Schon vor der Pandemie Deutlich mehr behinderte Kinder und Jugendliche bekommen Hilfen

Unterstützung gibt es unter anderem in der Schulbegleitung (Symbolbild). Foto: dpa/Patrick Pleul
Unterstützung gibt es unter anderem in der Schulbegleitung (Symbolbild). Foto: dpa/Patrick Pleul

Bereits vor der Corona-Pandemie haben deutlich mehr Kinder und Jugendliche mit seelischen Behinderungen Hilfen zur Eingliederung ins soziale Leben bekommen.

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Wiesbaden - Seelische und soziale Probleme von Kindern und Jugendlichen haben bereits vor der Corona-Pandemie eine immer größere Rolle gespielt. 2019 gewährten die Träger der Kinder- und Jugendhilfe rund 109.200 Eingliederungshilfen für Betroffene mit einer seelischen Behinderung. Wie das Statistische Bundesamt zum Tag der Inklusion am Dienstag mitteilt, waren das 156 Prozent mehr als noch zehn Jahre zuvor. Damals lag die Zahl der Eingliederungshilfen bei rund 42.600.

Die Hilfen sollen Kindern und Jugendlichen, die von einer seelischen Behinderung betroffen oder bedroht sind, die Teilhabe am sozialen Leben erleichtern. Das kann beispielsweise in Form von Beratungs- und Therapieangeboten geschehen, aber auch durch Schulbegleitungen und Integrationsassistenz. Letztere haben im Schulalltag an Bedeutung gewonnen – dies dürfte laut Bundesamt eine Ursache für den Anstieg der gewährten Hilfen sein.

Von Ängsten bis zu suizidalen Tendenzen

Die häufigsten Gründe waren im Jahr 2019 seelische Probleme oder Entwicklungsauffälligkeiten (41 Prozent), dazu zählten zum Beispiel Ängste, suizidale Tendenzen oder Entwicklungsverzögerungen. In 30 Prozent der Fälle wurden die Eingliederungshilfen aufgrund von schulischen oder beruflichen Problemen gewährt, etwa bei ADHS, Hyperaktivität oder Schulschwänzen. Auffälligkeiten im Sozialverhalten wie Isolation, Drogenkonsum oder aggressives Verhalten waren in 16 Prozent der Fälle der Grund für die Inanspruchnahme einer Eingliederungshilfe.

Fast die Hälfte (48 Prozent) der Hilfen wurde von Kindern zwischen 9 und 13 Jahren in Anspruch genommen. Fast drei von vier Betroffenen sind Jungen (73 Prozent), ihr Anteil ist binnen zehn Jahren leicht gestiegen (2009: 70 Prozent). Im Schnitt dauerte eine Eingliederungshilfe knapp zwei Jahre (23 Monate).

Über alle Schularten hinweg stieg die Zahl der speziell geförderten Schülerinnen und Schüler um 19,2 Prozent auf 557.100 im Schuljahr 2019/2020. Darunter sind beispielsweise Kinder und Jugendliche, die wegen emotionaler und sozialer, körperlicher oder geistiger Entwicklungsverzögerungen gefördert werden, sowie jene, die lern-, sprach-, hör- oder sehbehindert sind.




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