenen Jugendstil-Kaufhauses Nordiska Kompaniet in der Stockholmer Hamngatan. Ein wiederkehrendes Motiv sind hier Zitronen, die amalfitanische Leichtigkeit verbreiten.

Auch den Barhocker „Barstool“ aus dunklem Holz hat Förster eigens entworfen, nachdem sie zuvor schon mit Zanat den spannungsvoll geformten Stuhl „Sana“ herausbrachte. Seit diesem Jahr ergänzen die auch auf der Kölner Möbelmesse vorgestellten „Hide and Seek Containers“, Aufbewahrungsboxen mit dekorativen Schnitzereien, die gemeinsame Zusammenarbeit.

Weil es über Monica Försters Entwürfe viel mehr zu sagen gibt, als bei einem gemeinsamen Kurzbesuch im brandneuen Restaurant zu besprechen ist, lädt die Designerin zu einem Treffen in ihr Studio ein. Das liegt in einer ehemaligen Brauerei aus dem 17. Jahrhundert in der Björngårdsgatan im angesagten Viertel Södermalm.

Vier Mitarbeiter feilen hier an neuen Modellen. Die Gestalterin empfängt den Gast in einem kleinen, separaten Raum im Erdgeschoss, serviert selbst gebrauten Kaffee – und schiebt eine kleine Schale Schokolinsen über den Tisch. „Das gibt schnelle Energie“, sagt sie.

Inspirationsquelle Natur

Monica Förster wägt ihre Worte genau ab. Und erzählt erst einmal von der Natur Lapplands, wo sie aufwuchs, „mitten im Nirgendwo, wo es keine Umweltverschmutzung und sehr klare Luft gibt“. Förster kommt im Jahr 1966 in Stockholm zur Welt. Ihr Vater ist ein deutscher Chefkoch und Patissier, der ihr mittels Zuckerbäckerei die Lust am Gestalten vermittelt. Ihre Mutter gehört einer schwedisch-lappländischen Sami-Familie an, die ihr jüngst einen 130 Hektar großen Wald vererbte.

Förster wächst in Dorotea auf, einer Gemeinde von rund 1500 Einwohnern in Schwedisch Lappland, wo die Eltern ein Hotel führten. Weil das Land so abgelegen ist, sammelt die Familie Früchte, Beeren, Pilze, geht fischen und jagen. „Du hast das Beste gemacht aus dem, was du hattest. Das macht kreativ!“

Zwischen Kunst und Praxistauglichkeit

Ebendiese Nähe zur Natur ist es, aus welcher viele der großen nordischen Designer schöpfen. Später geht Förster in München und Brighton aufs Internat und überlegt, Künstlerin zu werden, zieht dann aber doch Design vor, das Produktegestalten. Sie studiert am künstlerisch geprägten Beckmans College of Design, danach auf der praktisch orientierten Designhochschule Konstfack in Stockholm. Förster: „Ich brauche diese beide Seiten, denn meine Entwürfe sind sehr ideenbasiert.“

Im Jahr 1999 gründet sie ein eigenes Studio und arbeitet für große Mailänder Firmen wie Cappellini und Poltrona Frau. Mit „Cloud“ für Offecct im Jahr 2003 erfindet sie ein tragbares Konferenzzimmer, damit wird sie bekannt. Mit „Lei“ für den deutschen Hersteller Officeline folgt 2009 der erste ergonomische Bürostuhl für Frauen.

Förster versteht sich als klassische Industrie-Designerin, zugleich beeinflusst ihre Biografie, die Hintergründe beider Elternteile, ihre Arbeit. Förster denkt praktisch, mit artifiziellem Einschlag und mit Humor – so hat sie zum Beispiel den ersten leuchtenden Klodeckel entworfen, 1995 war das. In nordischen Ländern mit langen dunklen Wintern eine durchaus naheliegende Produktidee.

Daneben beherrscht die Gestalterin die nordisch-lässige Gangart, wie die federleicht wirkenden Tischchen und Sessel der Serie „Savannah“ in hellen Nude-Tönen für Hersteller Erik Jørgensen beweisen. Mehrfach preisgekrönt, werden ihre Werke inzwischen weltweit ausgestellt, etwa im New Yorker Museum of Modern Art und im Londoner Victoria & Albert Museum: als zugleich poetische und praxistaugliche Helden des Alltags.

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