Drei Mal hat es in diesem Jahr schon gekracht, drei Mal gab es Verletzte, eine Person starb noch an der Unfallstelle. Die Kreuzung zur Autobahnauffahrt Ludwigsburg-Süd entwickelt sich immer mehr zur Problemzone. Zumindest die Stadt Ludwigsburg sieht das so. Die Polizei dagegen beruft sich auf die Verkehrsordnung, gemäß der dort noch keine Unfallhäufungsstelle vorliegt. Wie geht es nach dem dritten Unfall jetzt weiter?
Die Vorfälle ähneln sich für den außenstehenden Betrachter auffällig. Nicht nur, weil die Fahrzeuge jedes Mal in der Mitte der Kreuzung zwischen Schwieberdinger Straße und Westrandstraße seitlich aufeinander prallten. In allen Fällen geht die Polizei zudem davon aus, dass es zum Zusammenstoß kam, weil einer der Beteiligten eine rote Ampel übersehen hatte.
Das – da sind sich Stadt und Polizei einig – schränkt die Möglichkeiten, die Situation dort zu verbessern, möglicherweise erheblich ein. „Wenn es wirklich nur um Rotlicht-Verstöße geht, ist es knifflig“, sagt Heinz Mayer, Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung bei der Stadt Ludwigsburg. „Da können wir eigentlich nicht viel machen.“ Nach den beiden Unfällen im Januar hatte es sogar schon eine direkte Reaktion gegeben, die Polizei hatte die Sichtbarkeit der Ampeln angepasst, um Verwechslungen zu vermeiden – offenbar ohne dauerhaften Erfolg. Ob es deshalb nun größere Maßnahmen braucht, wird laut Polizei derzeit geprüft.
Eingeengt wird der Handlungsspielraum für die Verantwortlichen zudem durch die Verkehrsordnung. Das „Merkblatt zur örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen“ (Muko) gibt genau vor, ab wann an einer Unfallstelle auch wirklich von einer Häufung die Rede sein kann. Die Einordnung funktioniert nach einem Punktesystem. Fünf Punkte gibt es für einen Zusammenstoß, der einen Toten oder Schwerverletzten zur Folge hat, zwei Punkte für einen Unfall mit einem Leichtverletzten. Erst bei 15 Punkten innerhalb von drei Jahren würde man juristisch gesehen von einer Unfallhäufungsstelle sprechen und müsste entsprechend handeln.
Die drei Unfälle kommen zusammen „nur“ auf neun Punkte, die Kreuzung gibt es aber auch erst seit Mai 2022. Damals war die neue Westrandstraße unter dem Namen „Beim Bierkeller“ freigegeben worden, sie soll den Verkehr in der Weststadt entlasten. „Wir sind damals nicht von einem solchen Gefahrenpotenzial ausgegangen“, sagt Heinz Mayer. „Ich fahre selbst oft über die Kreuzung und nehme sie eigentlich auch gar nicht als gefährlich wahr.“
Dennoch sagt der Fachbereichsleiter: „Es ist klar zu sehen, dass sich an der Stelle die Unfälle häufen. Das macht uns Sorgen.“ Dass der Busunfall im Januar einen Toten zur Folge gehabt habe, sei „alarmierend.“
Die Stadt arbeitet eng mit Polizei, Autobahn GmbH und Regierungspräsidium zusammen, doch die Frage bleibt, was die Verantwortlichen tun können. Zumal eine Ampelschaltung für gewöhnlich als einer der zuverlässigsten Wege der Verkehrskontrolle gilt und die Polizei einen Defekt der Ampeln ausschließt. Derzeit wird die Ursache für den jüngsten Unfall noch untersucht. Was dabei herauskommt, wird für das weitere Vorgehen entscheidend sein. „Wenn wir verkehrstechnisch etwas tun können, werden wir das sofort machen“, verspricht Heinz Mayer. Das Ergebnis der Untersuchung soll innerhalb der nächsten zwei Wochen vorliegen.